Seit Mitte Dezember gibt es im Team PokerStars Verstärkung. Das neu formierte Team Online ist ein Zusammenschluss von Spielern, die sich vor allem am virtuellen Tisch ihre Sporen verdient haben. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen „Gebieten" des Pokerns und auch die gespielten Limits reichen von Micro- und Smallstakes bis zu den Tischen mit dem höchsten Buy-in.
Wir haben uns zwei Spieler herausgepickt und beide könnten kaum verschiedener sein. Der Brite Mathew chipstar1 Didlick ist ein Low-Limit-Massgrinder und spielt No-Limit Hold'em, dafür spielt Sebastien Seb86 Sabic aus Frankreich vorzugsweise Deuce-to-Seven Triple Draw oder Mixed-Games an den High-Stakes-Tischen.
PokerStarsBlog: Hallo ihr zwei. Erst einmal Glückwunsch zu eurer Ernennung in das Team PokerStars Online. Erzählt mal etwas über euch.
Seb86: Hallo Markus. Ich bin 23 Jahre alt, habe einen Abschluss an einer Schule für Betriebswirtschaft und spiele nun zum Lebensunterhalt Poker. Derzeit lebe ich in Thailand zusammen mit acht anderen französischen Pokerspielern.
chipstar1: Ich bin 26 und spiele seit rund zwei Jahren Poker als Vollzeitjob. Ich spiele hauptsächlich Micro- und Smallstakes, doch meine Ausgaben waren so gering, dass ich mir [trotz Auszahlens] eine Bankroll aufbauen konnte.
PokerStarsBlog: Wie sieht es mit euren „Pokerkarrieren" aus. Wann habt ihr beispielsweise zum ersten Mal gespielt?
Seb86: Das ist eine kniffelige Frage. Ich glaube, ich war sechs Jahre alt, als mein Vater mir Five Card Draw beibrachte. Online spiele ich seit rund drei Jahren, wobei ich erst seit September 2007 ernsthaft spiele.
chipstar1: Ich habe angefangen, als ich ein Pokerturnier im TV gesehen habe. Das war vor über drei Jahren. Ich habe auf einer Seite £20 eingezahlt und auf den Micros Cashgame und Sit-and-Gos gespielt. Irgendwann habe ich dann eine Challenge gestartet: 10.000 Hände an einem Tag. Damals konnte man nur ein Dutzend Tische simultan spielen und so habe ich rund 20 Stunden gebraucht, um es zu schaffen. Während der Challenge wurde mir klar, wie sehr ich das Multitablen liebe. Ich bin dann zu PokerStars gewechselt und habe dort mit den NL2 und NL5 Ringgames begonnen. Ich hatte keine große Bankroll, also musste ich langsam beginnen.
Zurückblickend finde ich, dass ich vielleicht etwas zu konservativ mit meinem Bankroll-Management war. Ich habe so um die 1,5 Millionen Hände auf NL2 und NL5 gespielt, bevor ich aufgestiegen bin. Derzeit spiele ich NL25 Fullring und 6-max, werde aber bald aufsteigen zu NL100. Das ist mein Ziel, da man dort ordentlich VPP und Milestone-Boni ergrinden kann.
PokerStarsBlog: Sebastien, wie war es bei dir, als du richtig losgelegt hast?
Seb86: Das war der besagte September 2007. Ich war als Austauschstudent für ein Jahr in Kanada und wurde im November 21. Ich wollte mir selbst einen Trip nach Las Vegas zum Geburtstag schenken und hab dafür eine Bankroll aufbauen wollen. Ich startete mit $600 und wollte bis zum November $5.000 zusammenhaben. Ich habe dann mit $2/$4 Five Card Draw begonnen, da mir ein Freund erzählt hatte, die Tische wären wesentlich softer im Vergleich zu Hold'em. Ich hatte viel Erfolg und stieg schnell zu $5/$10 und dann zu $10/$20 auf. Leider gab es auf dem Limit nicht genug Action, also suchte ich mir ein neues Spiel.
Ich dachte Deuce-to-Seven Triple Draw ist da noch am ähnlichsten und wechselte dorthin. Der Start war wirklich nicht einfach, aber nach den rund zwei Monaten hatte ich eine $10.000-Roll und konnte meinen 21. Geburtstag richtig feiern. Seit damals spiele ich hauptsächlich Deuce-to-Seven Triple Draw und bin auf $100/$200 aufgestiegen, wo ich auch fast täglich anzutreffen bin. Ich spiele auch häufig das 8-Game bis zu diesem Limit. Badugi derzeit bis $40/$80. Live spiele ich auch höher, wenn die Spiele gut sind. Wobei sie, wenn sie stattfinden, immer gut sind.
PokerStarsBlog: Als es für euch mit dem Pokern richtig ernst wurde, wie haben da eure Familien und Freunde reagiert?
chipstar1: Am Anfang hat meine Familie Poker nicht wirklich verstanden. Sie sahen es als Glückspiel und dachten, ich würde eine Menge Geld verlieren. Als ich aber nie mehr eingezahlt habe und sogar immer wieder etwas ausgezahlt bekam, freundeten sie sich langsam mit der Idee an. Und als sie sahen, wie sehr mir Pokern gefällt, haben sie mich dann auch wirklich unterstützt.
Seb86: Meine Familie hat mich eigentlich immer unterstützt, auch als ich noch auf der [Wirtschafts-]Schule war. Meine Freunde waren natürlich beeindruckt, als ich mir damals den Vegas-Urlaub erspielt habe.
PokerStarsBlog: Was würdet ihr allen angehenden Pokerspielern mit auf den Weg geben, beispielsweise, ob man mehr lernen oder spielen sollte?
chipstar1: Beides ist wichtig. Es gibt viele Spieler, die so viel Talent besitzen, dass sie sich kaum Theorie aneignen müssen. Aber für die Mehrheit unter uns führt kein Weg am Lernen vorbei. Natürlich bekommt man nur die notwendige Erfahrung am Tisch und das ist schon wichtig, aber nur studieren, Videos ansehen oder Forum-Postings schreiben und lesen bringen dich auf das nächste Level. Das Beste ist natürlich ein Coaching, wobei dies meist die teuerste Option ist.
Sich mit anderen Spielern zu unterhalten ist auf jeden Fall wichtig. Am besten über Messenger oder live, wenn man die Möglichkeit hat. Die Diskussion über Foren ist auf jeden Fall hilfreich, aber wenn man sich direkt mit einem anderen Spieler unterhält, geht es zum einen schneller und zum anderen stößt man eher auf die eigenen Leaks. Meines Erachtens ist ein solides Bankroll-Management auch sehr wichtig.
Seb86: Wie ich schon erwähnt habe, bin ich derzeit mit anderen Mid- und Highstakes-Spielern in Thailand. Manche von ihnen spielen bis $50/$100-No-Limit-Hold'em. Mit anderen Winning-Playern zusammenzuleben ist bei weitem der beste Weg, sich selbst zu verbessern. Man kann so viel voneinander lernen über Arbeitsmoral, Tilt etc.
PokerStarsBlog: Und wie siehst du das Verhältnis von Spielen und Lernen?
Seb86: Ich denke das hängt stark vom eigenen Lernprozess und der Entwicklung ab. Zu Beginn kann es ruhig im Verhältnis 1:1 sein, da man ja dementsprechend noch viel lernen kann. Wenn man dann vorankommt und sich verbessert, wird es immer schwieriger Leaks zu finden und diese zu stopfen, da sie natürlich nicht mehr so offensichtlich sind. Das Verhältnis bei mir liegt derzeit bei 8:1, wobei sich das Lernen vor allem auf Handdiskussionen mit Freunden beschränkt.
PokerStarsBlog: Was sind eure Ziele für 2010, sowohl online als auch live?
chipstar1: Also zunächst will ich zu NL100 aufsteigen. Mein langfristiges Ziel sind zwei Millionen FPP für dieses Jahr, was auf dem Limit etwa zwei Millionen Hände entspricht. Wie erfolgreich das Ganze ist, hängt natürlich davon ab, wie es auf dem neuen Limit läuft. Das Ganze halte ich auch auf meinem Blog fest. Live habe ich ehrlich gesagt keine Erfahrung und für dieses Jahr nichts geplant. Dafür umso mehr online. Irgendwann will ich aber nach Las Vegas oder Australien, um dort einmal zu spielen.
Seb86: Im Januar war ich bei den Aussie Millions. Ich habe es sehr genossen, da ich einen Haufen Onlinespieler getroffen habe, mit denen ich täglich spiele. Außerdem ist es großartig Liveturniere zu spielen, weil man immer die Möglichkeit auf den großen Wurf hat und die Turniere oft sehr soft sind. Im Sommer werde ich dann zur WSOP zwei Monate in Las Vegas sein. Den Rest des Jahres verbringe ich in Thailand und spiele online.
PokerStarsBlog: Bei der letzten WSOP hast du nur ganz knapp den Final Table des $1.500-H.O.R.S.E. verpasst und beim Mixed-Event bist du ebenfalls sehr weit gekommen. Ist dir der Wechsel vom Online- zum Livespiel schwergefallen?
Seb86: Also ich spiele regelmäßig in Paris. Livepokerpartien sind wesentlich leichter und der Wechsel ist nicht wirklich schwer. Man muss nur aufpassen, dass man keine Tells gibt und nicht anfängt sich zu langweilen, weil man nur 25 Hände pro Stunde spielt.
PokerStarsBlog: Und wie sehen deine konkreten Pläne für Las Vegas aus? Spielst du die Players Championship?
Seb86: Mit meinen Freunden mieten wir eine Villa für unseren Aufenthalt. Ich werde sehr viele Turniere spielen und versuchen so viele Nicht-Hold'em-Events zu spielen wie möglich. Ich werde ziemlich sicher das $50.000-8-Game spielen. Ich bin richtig begeistert von diesem Turnier, da es ein sehr kleines Feld sein wird. So werde ich ziemlich gute Chancen haben, nach dem Bracelet zu greifen (lacht).
PokerStarsBlog: Und was ist dein liebster Platz zum Livespielen?
Seb86: Der Aviation Club de France (ACF). Das ist ein recht kleiner Cardroom, dafür aber sehr stilvoll und die Games sich recht groß. Wie zum Beispiel Pot-Limit Omaha €50/€100 und das €150/€300-Mixed-Game.
PokerStarsBlog: Zu guter Letzt: Wollt ihr einer oder mehreren Personen und Spielern danken? Gibt es Spieler, die ihr bewundert?
chipstar1: Danken möchte ich meinen Freunden, die ich auf 2+2 kennengelernt habe. Allen voran palmer2k6 und _aer_mingus_, die mir sehr geholfen haben. Spieler, die ich bewundere, sind beispielsweise nanonoko und pobolero, die fähig sind, auch mit 24 Tischen tolle Winrates zu erspielen. Oder die ganzen Spieler mit den Volume-Propbets [...], wie etwa joeingram1 (50.000 Hände an einem Tag) oder ballcup (Supernova-Elite in einem halben Jahr).
Seb86: Es gibt einige Spieler, die mir auf unterschiedliche Art und zu verschiedenen Zeitpunkten meiner Pokerlaufbahn geholfen haben. Von einigen habe ich viel über das Spiel an sich gelernt, andere haben mir gezeigt, wie sie ihr Pokerleben managen und andere haben mir ausgeholfen, als ich in schlechter finanzieller Verfassung war und mich für Cashgames gestaked. Mit den meisten lebe ich nun in Thailand zusammen und es ist großartig, so viele Freunde um sich zu haben, auf die man sich wirklich verlassen kann.
PokerStarsBlog: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch viel Erfolg an den Tischen und ein tolles Jahr.
Die Spieler des Team Online sind wie alle PokerStars-Pros bequem zu finden. Im PokerStars-Client einfach das Suchmenü mit STRG+P aufrufen und den Stars über die Schulter blicken.








