Michael Skender: „Für dieses Jahr ist Schluss mit Steine klopfen!"

wsop2010_thn.jpgDie gut 58 Stunden am Pokertisch in den vergangenen zwei Wochen hatten ihre Spuren hinterlassen und es dauerte ein paar Stunden, ehe die Enttäuschung über das Ausscheiden wich und sich Erleichterung breit machte. Der Druck war endlich weg. Im Hotelzimmer angekommen beantwortete Michael Skender, wie so oft in den letzten Tagen, zuerst die Handy-Mitteilungen von Freunden und Familie aus der Heimat, um dann mit seiner langjährigen Freundin Steffi zu telefonieren - Balsam für die geschundene Seele. Letztlich noch ein kurzer Blick auf die von einem seiner besten Kumpels eingerichtete Fan-Seite bei Facebook und ein oder zwei Drinks - runter kommen, Kopf frei machen, genießen.

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Der WSOP Main Event war für Michael vor allem vom Kopf her ein echter Kraftakt. Seine Aussage im Interview mit Pokernews, dass er vom theoretischen Wissen her der schlechteste der letzten 78 Pokerspieler sei, ist sicher nicht ganz ernst gemeint. Aber dass er als ehemaliger Basketball-Profi zehn Jahre lang, Saison für Saison, alles aus sich heraus holen musste, um auch im kommenden Jahr einen Profi-Vertrag zu bekommen, das hat ihn geprägt. Mentale Stärke, Ehrgeiz, Disziplin und vor allem Kampfgeist, diese Dinge zeichnen den 31-Jährigen aus.

Wobei die Disziplin manchmal doch etwas leidet. Bei seinem besten Kumpel Paul Knebel (Rang 28 beim PCA 2010) sucht er in den Pausen Rat und eigentlich gab es nicht viel zu Bemängeln, bis auf eine Sache. „Spiel dein Spiel genau so weiter, aber bitte zeig nicht andauernd deine Bluffs. Das macht dein gutes Image immer wieder kaputt", versuchte Paul mehrfach ihn auf den Boden zu holen. Nicht immer mit Erfolg.

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Poker-Power-Duo: Michael und Paul


Für ESPN war Michael daher natürlich ein gefundenes Fressen. Allein schon die Tatsache professionell Basketball gespielt zu haben, kommt in den USA natürlich super an. Doch die Aufmerksamkeit lenkte Michael mit diesem spektakulären Bluff zu Beginn von Tag 5 auf sich. Schon vor dem Flop packte Michael ausgerechnet gegen Chipleader Garret Adelstein die 5-Bet aus und am Flop (2♣3♠9♠) bereitete er mit einer kleinen Bet sein All-in vor. Adelstein raiste wie erhofft, Michael pushte All-in und zeigte nach dem Fold des US-Amerikaners A♣T♠ für pure Luft. Ein wenig Show danach für die Kameras, Abklatschen mit seinen Kumpels Paul, Jan und Sebastian und plötzlich stand er im Fokus.

Etwas später das 6-Bet All-in gegen Christian Harder und ESPN hatte seinen neuen Liebling gefunden. Ausgerechnet einen Deutschen, einen Basketballspieler mit Nerven wie Drahtseile - eine echte Persönlichkeit. Am nächsten Tag musste Michael eine Stunde vor Spielbeginn im Rio Casino sein. ESPN hatte zum Interview geladen, in der berühmten Lounge, auf dem berühmten Sofa, wo sonst Größen wie Daniel Negreanu, Joe Hachem, Phil Ivey oder auch Legende Doyle Brunson über ihr Turnier und ihr Leben plaudern. Diesmal war Michael an der Reihe, er war aufgeregt und meisterte auch diese Hürde. „Wir haben am meisten Spaß, wenn wir interessante Spieler im Turnier haben, die eine Geschichte zu erzählen haben. Michael ist definitiv so ein Spieler und er ist präsent am Tisch", schwärmte der ESPN-Aufnahmeleiter nach der Aufzeichnung.

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Und so werden die deutschen Pokerfans, erstmals nach George Danzer, wieder einen deutschen Pokerspieler mit Hauptrolle in den kommenden Folgen zum WSOP Main Event 2010 erleben. Und wie sonst nur die ganz großen internationalen Pokerstars, wird auch Michael zu sehen sein, wie er kurz nach seinem Bustout durch die Tür des Amazon Room in Richtung Ausgang schlendert. Er hat dem Turnier seinen Stempel aufgedrückt und der deutschen Pokerszene ein neues Gesicht gegeben, an das sich auch die Amerikaner erinnern werden. Und das ist vielleicht die größte Leistung überhaupt.

Genaue Pläne wie es weitergeht hat Michael so kurz nach dem Turnier noch nicht, aber insgeheim träumt er schon davon vielleicht ins Team PokerStars Online aufgenommen zu werden oder sogar als deutscher Team Pro. Seinen Status als SupernovaElite wird er in diesem Jahr allerdings aufgrund des langen Aufenthalts in Las Vegas nicht halten können.

„Für dieses Jahr ist Schluss mit Steine klopfen! Aber im Januar gibt es ja die 50.000 VPPs bei PokerStars von der WSOP-Promo. Ein guter Zeitpunkt um wieder durchzustarten", so Michael, der das WSOP-Preisgeld komplett auf die hohe Kante legen wird. Wiedersehen werden wir ihn spätestens bei der EPT London („Da wollen Paul und ich auf jeden Fall dabei sein.") und natürlich beim PCA 2010, denn für den WSOP-Cash gibt es von PokerStars nicht nur 50.000 VPPs, sondern auch das Paket für die Bahamas im Wert von $14.000 oben drauf.

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