WSOP 2010: Duhamel zerstört Chong und ist der haushohe Titel-Favorit

wsop2010_thn.jpgDie November Nine der World Series of Poker sind auf die November Two geschrumpft und das nackte Ergebnis nach elf Stunden Poker im Penn & Teller Theater des Rio All-Suite Hotel und Casino ist nicht wirklich überraschend. PokerStars-Spieler Jonathan Duhamel und John Racener werden in der Nacht von Montag auf Dienstag den wichtigsten Titel im Pokerbusiness unter sich ausspielen und Duhamel hat seine ohnehin gute Ausgangsposition deutlich ausgebaut. Mit einer Führung von mehr als 6 zu 1 in Chips geht der Kanadier als klarer Favorit in die Entscheidung. Ein Durchmarsch war es aber keineswegs für Duhamel.

Das Finale begann sehr verhalten und war zunächst geprägt von Preflop-Entscheidungen. Den besten Start erwischte dabei Jason Senti der zweite PokerStars-Spieler. Senti war mit 7.625.000 der Shortie im Finale, scheute allerdings kein Risiko und baute seinen Chipstapel auf knapp 10 Millionen Chips aus. Dann folgte Hand #28: Soi Nguyen hatte noch 7,6 Millionen Chips vor sich stehen, annoncierte All-in und Senti callte aus dem Small Blind wodurch es erstmals richtig laut wurde im Penn & Teller. Es folgte der klassische Coinflip, Q♦Q♠ für Senti und A♦K♣ für Nguyen. „Ja-son Sen-ti!" hallte es durch das Theater und der Lautstärkepegel stieg ins unermessliche als der Flop mit Q♥3♠T♣ gedealt wurde. Set für Senti, doch Nguyen war weiter am Leben, jeder Jack würde ihm die Straight füllen. Am Turn folgte die 9♠ - keine Veränderung. Am River legte der Dealer dann den K♠, Senti war zurück im Titelkampf, Soi Nguyen dagegen musste mit Rang neun und $811.823 Preisgeld vorlieb nehmen.

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Jason Senti


Nur zwei Hände später war dann auch an der Spitze alles wieder offen, denn Duhamel hatte Filippo Candio vor dem Flop All-in, lag aber mit A♥K♦ gegen A♣A♦ deutlich hinten. Der Italiener verdoppelte dann auch auf fast 32 Millionen, Duhamel blieben 50,5 Millionen, was immer noch die Führung bedeutete.

Doch die Konkurrenz kam immer näher. Michael Mizrachi hatte das All-in von Matthew Jarvis (9♣9♥) mit A♦Q♦ gecallt, traf den Q♠8♦Q♣-Flop und die Ecke des Grinders flippte fast aus. Der Pot mit 30 Millionen Chips war zum greifen nah. Die Turncard brachte dann aber die 9♠, Jarvis traf seine zwei Outs und lag plötzlich seinerseits meilenweit vorn. Der Dealer drehte den River um - A♠! Rumms! Full House für Mizrachi und was für ein Dolchstoß für Jarvis, der somit Rang acht für $1.045.743 nehmen musste. Mizrachi dagegen durfte mit fast 43 Millionen Chips mehr denn je vom Titel träumen.

Auch danach blieb es ein action-reiches Spektakel, allerdings dauerte es über 60 Hände, bis der nächste Spieler ins Gras beißen musste. Senti hatte den Pot für 1,85 Millionen eröffnet, Joseph Cheong reraiste auf 4,95 Millionen und callte auch das All-in von Senti, der A♦K♠ zum Flip gegen T♣T♠ umdrehte. Diesmal brachte der Flop K♦K♥Q♣ und wieder durfte die Ecke von Senti jubeln. Der J♦ am Turn gefiel ihm dann aber gar nicht, denn Cheong hatte zusätzliche Outs. Am River schlug tatsächlich die 9♦ ein, Straight für Cheong und das bittere Aus für Senti auf Rang sieben für $1.356.720 Preisgeld.

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Joseph Chong (li.) und Jonathan Duhamel


Die Blinds stiegen danach auf 500.000/1.000.000 (Ante: 150.000) und Duhamel übernahm den Bustout von Shortstack John Dolan, der mit Q♦5♦ gepusht hatte und das Board komplett verfehlte, sodass 4♣4♦ für Duhamel reichte. Rang sechs brachte $1.772.959 Preisgeld.

In Hand #149 ging es für Duhamel dann in die falsche Richtung. Mit A♣K♥ verlor er gegen A♠A♠ von John Racener, der zuvor erst gegen Mizrachi aufgedoppelt hatte und plötzlich bei 34 Millionen stand. Doch Duhamel holte sich die Chips zurück. Im Blindbattle verdoppelte er ebenfalls gegen Mizrachi. Es ging Schlag auf Schlag und zum Ende von Level 39 war für alle fünf Spieler noch alles drin:

Joseph Chong - 66.750.000
Jonathan Duhamel - 56.550.000
Michael Mizrachi - 39.500.000
Filippo Candio - 29.950.000
John Racener - 26.550.000

Rang fünf ging letztlich doch an Michael Mizrachi, der in die Falle von Duhamel lief. Wieder wurde zum Kanadier im Small Blind gefoldet und der füllte nur auf. Mizrachi checkte im Big Blind, traf mit Q♦8♥ den 5♦4♣Q♣-Flop und beantwortete das Check-raise von Duhamel mit dem All-in. Duhamel callte mit A♦A♣, auf Turn und River folgten J♦K♦ und der WSOP- sowie der „Player of the Year"-Titel waren futsch für den Grinder. Dafür gab es aber $2.332.992 Preisgeld.

Nur drei Hände später war auch Filippo Candio All-in, vor dem Flop mit K♦Q♦ gegen A♣3♣ von Chong. Das Board brachte A♥7♦2♠5♥4♠ zur Straight für den Chipleader und $3.092.545 für den Italiener.

Danach lief eigentlich alles auf ein Heads-up zwischen Duhamel und Chong raus, denn John Racener lag deutlich zurück in Chips. Doch es folgte eine unglaubliche Hand zwischen den beiden Führenden Spielern. Chong eröffnete für 2,9 Millionen vom Small Blind, Duhamel erhöhte vom Big Blind auf 6,75 Millionen und sah sich einer 4-Bet auf 14,25 Millionen ausgesetzt. Duhamel ließ das kalt, er setzte noch einen oben drauf für insgesamt 22,75 Millionen und diesmal musste Chong seine Holecards noch einmal prüfen. Er ging All-in, Duhamel callte und es kam zum Showdown:

Duhamel: Q♣Q♥
Cheong: A♠7♥

Cheong hatte Duhamel um gut sieben Millionen Chips gecovert und es ging somit um insgesamt 180 Millionen in Chips. Der Flop mit 9♥3♦2♣ änderte überhaupt nicht, am Turn wurde die 6♠ gedealt - ungefährlich - und nach der 8♠ am River wanderte der Monsterpot zu Duhamel. Cheong doppelte danach zwar noch einmal auf, aber Hand #219 beendete den ersten Finaltag, nachdem Q♠T♣ von Chong gegen A♠2♣ von Duhamel nicht improven konnte.

Joseph Chong wurde somit Dritter für $4.130.049 und Racener, der sich das Ganze in Ruhe anschauen konnte, strahlender Heads-up-Gegner von Jonathan Duhamel.

Jonathan Duhamel - PokerStars-Spieler - 188.950.000
John Racener - 30.750.000

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Jonathan Duhamel


Die Blinds bleiben am Dienstagmorgen um 4 Uhr (MEZ) zunächst bei 600.000/1.200.000, der Druck auf Racener ist dennoch gewaltig mit knapp über 25 Big Blinds. Allerdings muss Duhamel mit der deutlichen Favoritenbürde leben, denn alles andere als der Titel und die $8,9 Millionen wäre für ihn persönlich eine Niederlage.

Updates zum großen Showdown gibt es wie gewohnt im PokerStarsBlog.com.



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