Der Finaltag des $25.500-High-Roller-Turniers hatte es in sich und es dauerte fast neun Stunden, ehe der neue Champion gefunden war. Knappe 1,7 Millionen US-Dollars mussten noch unter den letzten acht Spielern verteilt werden und mit Tobias Reinkemeier hatte sich an den drei ersten Tagen ein deutscher Pokerspieler die beste Ausgangsposition für den großen Showdown erarbeitet.
Tobias Reinkemeier - 1.072.000
Adolfo Vaeza - 758.000
Will Molson - 669.000
William Reynolds - 482.000
Lisa Hamilton - 440.000
Michiel Brummelhuis - 394.000
Matt Marafioto - 236.000
Dmitry Stelmak - 150.000
Gleich in der zweiten Hand des Tages (Blinds: 10.000/20.000, Ante: 2.000) ging es auch schon richtgig zur Sache und der erste Bust-out folgte. Es wurde zu Shortstack Dmitry Stelmark am Button gefoldet und der Russe ging mit K♥T♥ und knapp 150.000 in Chips All-in. Will Molson foldete den Small Blind aber Tobias Reinkemeier callte aus dem Big Blind mit A♥T♣. Der Flop brachte 9♦T♦A♦, am Turn folgte der K♣ und der River brachte den J♦. Stelmark musste seinen Stuhl räumen und bekam als Achter $66.885 Preisgeld.
Rund 30 Minuten später kam es zum nächsten All-in. Matt Marafioto hatte ohnehin nur 236.000 mit an den Finaltisch gebracht und zahlte zunächst auch nur Blinds und Antes. Dann raiste der Kanadier einmal und bekam prompt ein Re-raise-All-in von William Reynolds reingedrückt. Marafioto callte mit 7♣7♠, Reynolds zeigte A♥K♠ und der Flop wurde mit 9♣4♣T♥ gedealt. Nicht schlecht für Matt, doch gleich am Turn schlug das A♦ ein. Nur noch zwei Outs am River für Matt, der sich nach der 6♠ vom Finaltisch verabschieden musste und $87.465 Preisgeld bekam.
Es folgten zwei spektakuläre Hände am Stück. Zunächst spielten Will Molson und Tobias Reinkemeier den größten Pot bis dahin aus. Es wurde zu Molson gefoldet, der den Small Blind auffüllte. Tobias raiste allerdings vom Big Blind auf 40.000, Molson callte und der Flop wurde mit J♣8♦T♦ gedealt. Molson checkte zu Tobias, der 65.000 abfeuerte und dann auf 180.000 geraist wurde. Tobias beantwortete das Check-raise mit einem All-in, Molson stand vor der schwierigen Entscheidung zum All-in zu callen und tat dies mit K♥Q♥ für den Openender. Tobias drehte K♦9♦ um und hielt zum Openender auch noch den Flushdraw. Der Dealer drehte am Turn die T♥, die keine Änderung brachte. Tobias musste treffen, denn er hielt den kleineren Kicker, doch am River kam das A♠ und Molson strich den Pot mit über 1,7 Millionen in Chips ein. Tobias hatte einen schweren Treffer kassiert, aber er war noch dabei mit 330.000.
Eine Hand später wurde es erneut laut am TV-Table, die Hand ist allerdings schneller erzählt. Michiel Brummelhuis raiste und Lisa Hamilton setzte den Holländer vom Big Blind All-in. Der insta-callte für 345.000 mit Pocketaces, Hamilton drehte Pocketnines um. Der Flop brachte der Cashgame-Spielerin aus Las Vegas gleich eine Neun zum Set, am Turn folgte eine Blank, doch am River traf Brummelhuis eines seiner zwei Outs und überholte Hamilton mit dem Set Aces. Wow!
Die Action blieb auch danach hoch und Tobias bekam die Chance zur Revanche. Brummelhuis raiste vom Button auf 47.000, Molson machte daraus vom Small Blind 117.000 und Tobias pushte aus dem Big Blind für insgesamt 446.000 All-in. Brummelhuis foldete schnell, aber Molson erkundigte sich mehrfach nach der Höhe des Raise von Tobias und sah sich letztlich mit A♥J♥ zum Call verpflichtet. Der Deutsche drehte A♦K♦ um und der Flop kam gut mit 3♥3♦2♦. Am Turn materialisierte sich dann gleich der Flush für Tobias und nach der 2♣ am River hieß es durchatmen und Chips stapeln.
Der nächste Einschlag ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Tobias bekam Pocketqueens gedealt eröffnete den Pot und callte auch das All-in von Adolfo Vaeza für gut 300.000 in Chips. Der Unternehmer aus Uruguay drehte J♣7♣ um und gleich der Flop mit 8♣9♦5♣ gab ihm jede Menge Outs. Die 5♦ am Turn war noch harmlos, aber am River kam die 6♣ zum Flush. Mit 474.000 ging Tobias dann in die Pause und lag damit nur an fünfter Position.
Die Blinds stiegen in Level 22 auf 12.000/24.000 (Ante: 3.000), Tobias konnte zweimal die Blinds stehlen, musste dann aber eine Hand aufgeben und etwas später kam es erneut zum All-in. William Reynolds hatte geraist, Tobias vom Small Blind gepusht und der Call kam sofort mit K♥K♦. Tobias drehte 8♥8♠ um und sein Turnierleben stand erneut auf dem Spiel, diesmal mit der deutlich schlechteren Hand. Der Flop brachte J♦4♣7♥, noch gab es Hoffnung, aber am Turn kam das A♣ und am River die Q♥. Für Tobias Reinkemeier bedeutete Platz sechs und ein Preisgeld in Höhe von $108.045.
Level 23 verlief dann weniger spektakulär, aber es gab noch einen Bust-out. Molson führte mit 1,35 Millionen, vor Reynolds (1,15 Millionen), Brummelhuis (650.000), Vaeza (560.000) und Hamilton (550.000).
Reynolds eröffnete dann für 70.000, Molson callte vom Small Blind und Lisa Hamilton annoncierte vom Big Blind ein Re-raise auf insgesamt 180.000. Reynolds legte ab, aber Molson setzte die Hawaiianerin All-in. Die callte mit J♠J♣ und Molson zeigte A♣Q♥. Der Flop mit 8♣4♥6♣ war noch gut für Hamilton, doch am Turn kam die Q♣ und Molson hielt das höhere Paar. Am River kam sogar noch der Flush an mit dem K♣. Die Siegerin des WSOP-Ladies-Event 2009 war auf dem fünften Rang ausgeschieden - Preisgeld $133.770.
Molson führte deutlich, doppelte dann aber Adolfo Valeza auf, sodass bis auf Brummelhuis alle Spieler über eine Million in Chips hielten. In der ersten Hand von Level 24 (20.000/40.000, Ante: 4.000) ging Brummelhuis dann aus erster Position für gut 350.000 All-in. Reynolds saß im Big Blind mit Pocketaces, callte und der Holländer legte Q♠9♥ in die Mitte. Am Turn kam noch einmal Spannung auf, denn Brummelhuis nahm den Straightdraw auf: T♠6♦3♣J♦. Eine Acht oder ein König musste her, aber es kam die 7♦. Ein weiterer Spieler verließ den Finaltisch und Rang vier war $154.350 wert.
Auch der nächste Bust-out ging auf das Konto von Reynolds, der auf 90.000 geraist hatte und von Vaeza gecallt wurde. Der Flop kam mit 4♦6♥A♦ und Reynolds setzte sofort mit weiteren 90.000 nach. Vaeza pushte daraufhin All-in und Reynolds callte mit A♠K♠ für Toppair Topkicker. Vaeza zeigte 3♣5♣ für den Open-Ended-Straightdraw, eine Zwei oder eine Sieben wurde aber nicht gedealt (J♥5♠), sodass Vaeza auf dem dritten Rang ($218.150) landete, ein Platz besser als in London, wo er Vierter bei den Highrollern wurde.
Reynolds hatte somit die Führung übernommen (2,5 zu 1,75 in Chips) und es ging in das Heads-up. Es war aber sehr eng und Molson natürlich besonders motiviert, schließlich erreichte er auch im vergangenen Jahr das Heads-up, musste aber Team PokerStars Pro Bertrand ElkY Grospellier den Vortritt lassen.
Reynolds schaffte es mit kleinen Pots die Führung auf fast 3 zu 1 auszubauen und am Ende von Level 25 (25.000/50.000, Ante: 5.000) kam es zum All-in. Reynolds raiste auf 110.000, Molson ging sofort All-in und wurde gecallt. Im Showdown zeigte Molson dann A♠9♣ und dominierte A♦8♥. Der Flop brachte sofort zwei Neunen zum Drilling für Molson, der damit die Führung übernahm.
Nur zwei Hände später, aber im nächsten Level (30.000/60.000, Ante: 5.000), wendete sich das Blatt erneut. Gleiches Spiel, wie zuvor, aber diesmal zeigte Reynolds mit 7♠7♦ eine Madehand und Molson verpasste mit A♥3♥ das Board. Reynolds führte danach deutlich mit 3,5 Millionen zu 900.000 in Chips und machte insgesamt auch den besseren Eindruck im Heads-up-Spiel.
Letztlich setzte sich Reynolds auch durch und hatte seinen Kontrahenten mit der besseren Hand All-in. Molson ging mit K♣8♦ vor dem Flop All-in, Reynolds snap-callte mit A♦T♦ und das letzte Board an diesem Abend wurde mit 5♥7♥9♠J♥A♣ gedealt. Will Molson musste sich erneut mit Rang zwei zufrieden geben, der $322.075 wert war, und William Reynolds hieß der strahlende und überglückliche Sieger. Seine Prämie beläuft sich auf satte $576.240 und natürlich bringt ihm dieser Erfolg jede Menge Respekt im Pokerzirkus ein.
Das Ergebnis:
1 -- William Reynolds -- USA -- $576.240
2 -- Will Molson -- Canada -- $322.075
3 -- Adolfo Vaeza -- Uruguay -- $218.150
4 -- Michiel Brummelhuis -- Netherlands -- $154.350
5 -- Lisa Hamilton -- USA -- $133.770
6 -- Tobias Reinkemeier -- Germany -- $108.045
7 -- Matt Marafioti -- Canada -- $87.465
8 -- Dmitry Stelmak -- Russia -- $66.885








