Die EPT-Geschichte - Teil 1: Veränderungen

Im Dezember 2016 endet sie also, die Geschichte der European Poker Tour (EPT). Nach über zwölf Jahren und 114 Veranstaltungen, wird am 19. Dezember in Prag der letzte EPT Main Event-Champion gekürt, ehe im kommenden Jahr die global ausgerichtete PokerStars Championship mit der Auftaktveranstaltung auf den Bahamas übernimmt.

EPT13MALT_brandin_JulesPochy.jpg

Der Abschied von der EPT fällt schwer, schließlich hat diese Turnierserie in Europa echte Pionierarbeit geleistet und erarbeitete sich in wenigen Jahren einen Status, den man bis dahin nur von den erfolgreichen US-Veranstaltungen World Series of Poker (WSOP) und World Poker Tour (WPT) kannte. Heutzutage werden diese Turnierserien längst in einem Atemzug genannt, und alle drei Titel sind nötig, um in den erlauchten Kreis der Triple Crown-Gewinner aufgenommen zu werden.

Das Konzept der European Poker Tour, das von Beginn an auch die Vermarktung im Fernsehen beinhaltete, entwickelte der damalige TV-Produzent und Poker-Enthusiast John Duthie, der schon um die Jahrtausendwende beste Kontakte in die Pokerszene pflegte und letztlich mit PokerStars den perfekten Partner ins Boot holte.

2015-WCOOP-01-duthie.jpg

John Duthie

Der Startschuss fiel dann im September 2004 im Casino Barcelona, das als einziger Standort in allen 13 Seasons als Gastgeber fungierte. Zur Premiere lockte die EPT Barcelona Open 229 Pokerspieler in die Hauptstadt Kataloniens, und als erster Spieler trug sich Alexander Stevic in die Siegerliste ein. Das Buy-in lag damals bei €1.000, sodass der Schwede mit €80.000 die bis heute kleinste Prämie aller Main Event-Champions gewann.

In den folgenden Jahren wurde viel experimentiert, was vor allem das Buy-in, die Standorte und die Turnierstruktur betraf.

Während für die Teilnahme beim EPT Grand Final von Season 1 bis Season 12 konstant €10.000 fällig wurden, gab es bei den regulären Main Events immer wieder Anpassungen. Einzig in Season 2 lag das Buy-in einheitlich bei €4.000, von Season 3 bis Season 8 dagegen schwankten die Buy-ins zwischen €3.750 bis hin zu €8.000.

In Season 2 ersetzte die EPT Baden Classics die EPT Wien. In Season 3 flog Deauville für zwei Jahre aus dem Turnierkalender, dafür kamen Dortmund, Warschau und ein Jahr später Prag, das PCA sowie Sanremo dazu. In Season 5 war Dublin nicht mehr dabei, dafür zum ersten und einzigen Mal Budapest.

In den Seasons 6, 7 und 8 hatte die European Poker Tour sogar jeweils 13 Stopps zu bieten. Berlin und das Snowfest in Saalbach-Hinterglemm kamen dazu, die EPT Wien zurück. Es gab Gastspiele in Kiew, Vilamoura, Campione, Loutraki, Saalbach-Hinterglemm, Tallin und Madrid, das in Season 7 sogar einmalig als EPT Grand Final einsprang.

Die reguläre Struktur mit 10.000 Chips und 60-minütigen Levels, beginnend bei Blinds 25/50 hatte bis zum Ende von Season 5 bestand. Änderungen gab es nur beim Grand Final, das mit 90-minütigen Levels und in Season 3 erstmals mit 15.000 Turnierchips gespielt wurde.

Die aktuell gültige Struktur mit 30.000 Chips zum Start, wurde erstmals beim EPT Grand Final der Season 5 gespielt und ab Season 6 dann für alle EPT Main Events übernommen.

Auch mit dem Amtsantritt von Edgar Stuchly als EPT-Präsident im Jahr 2012 waren die Jahre der Veränderungen nicht vorbei, aber der Österreicher und sein Team legten ein Konzept vor, das für deutlich mehr Kontinuität sorgte.

Edgar_stuchly_ept11barce.jpg

Edgar Stuchly (mitte)

Die EPT reduzierte die Anzahl Stopps zunächst von 13 auf nur noch acht in Season 9, um wieder für mehr Exklusivität zur sorgen. Gleichzeitig holte man die verschiedenen regionalen Pokertouren von PokerStars mit ins Boot, sodass sich die EPT zu einem zwölftägigen Pokerfestival mit zahlreichen Turnieren in den verschiedensten Varianten für den kleinen und den ganz großen Geldbeutel entwickelte. Das Main Event Buy-in wurde (mit Ausnahme des Grand Final und des PCA) mit €5.300 festgelegt, bei der Struktur lediglich die Level-Zeiten (75 Minuten bis Level 14, 90 Minuten ab Level 15) ein letztes Mal geändert.

Mit durchschlagendem Erfolg, denn in den vergangenen Jahren purzelten die Rekorde.

Die EPT9 Barcelona knackte 2012 die Marke von 1.000 Teilnehmern, ehe 2015 bei der EPT12 Bracelona mit 1.694 Spielern auch der overall EPT-Rekord vom PCA 2011 (1.560) überboten wurde. Doch selbst dieser vermeintliche Rekord für die Ewigkeit hatte nur ein Jahr bestand, im August 2016 spielten 1.785 Teilnehmer den Main Event in Barcelona.

In Prag lag der Teilnehmerrekord beim Main Event vor der Reform bei 722 Spielern, in den letzten drei Seasons waren es jeweils über 1.000. Schon jetzt wird spekuliert, ob die Prager Bestmarke von 1.107 Spielern (Season 11) beim letzten Stopp in der EPT-Geschichte standhält, was ich stark bezweifeln möchte.

Und in diesem Fahrwasser feierten natürlich auch die regionalen Touren Erfolge. Vor der Reform lag die Rekordbeteiligung der Estrellas Poker Tour (ESPT) bei 498 Spielern (Madrid 2011), beim letzten Stopp in Barcelona im August waren es unfassbare 3.292. Die Eureka Poker Tour lockte 2011 noch 329 Pokerspieler nach Prag, 2015 dann sensationelle 1.893.

Doch es gab auch immer wieder Probleme mit staatlichen Regulierungen, was zur Folge hatte, dass äußerst erfolgreiche Standorte aus dem Turnierkalender genommen werden mussten.

Vor allem im deutschsprachigen Raum gab es für die EPT Jahr für Jahr hohe rechtlichen Hürden zu überwinden, was letztlich nach vier erfolgreichen Jahren auch zum Aus der EPT Berlin führte. An den Zahlen kann es zumindest nicht gelegen haben, schließlich waren bei der letzten Ausgabe (Season 9) allein beim Main Event 912 Spieler am Start.

Auch die EPT Wien, die in Season 10 die EPT Berlin ersetzte, war ein durchschlagender Erfolg. Zum EPT Main Event kamen 910 Spieler, zum Eureka Main Event 1.432, und dennoch blieb es bei diesem einmaligen Gastspiel in der Wiener Hofburg. Einen weiteren deutschsprachigen Stopp sollte es danach nicht mehr geben.

ept10_vienna_surroundings_day1b.jpg

Einmaliges Gastspiel: die EPT in der Hofburg

Ein weiteres Beispiel ist die EPT Sanremo, die in den Jahren 2009 und 2010 mit 1.178 bzw. 1.240 Spielern zu den bestbesuchten Stopps der Tour zählte. Doch nach der Einführung der Bargeldobergrenze in Italien (Ende 2011) gingen die Spielerzahlen massiv zurück, sodass der Vertrag nach Season 10 (556 Spieler) nicht verlängert wurde.

An dieser Stelle endet der erste Teil des Rückblicks auf mehr als zwölf Jahre European Poker Tour. Beim nächsten Mal beschäftigen wir dann uns mit den zahlreichen Erfolgen der deutschen Pokerspieler.

.

Archiv