Eigentlich waren alle neun Spieler, die in der vergangenen Nacht in das Rio Hotel & Casino in Las Vegas zurückkehrten, um am Finaltisch des Main Events der World Series of Poker 2009 Platz zu nehmen, bereits Gewinner, schließlich sind sichere $1.263.602 Preisgeld kein Pappenstiel. Aber den ganz großen Showdown am kommenden Montag, das Heads-up um den wichtigsten Titel im Pokerzirkus sowie schwindelerregende $8.546.435 Siegprämie, haben natürlich auch sieben der November Nine verpasst und obwohl diese Sieben mit prall gefüllten Geldbörsen und stolzgeschwellter Brust aus Las Vegas abreisen sollten, wird sich der ein oder andere wie ein Verlierer fühlen.
Insgesamt 17 Stunden dauerte der erste Teil eines Spektakels, das eine ganz besondere Geschichte schrieb. In der Hauptrolle PokerStars-Spieler Joe Cada, der erst in diesem Jahr 21 Jahre alt geworden ist und somit zum ersten Mal in seinem Leben den Main Event in Angriff nehmen durfte.
Für Cada schien der Traum vom Sieg in Level 36 (Blinds: 250.000/500.000, Ante: 50.000) bereits ausgeträumt. Er hatte den Pot für 1,25 Millionen Chips eröffnet, Jeff Shulman schob daraufhin seine restlichen 7.025.000 Chips zum All-in in die Mitte und Cada callte das Ganze nach langer Bedenkzeit mit A♦J♠. Shulman zeigte A♠K♥ und verdoppelte, nachdem das Board mit 3♥T♠9♣Q♦4♦ gedealt war, während dem jungen Cada nur noch etwas mehr als vier Big Blinds blieben.
Was folgte, konnte 21-Jährige wohl selbst kaum fassen. Er erwischte einen sensationellen Lauf, hielt nur neun Hände später schon wieder über 12,5 Millionen in Chips und bei noch sechs Spielern war er zum wiederholten Male All-in. Wieder hieß der Gegner Jeff Shulman, wieder lag Cada hinten, diesmal noch deutlicher mit Pocket-Dreien gegen Pocketjacks. Doch gleich die Doorcard war eine Drei und Cada verdoppelte auf über 22 Millionen. Von da an lief es wie am Schnürchen, denn Darvin Moon zahlte auch noch die Rockets von Cada mit K♠9♣ voll aus - 45 Millionen in Chips.
Bei noch drei Spielern führte der Franzose Antoine Saout mit etwas über 80 Millionen, vor Moon (76 Millionen) und Cada (40 Millionen). Es folgte eine Pause und gleich in der ersten Hand danach war Cada erneut All-in. Er hatte vom Small Blind auf 2,55 Millionen erhöht, Saout reraiste vom Big Blind auf 7,3 Millionen und Cada, der zwei Minuten in sich gegangen war, annoncierte das All-in. Saout callte sofort, aus gutem Grund, denn er zeigte im Showdown Pocketqueens. Cada drehte 2♠2♣ um und benötigte einmal mehr Hilfe vom Board. Die kam dann auch prompt, der Flop brachte 7♠2♦9♠ und damit wieder das Set für Cada. Turn und River waren Blanks und Cada erstmals Chipleader mit 78,6 Millionen in Chips.
Vier Hände später war Saout dann All-in mit Pocket-Achten gegen A♦K♠ von Cada. Der Flop mit 5♥4♠5♣ brachte Cada diesmal keine Hilfe und auch nach der T♦ am River durfte Saout weiter auf den wichtigen Double-up hoffen. Aber Cada war nicht zu stoppen und der River brachte den K♣.
Damit erhält Joe Cada tatsächlich die einmalige Chance, Team PokerStars Pro Peter Eastgate als WSOP-Champion abzulösen und dem Dänen gleichzeitig auch den Rekord als jüngster Sieger in der Geschichte des Main Events abzujagen.
Sein Gegner wird am Montag der sympathische Holzfäller Darvin Moon sein, der erwartet unbekümmert in das Finale ging: „Wenn ich gewinne, gewinne ich. Wenn ich verliere, verliere ich." Moon zog sein Spiel durch und eliminierte gleich drei Spieler im Laufe des Finales, unter anderem auch den großen Favoriten Phli Ivey.
Mit 136.925.000 in Chips ist Cada sicherlich der Favorit, aber auch Darvin Moon hat mit 58.875.000 in Chips noch genügend Monition, um seinen Traum zum perfekten Abschluss zu bringen.
Die Bust-outs im Schnelldurchlauf:
9. Platz - James Akenhead - $1.263.602
Der Brite erwischte einen guten Start, als er mit K-Q gegen A-K von Eric Buchman eine Queen riverte und auf knapp 13 Millionen verdoppelte. Doch in Hand #54 rannte Akenhead mit Pocketkings in die Asse von Kevin Schaffel und fünf Hände später folgte das Aus mit Pocket-Dreien gegen Pocket-Neuner von Schaffel, der sogar ein Full House komplettierte.
8. Platz - Kevin Schaffel - $1.300.231
Vor PokerStars-Qualifikant Kevin Schaffel dürfte eine schlaflose Nacht liegen und er wird sich immer wieder fragen, wie es wohl gelaufen wäre, wenn ... Ja wenn seine Asse auch, wie gegen Akenhead, gegen die Kings von Eric Buchman gehalten hätte. Haben sie aber nicht, denn Buchman floppte das Set und traf am Turn sogar den vierten und letzten König. Quads für Buchmann und die Rails für Schaffel.
7. Platz - Phil Ivey - $1.404.014
Phil Ivey tat genau das, weshalb er von vielen Experten, trotz seines kleinen Stacks zu Beginn, der Topfavorit war. Er suchte sich seine Spots genau aus und sammelte viele kleine Pots ein. Doch mehr als knapp 17 Millionen Chips konnte er nie vor sich vereinen und immer wenn es drauf ankam, folgte der Rückschlag. Sein Bust-out illustriert dies sehr gut, denn Ivey investierte seine letzten 6,5 Millionen Chips mit A♣K♠ und dominierte A♦Q♠ von Darvin Moon. Doch gleich im Flop tauchte die entscheidende Queen auf und so blieb der für ihn persönlich sicher enttäuschende 7. Platz.
6. Platz - Steven Begleiter - $1.587.133
Auch Steven Begleiter musste sich der A-Q-Kombi von Darvin Moon beugen. Begleiter hielt Pocketqueens, aber am River schlug das As für den Holzfäller ein und Begleiter wurde zum Cashout begleitet.
5. Platz - Jeff Shulman - $1.953.395
Das begehrteste Bracelet der Pokerwelt wird definitiv nicht im Mülleimer landen. Jeff Shulman hatte sich lange Zeit erfolgreich gegen das Aus gewehrt. Sicherlich wird er der verlorenen Hand mit Pocketqueens gegen Pocket-Dreien von Joe Cada etwas hinterher trauern. Das endgültige Aus folgte aber mit zwei Siebenern im Pocket, gegen A-9 von Saout, der die Neun floppte.
4. Platz - Eric Buchman - $2.502.787
Auch Eric Buchman erlebte eine Achterbahnfahrt, die allerdings nicht, wie bei Cada, das erwünschte Ergebnis brachte. Er war lange Zeit Chipleader, musste aber auch als Shortstack agieren. Ein Highlight war natürlich der Vierling gegen die Asse von Schaffel, der mit fast 90 Millionen Chips größte Pot des Turniers ging allerdings in die falsche Richtung. Buchman verlor das Preflop-All-in mit A♥Q♣ gegen A♦K♣ von Saout. Letztlich reichte dann A♦5♣ nicht gegen K♦J♦ von Darvin Moon, der am Turn den K♥ traf.
3. Platz - Antoine Saout - $3.479.485
Mit 9,5 Millionen brachte der Franzose den zweitkleinsten Stack an den Finaltisch, doch Saout legte eine blitzsaubere Leistung hin, hielt bei noch drei Spieler sogar den Chiplead und schien fast sicher im Heads-up dabei zu sein. Am Ende war es schlicht und einfach Pech, allerdings stehen fast $3,5 Millionen Preisgeld zu Buche und Antoine hat mit Sicherheit viele Fans dazu gewonnen.








