Zeit für PLO bei PS Women. Teil 1: Starthände

Pot Limit Omaha ist ein abenteuerliches, oft sehr rasantes Spiel mit vielen überraschenden Wendungen, bei dem am Ende nur gewinnen kann, wer den Überblick und einen kühlen Kopf bewahrt. Paradebeispiel dafür ist - wie zur Zeit für so ziemlich alles, was mit Erfolg im Pokern zu tun hat - Vanessa Selbst. Ihr erstes Bracelet holte sie sich 2008 beim $1.500 PLO Event der WSOP. Ähnlich dem No Limit Texas Hold'em ist das Spiel mit den vier Holecards längst keine Männerdomäne mehr. Ana Marquez wurde bei der WSOP Europ 2012 Zweite im PLO 6-handed Event, und einige der PS Team Pro Spielerinnen wie Adrienne "talonchick" Rowsome haben ein echtes Faible für das temperamentvolle Spiel mit den vier Holecards entwickelt.

vanessa-selbst-bracelet.jpg

Dem Wunsch vieler unserer Spielerinnen folgend, bietet PS Women mittlerweile wöchentlich zwei Ladies Only PLO Turniere an. Und dann steht ja auch die Spring Championship of Online Poker SCOOP vor der Tür, mit etlichen Omaha-Varianten unter den 132 Events. Im Folgenden ein paar wichtige Basics, deren Beachtung von Anfang an vergnügliche Omaha-(Erfolgs-)Erlebnisse ermöglicht und dabei hilft, den eigenen Spielstil zu verfeinern und weiterzuentwickeln. Sie sollen als Guidelines zum Umgang mit den vielen Kombinationsmöglichkeiten einer PLO Hand und zu den Besonderheiten von PLO Turnieren dienen.

1. Von den vier PLO Holecards gehören immer genau zwei zur fertigen Hand.
2. Eine Starthand ist umso besser, je mehr Draws sie ermöglicht.
3. Sehr oft entscheiden die Nuts den Ausgang einer Hand.
4. Aggressives Spiel preflop oder ohne die Nuts will sehr gut überlegt sein.

Mit vier Holecards zu agieren erfordert mehr Aufmerksamkeit und Kombinationsfähigkeit als die relativ einfachen, geradlinigen Möglichkeiten beim Texas Hold'em, wo jede/r nur zwei Karten gedealt bekommt. Ein weiterer Unterschied zum NLHE ist, dass in Pot Limit Omaha Turnieren die Entscheidung sehr oft erst auf Turn oder River fällt, alle fünf Gemeinschaftskarten also wesentlich häufiger gegeben werden.

Zwei aus vier - je mehr Draws, desto besser

Jede Starthand besteht aus vier Karten, von denen zwei am Ende zusammen mit drei vom Board zur Bildung der bestmöglichen Hand dienen. Immer genau zwei. Als Regel ist das an und für sich eine Selbstverständlichkeit, aber es wird im Eifer des Gefechts oder der Begeisterung über eine Hand gerne übersehen, beispielsweise in folgenden Situationen:

K♠ K♦ K♥ 6♣ ist, vor allem in früher Position, keine gute Starthand, denn
erstens ist sie Rainbow, lässt also keinen Flush zu,
zweitens hat sie kein Potential zur Straight, egal wie das Board aussieht, auch nicht wenn T♥ J♥ Q♥ 9♦ A♥ da lägen,
zweitens ist ein Vierling mit Königen nicht möglich, da nur zwei der vier Holecards gewertet werden, und
drittens taugt sie auch nur sehr eingeschränkt zur Bildung eines Full House, denn nur wenn der vierte König auf dem Board kommt, hätten wir ein "Full House, Könige über XY"

Ähnlich verhält es sich mit einer hübsch aussehenden Hand wie A♥ K♥ Q♥ 6♥:
Vier Karten derselben Farbe in einer Starthand senken natürlich die Möglichkeit, einen Flush zu bekommen, dann es sind ja nur noch neun weitere übrig. Mit dieser Hand ist übrigens auch kein Royal Flush möglich.

"Double Suited" ist das Zauberwort

Mit vier Karten als Starthand hat man beim Omaha sechs verschiedene Möglichkeiten, zwei davon zu kombinieren, was als Ausgangslage sehr viel interessanter ist als beim Texas Hold'em, wo die Holecards eben nur ein einziges Paar bilden.

Ein anderer wichtiger Unterschied: Während beim Texas Hold'em die beste aller Starthände (gemeint ist natürlich AA) gegen die zweitbeste (KK) in zehn Fällen achtmal gewinnt (82% zu 18%), gibt es eine solche Diskrepanz beim Omaha nicht. Hier gilt als beste Starthand AAKK double suited (also zum Beispiel A♥ K♥ A♣ K♣). So schön diese Hand aussieht - gegen die zweitbeste, nämlich AAJT double suited liegt sie nur unwesentlich vorne, mit 52% zu 48%, was einem Coinflip gleichkommt.

Da die Chancen guter Starthände beim Omaha viel weniger weit auseinanderliegen als bei Texas Hold'em, ist es sehr wichtig, die Möglichkeiten einschätzen zu lernen, die die vier Holecards zeigen. Nehmen wir zum Beispiel eine "unauffällige" Hand wie
A♥ 4♥ 9♣ T♣, die durch ihre double Suits in Herz und Kreuz ein wirklich großes Entwicklungspotential hat.

Straight Draws:
A♥ 4♥ können sich zur Straße A-2-3-4-5 entwickeln,
T♣ A♦ zur Nut Straight T-J-Q-K-A, und
9♣ T♣ zu vier weiteren Straights

Flush Draws:
A♥ 4♥ hat das Potential zum Nut Flush, außerdem zum Straight Flush,
9♣ T♣ zum Flush Jack High sowie zum Straight Flush

Full Houses und Vierlinge können natürlich auch eintrudeln, wenn man kein Paar auf der Hand hat, tun das allerdings eher seltener. Von Trips und zwei Paaren möchte ich jetzt nicht sprechen, weil die in der Rangfolge der Siegerhände ganz weit unten rangieren und vor allem in PLO Turnieren nicht dieselbe Rolle spielen wie im PLO Cashgame oder beim No Limit Hold'em.

Was gerne mal vergessen wird: Auch die Holecards der GegnerInnen können ja genauso viele Kombinationsmöglichkeiten haben. Wenn man nicht schon auf dem Flop die absoluten Nuts bekommen hat - im obigen Fall wäre das ein Straight Flush mit/um 9♣ T♣ - ist es gerade fürs Überleben in einem Omaha-Turnier wichtig, das Board stets im Auge zu behalten und sowohl vor als auch auf dem Flop sowie auf Turn und River zu checken, wie die eigene Hand im Vergleich zu der/denen einzuschätzen ist, was die Anderen möglicherweise haben.

Starthandgruppen

Abschließend und zur Übersicht ein "Spickzettel" mit Gruppen von Holecards und entsprechenden Beispielen, die gutes Entwicklungspotential haben und deswegen aus jeder Position gespielt werden können.

a) Asse, double suited, in Kombination mit möglichst hohen Karten:

A♥ K♥ A♣ K♣, A♦ J♦ A♣ T♣ aber auch A♦ Q♦ A♠ 4♠

b) Rundowns (= aufeinander folgende Karten), double suited:

J♥ T♣ 9♥ 8♣

c) hohe Bildpaare, mindestens einmal suited, am besten connected:

K♣ K♥ J♣ J♥ oder Q♠ Q♦ J♠ T♣

d) vier Bildkarten, mindestens einmal suited, oder suited As mit drei hohen Karten (mindestens 9):

A♥ Q♥ J♣ T♦ oder K♥ Q♠ J♣ T♣ oder A♣ K♥ J♠ 9♣

e) Asse, mindestens einmal suited, mit niedrigeren Connectors oder Paaren:

A♥ A♠ 6♥ 5♦ oder A♥ A♠ 8♥ 8♦

f) Mittlere Rundowns, mindestens einmal suited, mit kleiner Lücke (Gap) unten oder in der Mitte:

T♥ 9♣ 8♥ 6♦ oder J♥ T♣ 8♥ 7♠

Soweit ein paar Richtlinien zur Starthandauswahl. Um Pot Limit Omaha Turnierspiel wird es im zweiten Teil dieses Artikels gehen. Viel Spaß und viele gute Draws!

PLO bei PokerStars Women:
sonntags, 15:15 ET: $1.10, 6-max, $100 guaranteed
donnerstags, 13:30 ET: $0.55 Satellite mit mindestens 5 Seats zum
Donnerstags-Turnier um 15:15 ET: Buy-in $5.50, $300 guaranteed,
alle sind jeweils 30 Minuten offen für Nachzügler.

Aktuelle News zu den PS Women Aktionen gibt es auf der Homepage, hier im Blog oder bei PS Women Facebook.

Archiv