Etwas, das Sie noch nicht wussten über... Victor Ramdin

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Der Team PokerStars Pro spricht darüber, wie er das sonnenverwöhnte Guyana gegen das raue Leben in den Bronx eingetauscht hat, über seinen inspirierenden Werdegang und darüber, wie hingebungsvoll er sich um kranke Kinder in seinem Heimatland kümmert ...

Heute ist Victor Ramdin 49 Jahre alt, Inhaber mehrerer Geschäfte und in Live-Poker-Turnieren hat er mehr als $4 Millionen gewonnen. Der Weg dahin war allerdings hart und steinig. Ende der 1980er Jahre hatte es ihn nach New York City verschlagen. Mit dabei hatte er einen Rucksack und $40.

Geboren wurde er 1968 in Guyanas Hauptstadt Georgetown - zeitlich war das, kurz nachdem sich das südamerikanische Land vom Vereinigten Königreich unabhängig gemacht hatte -, das Leben war hart für ihn und seine Familie. Es gab kaum ausreichend Arbeit und Armut war an der Tagesordnung. Daher entschloss er sich dazu auszuwandern, um ein besseres Leben zu finden und den amerikanischen Traum zu leben.

Auf seinem Weg ging es mehrmals auf und ab, aber der Erfolg in Geschäftssachen und beim Pokern sollte sich schließlich einstellen. „Man muss mit Rückschlägen rechnen, wieder aufstehen und es nochmal versuchen", erklärte er.

Wie war es, in Guyana aufzuwachsen?

Ich habe in Guyana gelebt, bis ich 21 war. Guyana hatte einen Diktator und das Regime war knallhart. Wir hatten in unserem Land auch große Probleme mit Rassismus und es gab nur wenig Arbeit. Ich war Taxifahrer und habe den ganzen Monat arbeiten müssen, um mir einen Reifen für das Auto kaufen zu können - so schwierig war das damals. Die Lebenshaltungskosten waren sehr hoch und es war kaum möglich, über die Runden zu kommen. Die mangelhaften Bildungschancen und schlechten Jobaussichten waren die Hauptgründe, warum ich umgezogen bin. Also habe ich 1989 meine Eltern und Brüder und Schwestern verlassen, um nach New York City zu ziehen. Mitten im Winter bin ich dort angekommen.


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Victor Ramdin hat seinen Spaß im PCA Main Event 2015 - ein Turnier, das er jedes Jahr spielt


Für einen 21-Jährigen muss es ziemlich beängstigend und verwirrend sein, in einem neuen Land anzukommen, oder?

Ich musste für mich selbst sorgen. Der erste Job, den ich in Amerika hatte, war in einer Leichenhalle. Ich war um 18:00 Uhr da und sollte bis morgens um 6:00 Uhr arbeiten, aber ich habe die Nacht nicht geschafft. Da lag ein toter Kerl, dem in den Kopf geschossen wurde, und um 1:00 Uhr musste ich nach nur sieben Stunden aufgeben, weil ich es nicht ertragen konnte. Danach habe ich in einer Kühlhalle gearbeitet, wo Fisch gelagert wurde. Ich habe in den Bronx gelebt und musste jeden Tag den Zug benutzen. Dabei habe ich so stark nach Fisch gerochen, dass sich die anderen Passagiere von mir weggesetzt haben. Trotzdem habe ich diesen Job ein paar Jahre behalten.

Wie war das Leben in den Bronx Ende der 80er Jahre?

Bevor Rudy Giuliani, der frühere Bürgermeister von New York City, an die Macht gekommen ist [1994], war es schrecklich und sehr hart. Ich habe so viele Raubüberfälle miterlebt. Einmal war ich am Arbeiten und ein Typ kam bewaffnet mit einer Maschinenpistole herein. Ich wurde mehrmals ausgeraubt, aber Giuliani hat die Kriminalitätsrate stark gesenkt.

Wie kommt man vom Arbeiten in einer Fisch-Kühlhalle dazu eine Ladenkette zu betreiben?

1992 hat mir mein Großvater ein bisschen Geld geliehen und ich habe einen Tante-Emma-Laden eröffnet, in dem ich verschiedene Sachen für einen Dollar verkauft habe. Schließlich hatte ich zehn solcher Geschäfte in New York - allerdings gehörte mir nur einer davon, weil meine Angestellten ihr eigenes Geld eingesetzt haben. Gegen eine Umsatzbeteiligung habe ich mein Wissen mit ihnen geteilt. Sieben Jahre lang habe ich keinen einzigen Angestellten verloren. Alle von ihnen sind heute finanziell gut aufgestellt und haben ihre Sache ordentlich gemacht. Ich habe immer dafür gesorgt, dass es meinem Team gut geht, weil ich wusste, dass dann auch mein Geschäft florieren wird - und so kam es. Ich bin auch ins Immobiliengeschäft eingestiegen, was schwierig war, aber ich habe viel gelernt. Man muss mit Rückschlägen rechnen, wieder aufstehen und es nochmal versuchen.


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Ramdin ist neben Team Pro-Kollegen wie Randy „Nanonoko" Lew beliebt bei Poker-Fans


Was Geschäfte und das Kaufen und Verkaufen angeht, war ich immer ein schneller Lerner. Ich habe früher Auktionen besucht, wo altes Zeug von bankrotten Unternehmen verkauft wurde. Tatsächlich will ich gerade eine Pizzeria eröffnen und brauche dafür Ausrüstung, also hoffe ich darauf, vieles davon bei einer Auktion für einen Bruchteil des Preises zu bekommen. Werde ich selbst Pizza machen? Wer weiß - ich bin ja ein schneller Lerner! Nein, ich werde natürlich Experten ins Boot holen, um das Geschäft zu führen und hoffentlich klappt das. Um einen Poker-Begriff zu verwenden: Ich bin mit diesem Projekt so gut wie all-in und es darf nicht schiefgehen.

Wie können Sie Poker auf einem hohen Niveau spielen, wenn Sie gleichzeitig Geschäfte eröffnen wollen und führen müssen?

Ich spiele nicht mehr so viel wie früher, aber wenn doch, dann gebe ich 1.000%. Ich liebe Poker immer noch und spiele online, wenn ich in Kanada bin. Und ich freue mich immer auf das PokerStars Caribbean Adventure (PCA) und die World Series of Poker. Ich bin jedes Jahr dabei. Aber es gibt eine sehr ablenkende Sache in meinem Leben, die mich davon abgehalten hat, sehr oft zu spielen. Mein Sohn, der inzwischen 21 ist, hat eine gefürchtete Form von Cluster-Kopfschmerzen. Das sind chronische Migränen, die vier oder fünf Stunden anhalten. Deshalb ist es für mich sehr schwierig, mich einfach hinzusetzen und ein $5.000- oder $10.000-Turnier zu spielen. Ich kann mich nicht konzentrieren. Manchmal müssen wir entscheiden, was uns im Leben wichtig ist. Auf jeden Fall liebe ich Poker, aber man muss zuallererst dafür sorgen, dass zu Hause alles in Ordnung ist.

Wie geht es Ihrem Sohn heute?

Zum Glück geht es ihm besser und er studiert Architektur. Allerdings hat er immer noch mit den Migränen zu kämpfen. Ich habe ein gebrauchtes Auto mit 15.000 Meilen auf dem Tacho gekauft, aber letztes Jahr kamen 45.000 Meilen dazu. Jedes Mal, wenn es ihm nicht gut geht, fahre ich zu ihm, was einem 400-Meilen-Trip entspricht, weil ich ihn trösten will. In manchen Fällen können dieses Cluster-Kopfschmerzen dazu führen, dass sich der Leidende umbringt. Daher will ich alles nur Erdenkliche tun und ihn so stark unterstützen wie ich kann.


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Selbst ein geschäftiger Mann wie Victor braucht hin und wieder eine helfende Hand


Sie sind seit einiger Zeit an einem medizinischen Programm für Kinder in Guyana beteiligt. Können Sie uns etwas über Guyana Watch und dessen Erfolge erzählen?

Es begann vor 20 Jahren, als der Vorsitzende von Guyana Watch festgestellt hat, dass sich die Leute Medikamente nicht leisten können und Hilfe brauchen. Vor 15 Jahren gab es allerdings eine Veränderung, als wir erkannt haben, dass es keine Möglichkeit gibt, Kinder zu operieren, die mit Herzfehlern geboren werden. Das ist ein Dritte-Welt-Land - das heißt: Wenn man in Guyana kein Geld hat und ein Kind mit einem Herzfehler geboren wird, kann man es als tot ansehen, weil eine Operation unwahrscheinlich oder sogar unmöglich ist. Und dabei handelt es sich um sehr einfache Operationen. Wir haben auch viele blaue Babys [Neugeborene mit einer blauen Hautfarbe auf Grund von Sauerstoffmangel im Blut, verursacht von Defekten im Herz oder in den Blutgefäßen] in Guyana.

Einmal im Jahr sind wir rund 12 Tage vor Ort und nehmen Ärzte und Medikamente mit. Dort haben wir es dann vielleicht mit 55 Kindern zu tun, die eine Herz-OP brauchen und wir können uns nur um sieben oder acht von ihnen kümmern. Wissen Sie, wie schmerzhaft das ist? Ich habe früher jeden Tag geheult - wie können wir Ja zu diesem Kind und Nein zu einem anderen sagen? Wir müssen die Kinder dann in die USA fliegen, uns um eine Unterkunft für sie und ihre Eltern bemühen, die Kinder in ein Krankenhaus bringen - der logistische Aufwand ist unglaublich. Viele berühmte Pokerspieler haben Guyana Watch von ganzem Herzen unterstützt und sind mitgekommen, um zu sehen, was wir tun. Wenn bestimmte Pokerspieler Erfolg haben, geht es auch Guyana Watch gut. Manche haben unvorstellbare Geldsummen gespendet - das sind unglaublich tolle Menschen.

Wie entspannen Sie, wenn Sie nicht arbeiten oder mit Guyana Watch beschäftigt sind?

Ich liebe es, in Bars Pool zu spielen, und ich spiele immer noch in einem Team. Ich spiele auch jede Woche ein Stud-Poker-Game mit Typen, die über 70 und 80 Jahre alt sind. Ich bin der Jüngste von ihnen, trotzdem freue ich mich Woche für Woche darauf. Ich will auch noch sagen, dass ich hoffe, für die PCA im Januar in der besten körperlichen Verfassung meines Lebens zu sein. Ich habe ein bisschen zugenommen und bin darüber nicht glücklich. Aber ich habe penibel darauf geachtet, was ich esse, und versuche jetzt, gesünder zu leben.

Ihr richtiger Name ist eigentlich Annand. Wie sind Sie auf „Victor" gekommen?

Victor war der Name meines Vaters. Ich liebe seinen Namen und habe mich entschieden, ihn zu benutzen, weil es für die Leute einfacher war, Victor statt Annand zu sagen. Dabei ist es dann einfach geblieben!

Live Turnier-Berichte

PokerStars Championship Prag

Euro 5.300 Main Event

Starttag 1A: 12. Dezember 2017
Startzeit: 12 Uhr

Spielort: Hilton Prague

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