Vanessa Rousso über Table Talk, Vergnügen und Gesundheitsbewusstsein

Blond, gut aussehend, freundlich und beliebt bei den Fans: "LadyMaverick" ist eine auffälligsten Erscheinungen der Pokerwelt. Sitzt man mit allerdings mit ihr am Tisch - aktuell zum Beispiel bei der EPT in London - bekommt man es mit einer messerscharfen Intelligenz und einem kämpferischeren Geist zu tun, wie sie einem nicht oft begegnen. Im Interview mit Rebekah Mercer von PS Women sprach die im Februar 30 gewordene Franko-Kanadierin über ihre ungewöhnlich hohe Motivation und offenbarte ein paar ihrer Erfolgsrezepte.

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PokerStars Women (PSW): Vanessa, du bist ja kürzlich aus Deauville zurückgekommen. Bekanntlich hast du sowohl die französische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Verbringst du abgesehen von den Pokerturnieren viel Zeit in Frankreich?

Vanessa Rousso (Vanessa): Ich bin häufig in Frankreich, auch wenn keine Turniere laufen. Mein Vater lebt in Paris, und ich schaue, dass ich ein paarmal im Jahr dort Zeit mit ihm verbringen kann. Außerdem fahre ich sehr gerne nach Nizza und Südfrankreich, denn ich liebe die Côte d'Azur, die Strände bei San Remo und auch die Nähe zu Monaco und was es dort sonst noch gibt.

(PSW): Dass du fließend Französisch sprichst, verschafft dir doch sicher einen riesigen Vorteil in Turnieren wie dem in Deauville. Du bekommst ja den ganzen Table Talk mit -

(Vanessa): Im Alter von neun Jahren bin ich von Frankreich in die USA ausgewandert. Deshalb rostet mein Französisch immer mal wieder ein, wenn ich es länger nicht spreche. Verstehen tue ich allerdings alles, und normalerweise spreche ich es auch nach ein paar Tagen in Frankreich wieder wie gehabt. Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man die Leute am Tisch versteht. In den letzten sieben Jahren bin ich als PokerPro in der ganzen Welt herumgereist und saß dann auch gelegentlich an Tischen, wo ich den Table Talk überhaupt nicht verstanden habe. Ich empfand das als riesigen Nachteil. Poker ist ohnehin ein Spiel der unvollständigen Informationen, und im Hinblick auf die Entscheidungen die man fällen muss kann man gar nicht genügend Informationen haben.

(PSW): Unterscheidet sich der französische Spielstil von dem anderer Pokerspieler?

(Vanessa): Französische Spieler gehen meiner Meinung nach etwas aggressiver vor als der Durchschnitt sonst. Sie folden Draws nur sehr ungern, insbesondere Flush Draws. Mir scheint auch, dass französische Spieler es bei mir häufiger mit Bluffs versuchen als Spieler aus anderen Ländern, und ich denke, das machen sie mit Frauen im Allgemeinen so. Ich weiß nicht genau warum, aber irgendwie mag ich es, wenn sie mich bluffen, denn normalerweise bin ich ganz gut darin diese Bluffs zu erkennen. (Anmerkung: Und als gebürtige Französin auch sehr dazu geneigt, selbst welche durchziehen, siehe Deauville. M.J.)

(PSW): Was ist dein größtes "sündhaftes Vergnügen" an den Tagen, an denen du heimkommst und einfach nur abhängen willst?

(Vanessa): Mein größtes "sündhaftes Vergnügen" ist es Musik zu machen, und zwar sowohl komponieren als auch Songtexte schreiben. In meiner Freizeit findest du mich immer zu Hause in meinem Studio.

(PSW): Und nun ein paar recht neugierige Fragen. Wie war das als du Kind warst? Hattest du zum Beispiel Brüder und Schwestern? Hast du dich oft mit anderen im sportlichen Wettkampf oder in Spielen gemessen?

(Vanessa): Ich war das älteste von drei Mädchen, und meiner Mutter war Lehrerin bevor sie Beraterin wurde. Unsere Schulmoral spielte eine große Rolle in unserer Erziehung. Sie animierte uns immer dazu uns in allem zu engagieren, was mit der Schule zu tun hatte. Herausgekommen ist dabei, dass ich eine sehr gute Schülerin wurde und am Ende der High School die Abschiedsrede hielt. Ich war sehr aktiv in der Schule und im Sport. Sogar während meines Jurastudiums war ich gleichzeitig in zehn bis zwölf Clubs. Am aktivsten war ich an der High School im Debattierclub, für den ich erfolgreich auf nationaler Ebene antrat. Ich gehörte auch zu den Auswahlteams im Schwimmen und im Lacrosse, außerdem spielte ich Hallen-Basketball und -Softball. Diese Sportarten trugen definitiv dazu bei meinen Kampfgeist auszubilden.

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(PSW): Ich weiß, dass du sehr gesundheitsbewusst bist. Wie schaffst du es so gut in Form zu bleiben, wo du doch die ganze Zeit auf Achse bist und Poker spielst?

(Vanessa): Ich mache dafür keine extremen Diäten, sondern versuche mich so gut wie möglich gesundheitsbewusst zu ernähren. Zum Beispiel trinke ich keine kohlensäurehaltigen Getränke und vermeide zuviel Brot und Kohlehydrate, esse spät abends oder direkt vorm Zubettgehen nichts mehr und sorge dafür, dass ich genug Schlaf bekomme. Mir ist aufgefallen, dass meine Selbstkontrolle leidet und ich Probleme habe konsequent gesund zu essen, wenn ich müde bin. Drei bis viermal pro Woche versuche ich ins Gym zu gehen, was mir viel leichter fällt wenn ich zu Hause bin. Unterwegs verabrede ich mich aber schon mit Freunden und Trainern im Gym, um mich zu zwingen meinen Hintern dorthin zu schwingen.

(PSW): Es ist ja immer noch recht kalt und dazu Grippezeit - was tust du, wenn du während eines Turniers spürst, dass eine Erkältung im Anzug ist?

(Vanessa): Ich versuche mein Vitamin-C-Reservoir aufzufüllen ... Ich bin ein Fan von natürlichen und homöopathischen Elixieren, die das Immunsystem stärken und mich gesund halten. On the Road ist es schwierig, gesund zu bleiben, also versuche ich genug Schlaf zu kriegen und leicht und gesund zu essen. Kamillentee mit Zitrone und Honig tut mir immer sehr gut.

(PSW): Was steht an der Spitze deiner Wunschliste für dieses Jahr?

(Vanessa): 2013 soll ein Meilenstein in meiner Karriere sein. Ich habe große Ziele fürs Pokern und auch abseits von den Pokertischen, und ich hoffe ich kann mich genügend antreiben um diese Ziele zu erreichen.

Bei diesem Background und dieser Vielseitigkeit wundert es wenig, dass Vanessa Rousso auch Pokercoach ist. Kürzlich erschienen mit "Heads-up Tournament Poker Hand-by-Hand" ein Buch, das sie zusammen mit Annie Duke verfasste (bei amazon auch im Kindle-Format erhältlich). Sie unterrichtet regelmäßig an der WSOP Academy, wo bis zum Jahresende noch sechs ihrer Poker Camps stattfinden (Infos: WSOPAcademyLive.com). Wer an Einzelcoaching interessiert, kann sie über BigSlickBootCamp.com kontaktieren. Und last but not least gibt's zu ihrer Heads-up Strategie noch eine App für iPhone/iPad, erhältlich bei iTunes.

Neugierig geworden auf mehr über Vanessa und die anderen Frauen unter den Team-Pros? Wie wär's mit ein bisschen Stöbern auf der PokerStars Women Homepage?

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