Vanessa Selbst steht Rede und Antwort bei Ask Me Anything

Vanessa Selbst, Team PokerStars Pro und mit Cashes von über $7.000.000 erfolgreichste Turnierspielerin der Welt, beantwortete kürzlich bei "Ask Me Anything" ("Fragt mich was ihr wollt") auf reddit.com mit der ihr eigenen Geradlinigkeit und Offenheit die Fragen einer neugierigen Online Community. Natürlich gab es reichlich Stoff: Von Kindheit und Jugend Vanessas (Überraschung: Sie war schon von Klein auf sehr ehrgeizig und zielstrebig. Das Pokern lernte sie übrigens von ihrer Mutter), bis hin zu Kommentaren zu jüngst gespielten Händen in Turnieren, aber auch zu "historischen" Händen, die ihr hyperaggressives und furchtloses Image begründeten.

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In voller Länge könnt ihr dies alles auf reddit.com nachzulesen. Für den Blog von PokerStars hat Rebekah Mercer aus über 900 Kommentaren einige sehr spannende Fragen und die Antworten Vanessas zusammengetragen, die Aspekte ihres Lebens als weiblicher TurnierPro betreffen, außerdem Tipps für diejenigen unter uns, die sich mit Poker als Möglichkeit zum Geldverdienen befassen sowie ein paar interessante weiterführende Überlegungen zum Thema "Frauen @ Poker". Vanessas Nickname bei diesem Marathon-Onlineinterview: VSelbst.

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Sehr früh wurden Fragen zu Vanessas sexuelle Orientierung gestellt, die sie wie immer freimütig und aufrichtig beantwortete.

kissmyallison:Was ist denn das größte Problem, auf das einem als Lesbierin in der Welt der PokerPros begegnet? Begegnen dir manchmal Kollegen oder Pokerfans mit unverblümter Homophobie?

VSelbst: Äh - homosexuell sein ist für mich absolut toll, denn es heißt, dass ich in einer wunderbaren Beziehung mit einer Frau leben kann. Es heißt außerdem, dass ich auch noch noch zu einer Community gehöre, die aus verfl***t coolen Leuten besteht. Und es hat mich auch dazu gebracht, soviele Kurse zu Themen wie Rasse, Gender (soziales Geschlecht), Klassenzugehörigkeit etc. zu besuchen, was mein Einfühlungsvermögen ganz allgemein sehr erweitert hat.
Dafür nehme ich jederzeit gerne in Kauf, dass ich jede Woche ein paar Plagegeister auf Twitter mehr als blocken als ohne dass alles. Noch nie hat mir ein wirklich intelligenter Mensch irgendwie gemacht, also habe ich in dieser Hinsicht kaum mal ein Problem. Um deine Frage etwas tiefergehend zu beantworten: Ich würde sagen, mein größtes Problem liegt darin, wie ich wahrgenommen werde. Von einer maskulinen Lesbe wie mir erwarten die Leute wohl zumindest tendenziell, dass sie sich fies und aggressiv verhält. Wenn ich dann mal diesem Stereotyp entspreche (und das kommt manchmal vor, aber bei weitem nicht ständig), den die Medien von mir erwarten, dann wird das natürlich gezeigt. Im Ernst - ich glaube, das was viele Leute an mir sehen und als meinen "bösartigen" Charakter bezeichnen, ist größtenteils nur das Ergebnis der Tendenz in den Medien, mich in ganz bestimmten Momenten zu zeigen. Was eben vermutlich oft daher kommt, dass meine geschlechtliche Orientierung als Schablone für meinen Charakter hergenommen wird. Und ich würde sagen, das ist bei Weitem das größte Problem, mit dem ich mich konfrontiert sehe.

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Ein anderes wiederkehrendes Thema, das Männer und Frauen gleichermaßen interessierte, dreht sich um die Frage wie man PokerPro wird. Vanessa antwortete mit ein paar gründlich durchdachten, sinnvollen Hinweisen.

(MSkog): Angenommen, jemand verfügt über gut entwickelte Pokerskills (was sich ja sicher messen lässt) - womit sollte er (resp. sie) anfangen, wenn er Poker auch professionell spielen will? Was für eine Bankroll bräuchte er? Und wo? Mit welchen Spielen?

VSelbst: Meiner Meinung ist es am wichtigsten, online zu spielen. Man sollte wirklich unglaublich Zeit darin investieren, und sich gleichzeitig mit dem Spiel auch mit Hilfe von Diskussionen, Videos und anderem mehr gründlich beschäftigen. Ich denke, wenn man sich wirklich ernsthaft heranwagen will, auch für ein paar Monate nach Canada, Mexico oder Europa gehen (dorthin wo online spielen möglich ist, Anm. M.J.). Cash Games spielen sicherstellen, dass man 100 Buy-ins für das Level hat, auf dem man spielen will - was eins ehr konservatives Bankrollmanagement bedeutet, aber bei der Art, wie die Spiele heutzutage gespielt werden, ist das wohl das einzig Richtige. All diese Zeit zu investieren und diesen Aufwand zu bringen sind bei Weitem der beste Weg dir selbst zu beweisen dass du es kannst, und dabei wirst du gleichzeitig noch deine Bankroll aufbauen und dein Spiel weiter entwickeln.

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PeaceoftheJourney wollte wissen, ob es Vanessa nicht nervt, wenn man sie die wahrscheinlich beste Pokerspielerin der Welt" nennt und so ihr Geschlecht betont, anstatt ihr, wie ihre Resultate es ja eigentlich nahelegen, zuzugestehen, dass sie eine der erfolgreichsten Personen der Pokerszene weltweit ist.

VSelbst: Was die Zuordnung zur Spezies der Pokerspielerinnen angeht, nervt mich das erstmal nicht. Ich wünschte, diese Unterscheidungen müssten nicht sein, aber ich verstehe, dass die Leute sie machen wollen, wenn man sich einmal anschaut, wie wenig Erfolg die Frauen im Poker bisher hatten. Jetzt, wo die Frauen besser und besser werden, und wenn ein paar der neuen Spielerinnen es an die Spitze schaffen (was passieren wird), wird diese Unterscheidung hoffentlich seltener auftauchen.

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Im Februar hatte eine Entscheidung des WSOP Managements für einigen Wirbel in der Pokerszene gesorgt: Weil in den letzten Jahren zunehmend mehr Männer in dem eigentlich Frauen vorbehaltenen Ladies Event auftauchten spielten, was zwar ärgerlich ist, wogegen es aber keine rechtliche Handhabe gibt, wurde das Ladies Event kurzerhand zur Ladies No-Limit Hold'em Championship erklärt, womit das Buy-in von $1.000 auf $10.000 stieg. Frauen (und nur diesen) wird ein Discount von 90 Prozent gewährt wird, die Teilnahme kostet sie also dasselbe wie früher. Von Lokaji gefragt, was sie von dieser Aktion halte, erklärte

VSelbst: Was die WSOP angeht - der Gedanke, dass sie sich da Spitzfindigkeiten ausdenken müssen um die Gesetze zu umgegehen, gefällt mir gar nicht. Eigentlich sollte das Gesetz ja zu schützenden Bevölkerungsgruppen eigene exklusive Veranstaltungen erlauben. (Und Frauen sollten eine zu schützende Bevölkerungsgruppe sein.) So wie es sich zur Zeit verhält gefällt es mir aber gut, dass die WSOP sich so stark dafür einsetzt alles zu tun, damit das Women's Event eben auch eins bleibt, also - ja, ich befürworte diese Aktionen.

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Lokaj: Glaubst, eine Pokerliga nur für Frauen könntedazu beitragen, dass mehr Frauen sich beim Pokern einbringen?

VSelbst: Ich glaube, immer wenn ein Ort für Frauen geschaffen wird, an dem sie nicht mit dem frauenfeindlichen Sch***dr*** zu tun haben, der ihenn so oft begegnet, werden sich mehr von ihnen mit Poker beschäftigen.

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fyrite: Wie viele Nächte in einem Jahr schläfst eigentlich in deinem eigenem Bett?

VSelbst: So ungefähr 180, aber nur, weil mein Hauptwohnsitz zur Zeit in Las Vegas ist, weshalb ich zur WSOP und für all die Turniere im Bellagio dort bin. Wenn du Las Vegas nicht mitrechnest - 70 oder 80 vielleicht?

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So langsam wird's hier ein bisschen knapp mit dem Platz. Zum Abschluss also noch eine Frage - mit einer Antwort, die sich wie die Quintessenz von Vanessas schlechthin anhört.

ninxdo: Wie kriegst du es hin, weiter motiviert, selbstbewusst und zuversichtlich zu bleiben, wenn du gerade einen Downswing hast oder einen Durststrecke erlebst?

VSelbst: Was ist ein Downswing?

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Voilà. Das war's. Zumindest teilweise, natürlich gibt es in der vollständigen Q&A-Session noch viele interessante Fragen zu entdecken, die Vanessa gewohnt durchdacht und präzise beantwortet.

Und mehr Info über die Frauen im Team PokerStars findet ihr hier>>.


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