WCOOP 2007: Event #22 – Das Finale

Limit-Poker ist wie eine zerrüttete Ehe zwischen einer Spieltheoretikerin und einem Mathematikgenie. Beide leben in einem Haus, das genau so aussieht wie alle anderen im Pokerviertel, und wer sie nicht genau kennt, hält sie für ein glückliches Paar. Hinter verschlossenen Türen werden die Debatten aber erbitterter geführt als in jeder Nachmittags-Talkshow. Die Mathematikhälfte des Ehepaars besteht darauf, dass es für jede Karte auf jedem Flop, Turn oder River eine korrekte Lösung gibt. Die Spieltheoretikerin beharrt darauf, dass es Momente in diesem Spiel gibt, in denen die Mathematik außer Kraft gesetzt ist. Es ist ein endloser, erbitterter Streit, der sich durch jede Limit-Hold'm-Partie auf diesem Globus zieht – aber es sind die Nachkommen jener Ehe, die letztlich beim Limit Hold'em gewinnen.

Event #22 der World Championship of Online Poker lockte über 600 Spieler an, die jeweils $1.050 zahlten in der Hoffnung, das vollkommene Kind dieser unvollkommenen Ehe zu sein. Neun dieser Spieler kamen der Vollkommenheit näher als alle anderen:

 

Platz 1: drbk2 (619.733 Chips)
Platz 2: DEVIRUS (1.129.819 Chips)
Platz 3: emptyseat88 (441.326 Chips)
Platz 4: plattsburgh (936.478 Chips)
Platz 5: Hansa.no (224.548 Chips)
Platz 6: jumper17 (684.116 Chips)
Platz 7: BUTCH ACIDY (366.173 Chips)
Platz 8: Sowerss (1.525.467 Chips)
Platz 9: der Falk (232.340 Chips)

Obwohl der Falk noch kurz vor dem Finale in Führung gelegen hatte, musste er sich als Erster vom Finaltisch verabschieden, und zwar mit A-K gegen K-K von BUTCH ACIDY. Als kein As auf dem Board auftauchte, war für der Falk das Turnier zu Ende: Platz neun bedeutete $8.008 Preisgeld.

Als Nächsten traf es Hansa.no. Nachdem er den Großteil seines Stacks gegen DEVIRUS verloren hatte – bei einer Hand, die er nicht bis zum Showdown ausspielte –, schob Hansa.no schließlich mit A-7 seine restlichen Chips in die Mitte gegen K-Q von emptyseat88. Doch eine Dame auf dem Turn beendete seine Hoffnungen: Hansa.no schied als Achter aus und kassierte $13.552 für seine Mühen.

Danach schien plötzlich BUTCH ACIDY das Glück verlassen zu haben – und mit nur noch 100.000 Chips ging er mit Q-T vor dem Flop All-in gegen K-6 von emptyseat88. Als weder eine Dame noch eine Zehn auf dem Tisch erschienen, war BUTCH ACIDY als Turniersiebter ausgeschieden und nahm $20.328 Preisgeld im Empfang.

Der Chipcount der restlichen sechs Spieler:

Platz 1: drbk2 (424.733 Chips)
Platz 2: DEVIRUS (1.234.819 Chips)
Platz 3: emptyseat88 (691.887 Chips)
Platz 4: plattsburgh (868.978 Chips)
Platz 6: jumper17 (1.141.616 Chips)
Platz 8: Sowerss (1.797.967 Chips)

Bei diesem Event gab es mehr Bad Beats auf dem River zu sehen als bei sämtlichen WCOOP-2007-Events zuvor – und einer der schlimmsten sorgte für das Ausscheiden von DEVIRUS. Der Flop – :Qd:2d:Jh – hatte ihm einen Zweierdrilling beschert, während sein Kontrahent plattsburgh ein Paar Sechsen hielt. Beide erhöhten solange wechselseitig, bis DEVIRUS All-in war. Und was kam auf dem River? Genau ... eine Sechs. Damit war DEVIRUS unglücklicher Sechster mit $27.720 Preisgeld.

Nach einer kurzen Pause fand sich emptyseat88 als Short Stack wieder und war fest entschlossen, seine Aufholjagd zu starten. Er erhöhte mit :Kc:7c und callte ein Reraise von Sowerss. Der Flop brachte :9s:Ks:Jh und damit das Top Pair für emptyseat88. Es gab nur ein Problem: Sowerss hatte A-7 – und auf dem Turn kam ein As. Als auf dem River kein weiterer König auftauchte, war emptyseat88 auf Platz fünf ausgeschieden und erhielt $35.112.

Die restlichen vier Spieler kämpften eine ganze Zeit lang zäh gegeneinander, bis drbk2 schließlich dem Druck der größeren Stacks und der wachsenden Blinds nicht mehr standhalten konnte und zu guter Letzt mit T-J bei einem :3s:Qs:6h-Flop All-in ging. Sein Gegner Sowerss hatte 7-8 – und als die Sieben auf dem River kam, war für drbk2 das Turnier vorbei: Platz vier und $43.120.

Plattsburgh musste als Nächster gehen: Nachdem jumper17 einen Drilling gegen ihn gefloppt und ihn um eine halbe Million Chips erleichtert hatte, blieben ihm gerade einmal genug Chips für eine letzte große Hand. Als er :Qs:Js bekam, setzte er alles auf diese beiden Karten und ging vor dem Flop All-in gegen jumper17s 7-7. Doch plattsburgh konnte sich nicht verbessern und schied als Turnierdritter aus. Sein Preisgeld betrug $56.056.

Vor dem Heads-up hatten die beiden Kontrahenten folgende Chipstacks:

Platz 6: jumper17 (3.334.103 Chips)
Platz 8: Sowerss (2.825.897 Chips)

Bei einer Differenz von $60.000 zwischen dem ersten und zweiten Platz hielten beide Spieler es für besser, einen Deal zu vereinbaren, und kamen zu folgendem Ergebnis:

$108.967,05 - jumper17
$102.184,95 - Sowerss

Damit blieben für den Gewinner $18.000 extra und das WCOOP-Bracelet. Und nun wurde es erst richtig interessant.

Nach einer beeindruckenden und hart umkämpften Heads-up-Anfangsphase enthüllte jumper17 auf Drängen seines Gegners seine "wahre Identität". Und was viele Beobachter bereits geahnt hatten, stellte sich als richtig heraus: jumper17 war Markus Golser, ein österreichischer Pokerprofi, in aller Welt als Gegner bewundert und gefürchtet.

Obwohl Golser Sowerss einige Male kurz vor dem Aus hatte, waren die Chipstacks nach einer vollen Stunde Heads-up wieder nahezu ausgeglichen. Keiner der Spieler wollte sich so einfach geschlagen geben, und das aus gutem Grund:

Sowerss: Ich will das Bracelet.
Sowerss: Ich würde dir auch 5K dafür geben.
jumper17: Ich dir auch.

Nach anderthalb Stunden startete Sowerss ein verblüffendes Comeback und übernahm die Führung ... bis Golser seinerseits konterte und sich die Spitzenposition zurückholte. Kurz danach stand es wieder ausgeglichen. Egal, wie es ausging: Dieses Heads-up würde keiner der beiden Spieler so schnell wieder vergessen.

Letztlich dauerte diese Heads-up-Schlacht eine Stunde und vierzig Minuten. Zuvor hatte Sowerss sich im Laufe mehrerer Hände langsam absetzen können. Und obwohl die Chipstacks einander zuvor immer wieder angeglichen hatten, konnte er seine Führung diesmal weiter ausbauen. Bei der letzten Hand des Turniers floppte Golser das mittlere Paar, doch Sowerss bekam einen Straight zusammen und sicherte sich damit endgültig den Sieg und das begehrte Bracelet.

Herzlichen Glückwunsch allen Spielern, die beim Event #22 der World Championship of Online Poker 2007 ins Preisgeld gekommen sind.

WCOOP 2007: Event #22: Ergebnis des Finaltischs
(basierend auf der Platzierung und einem Zweiwege-Deal mit $18.000 extra für den Gewinner)

1. Sowerss (USA) $120.184,95
2. jumper17 (Österreich) $108.967,05
3. plattsburgh (USA) $56.056,00
4. drbk2 (USA) $43.120,00
5. emptyseat88 (USA) $35.112,00
6. DEVIRUS (Kanada) $27.720,00
7. BUTCH ACIDY (USA) $20.328,00
8. Hansa.no (Zypern) $13.552,00
9. der Falk (Schweden) $8.008,00