PCA 2008: ElkY besteht das Abenteuer

Bertrand Grospellier hat es geschafft! Der Franzose von Team PokerStars Pro, der im Internet unter dem Namen ElkY schon lange zu den absoluten Topspielern gehört, feierte am Donnerstag endlich seinen ersten Sieg bei der European Poker Tour. Im Finale der letzten acht Spieler des PokerStars Caribbean Adventure im Atlantis Resort & Casino auf Paradise Island (Bahamas) drehte Grospellier von Beginn an richtig auf, hatte zudem das nötige Kartenglück und nahm am Ende verdient $2 Millionen Prämie sowie die gläserne Trophäe in Empfang.


Bertrand ElkY Grospellier

Als klarer Leader (7.390.000 in Chips) ging allerdings David The Dragon Pham an den Finaltisch, der im 24. Level (25.000/50.000, Ante: 5.000) fortgesetzt wurde. Und der Vietnamese schickte gleich eine Kampfansage an seine Kontrahenten. Richard Fohrenbach (1.855.000) raiste aus früher Position auf 125.000 und Pham reraiste aus dem Small Blind auf 475.000. Nachdem der 20-jährige US-Amerikaner seine Karten gefoldet hatte, sagte Pham trocken: „You go all-in, I call.“

Doch Pham hatte die Rechnung ohne Bertrand Grospellier gemacht. ElkY übernahm die Initiative und eliminierte auch den ersten Spieler am Finaltisch. Fohrenbach, der eine Hand zuvor gerade gegen Joseph Elpayaa verdoppelt hatte, beantworte das Raise von Grospellier aus früher Position mit einem Reraise auf 500.000 und der Team-PokerStars-Pro ging daraufhin all-in. Der Amerikaner aus Milford (US-Bundesstaat Connecticut) brauchte ein wenig Bedenkzeit und schob schließlich seine restlichen Chips mit Pocketjacks in die Mitte. Grospellier drehte :As:Ks um, das Board brachte sofort den nötigen König und Fohrenbach musste sich mit Platz acht und $150.000 Preisgeld zufriedengeben.

David The Dragon Pham

Wenig später kam es dann zur ersten großen Konfrontation zwischen Grospellier und Pham. In einem „Battle of the Blinds“ checkte Pham den Turn (:9d:6c:3h:8c), ElkY setzte und The Dragon raiste auf 500.000, die schnell gecallt wurden. Am River kam eine weitere Drei, diesmal setzte Pham sofort 715.000 und wieder callte der Franzose. Im Showdown zeigte Grospellier :Tx:7x zur Straight, während Pham :9x:4x zum Top Pair umdrehte. Mit diesem Pot von knapp zwei Millionen Chips übernahm der Franzose auch die Führung (7,8 Millionen).

Wenige Hände später ging Chrsitian Harder mit seinen restlichen 750.000 all-in, wieder callte Grospellier sehr schnell und lag diesmal mit Jacks gegen Siebenen klar vorn. Am Flop traf er sogar das Set Buben und somit einen weiteren großen Pot. Harder, der sich gerade eine Pause von seinem Wirtschaftsstudium an der Salisbury University (US-Bundesstaat Maryland) gönnt, belegte also Platz sieben für $200.000.

Auch danach ging die Show des Profis vom Team PokerStars weiter. Nächstes Opfer war Joseph Elpayaa, der nach einem Raise für 1,5 Millionen Chips all-in pushte. ElkY callte erneut und trat mit :As:Qs gegen :Kh:Jh von Elpayaa an. Das Board half keinem Spieler und somit war für den 19-jährigen Internetpro aus Chicago auf Rang sechs Endstation ($300.000).

David Pham, der nach einer Konfrontation mit Hafiz Khan auf Platz drei im Chipcount abgerutscht war, nahm dann den als Shortstack ins Finale gestarteten Briten Craig Hopkins raus. Der Sportwetter aus Chesterfield pushte mit :Kd:8d All-in und Pham callte die rund 600.000 Chips mit Pockettens. Auch er machte am Flop mit einer weiteren Zehn das Set perfekt. Für Hopkins bedeute der vierte Platz ein Preisgeld von $450.000 und den größten Zahltag in seiner Pokerlaufbahn.

Es sollte allerdings der letzte größere Pot für den Vietnamesen bleiben in diesem Finale. Nachdem Pham fast zwei Drittel seines Stacks an Kris Kuykendall aus Norwegen hatte abgeben müssen, folgte gegen den späteren Turniersieger das Aus. Pham callte ein Raise von 40.000 aus dem Big Blind, der Flop brachte :Kh:Qh:5d und beide Spieler checkten. Der :Jd am Turn brachte dann  die Action, denn Pham checkraiste Grospellier und war all-in. Der Franzose überlegte kurz, sagte dann „I have to call“ und drehte :Ad:2d für den Nutflushdraw um, während Pham :Qc:5c für zwei Paare in die Mitte legte. Die :7d am River machte den Flush perfekt und besiegelte das Schicksal von Pham, der für seine insgesamt atemberaubende Performance bei der PCA mit $600.000 belohnt wurde. Pham kam im Alter von 17 Jahren in die USA und arbeitete zunächst bei seinem Cousin Men The Master Nguyen, der damals bereits einige Erfolge an den Pokertischen in Las Vegas feiern konnte. Er lernte schnell von seinem Mentor und im Jahr 2000 folgte der Durchbruch. Der zweifache Bracelet-Gewinner wurde zum Player of the Year beim Cardplayer Magazine gewählt. Seitdem gehört er zur absoluten Weltspitze im Turnierzirkus.

Nur eine Hand später war es dann Hafiz Khan, der mit Pocketkings all-in war und gegen :Ad:Jd von Kuykendall antrat. Die Könige hielten stand und Kuykendall blieben nur noch 1,5 Millionen in Chips. Etwas später gerieten die beiden wieder aneinander, diesmal hielt Khan :Ah:Jh und der Norweger lag mit :Kd:Qs erneut hinten. Der Turn brachte den Buben und Kuykendall, der am Mittwoch 25 Jahre alt geworden war und seit einem halben Jahr professionell pokert, blieb ein hervorragender dritter Platz für satte $800.000 Preisgeld.

Das Heads-up zwischen Grospellier und Khan war dann sehr schnell vorbei. Zunächst floppte ElkY mit :Ah:7h und :Ac:Ad:Jd auf dem Board Trips und nahm seinem Kontrahenten über zwei Millionen Chips ab. Nur ein paar Hände später war das PokerStars Caribbean Adventure dann auch schon entschieden, da Khan einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt erwischt hatte, um nach einem Raise von Grospellier mit :9c:3h für etwas über sechs Millionen Chips all-in zu gehen. Grospellier callte mit :8h:8d, das Board brachte :7h:5c:2d:4d:4c und somit den Sieg für den Team-PokerStars-Pro.


Hafiz Khan

Hafiz Khan lebt in Stockton im Norden von Kalifornien, spielt seit vier Jahren Poker und ist seit zwei Jahren Profi. Normalerweise spielt er ausschließlich im Internet. Im anschließenden Interview sagte er: „Ich habe die PCA genossen. Es war ein langes und aufreibendes Turnier, aber es hat Spaß gemacht. Das ist mein besten Ergebnis bisher.“

Für ElkY ging mit dem Sieg ein lang gehegter Traum in Erfüllung, schließlich stand er im vergangenen Jahr schon einmal kurz vor dem Sieg. Beim EPT-Event in Kopenhagen unterlag er im Heads-up gegen den Schweden Magnus Pettersson. Im November 2007 reichte es beim APPT-Event in Macau für den fünften Platz. Dass es jetzt zum großen Wurf reichte, kommentierte er so: „Wenn es ein Turnier gibt, das für mich neben dem Main Event der WSOP den höchsten Stellenwert hat, dann die PCA.“

Fotos: Neil Stoddart