Spielfreude pur: "talonchick" über Omaha

Dass Adrienne "talonchick" Rowsome vom Team PokerStars Online sehr gern Omaha spielt, sowohl High-only als auch High-Low-Split, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Neben etlichen Cashes in Omaha-Turnieren bei mehreren WSOPs hat sie das $1.000 Omaha/Stud HiLo Turniers beim PokerStars Caribbean Adventure 2012 gewonnen. Auch auf ihrer eigenen Website berichtet sie häufiger über ihre Poker-Erlebnisse, zum Beispiel über ihre Vorliebe für Shots auf höhere Levels mit Omaha HiLo-Cashgames.

Auch bei Frauen ist aktuell Hold'em das beliebteste Spiel auf PokerStars, aber schon seit einiger Zeit gibt es eine ständig wachsende Omaha-Gemeinde. Das kommt natürlich den SpielerInnen entgegen, die sich gerne an anderen Variation versuchen. Der Einstieg in ein anderes Spiel und die Beschäftigung mit neuen Strategien können anfangs recht einschüchternd erlebt werden. Jen Newell von PS Women packte beim PCA 2013 die Gelegenheit beim Schopf, sprach mit Adrienne Rowsome über Omaha und ließ sich ein paar Ratschläge für den Anfang geben.

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PS Women: Fangen wir damit an, wie deine Vorlieben für bestimmte Pokervarianten entstanden sind. Du hast früh mit Five Card Draw angefangen und dich dann in Omaha verliebt. Erzählst du uns wie es dazu kam?

Adrienne Rowsome: Mit Five Card Draw fing ich schon als kleines Mädchen an. Vermutlich waren mir die Spielregeln ziemlich egal; ich glaube, mein Vater ließ uns so lange Karten ziehen bis wir einen Flush oder etwas anderes Tolles hatten. Als ich mit dem Pokern anfing, boten die Casinos nur Limit Games an, und ich spielte an den $3/$6-Tischen. Meistens wurde eine halbe Stunde lang Omaha gespielt, dann eine halbe Stunde Hold'em. No Limit Hold'em, das mit dem plötzlichen Pokerboom über uns hereinbrach, mochte ich nicht besonders. Ich fand, dass die Limit Games viel mehr Spaß machten; die Pots waren üppiger, und der Sinn des Spiels bestand nicht ausschließlich darin, dem anderen seine letzten Dollar abzuknöpfen. Im Endeffekt freute man sich natürlich, wenn man das hinkriegte, aber man tat es nach und nach. Ich blieb lieber bei den Limit Games, denn ich hatte einen normalen Job und wollte mir den Spaß am Spiel erhalten und nicht so ein Geier werden.
Ich arbeitete damals in Teilzeit und suchte ein Spiel, das auch tagsüber lief. In Edmonton fand ich ein Dealer's Choice Game. Zweimal wöchentlich wurde vor allem Omaha Hi/Lo gespielt. Ich dachte: "Wie schwer kann das schon sein?" Omaha High kannte ich ja schon, und zwei Möglichkeiten eine Hand zu gewinnen, ließen es einfach aussehen, eine Kleinigkeit! War es aber nicht. (Sie lacht.) Natürlich verlor ich. Aber ich stellte fest, dass mir das Spiel wirklich Freude machte. Etwa zu dieser Zeit fing ich an auch online zu pokern, meistens Limit Hold'em - aber ich hatte damit nicht so viel Erfolg wie beim Live-Spiel. Also beschloss ich mich auf Hi/Lo Split Games zu kaprizieren. Ich war neugierig ob ich in der Lage sein würde, mir die entsprechende Mathematik und die Strategien zu erarbeiten. Darauf lief es dann hinaus - und zwar bis dato recht gut.

PSW: Warum magst du Omaha lieber?

AR: Beim Omaha bekommt man vier Karten. Die meisten Leute lassen sich stark von den vielen Möfglichkeiten beeindrucken, die so eine Hand bietet. Wie ich festgestellt habe sind die Pots größer, weil die Leute ein kleines bisschen optimistischer spielen. Ich erinnere mich an ein Live Game, wo auf dem Flop 6-J-Q oder so ähnlich kamen, und nach dem River jemand 3-4-5-7 aufdeckte, womit er eine Runner Runner Straight gemacht hatte. Er sagte, und zwar offensichtlich ganz im Ernst, "Ich hatte mich um die Sechs gewickelt." Die Leute callen Flops, um vielleicht auf dem Turn einen Draw zu bekommen. Das würde ich niemandem empfehlen. Aber so kommen eben etliche tolle Pots und viel Aufregung auf dem River zustande.

PSW: Warum sollte man denn eine andere Variante lernen? Wenn man immer Hold'em gespielt hat, gibt es dann überhaupt einen Grund sich mit etwas Neuem wie Omaha zu befassen?

AR: Auf jeden Fall. Je mehr Spiele man kennt, umso kompletter wird man als Spieler. Und es ist auch so was wie ein Fluchtweg. Ich spiele gerne Hold'em, aber es kann sehr banal werden, sehr mathematisch, sehr hart. Und es gibt viele wirklich extrem gute Hold'em-Pros. In den Mixed Games trifft man sie etwas seltener und eher vereinzelt an. Ich glaube, die Herausforderung, die darin liegt ein neues Spiel zu lernen, bringtdeinem Pokerspiel insgesamt einen Energieschub und lässt dich Spielsituationen aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Stud-Spielern zum Beispiel dürfte es leichter fallen als Hold'em-Spielern, Open Face Chinese Poker zu lernen, das ja im Moment der letzte Schrei ist. Sie sind gewohnt darauf zu achten, welche Karten offen liegen, welche schon gegeben wurden, welche Draws im Raum stehen, ihre eigenen Drawmöglichkeiten zu berücksichtigen und so weiter. Ich glaube, damit sind sie in dieser Art von Spielen im Vorteil.

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PSW: Glaubst du, Frauen sind beim Omaha irgendwie im Vorteil?

AR: Beim Hi/Lo gibt es anteilsmäßig wahrscheinlich mehr Frauen als beim Hold'em, zumindest in den Games die ich spiele. Allerdings sprechen die Limit Varianten auch eher vorsichtigere Spieler an. Limit Mixed Games ziehen Frauen ein bisschen stärker an. Ob ich je den Eindruck hatte, dass ich als Frau in diesen Spielen einen Vorteil hatte? Nicht mehr als beim Hold'em. Die Leute unterschätzen Frauen ja wo man hinkommt. (Lacht wieder)

PSW: Gibt's ein paar Basics, die absolute Omaha-Neulinge kennen sollten?

AW: Das A & O ist zu verinnerlichen, dass du nur zwei Karten aus deiner Hand benutzen kannst und das auch musst. Du spielst mit drei Karten vom Board, egal was da kommt, und zwei Karten aus deiner Hand. Es kommt so häufig vor, dass Leute zum Beispiel viermal Herz auf dem Board sehen und fälschlicherweise glauben, sie hätten einen Flush, auch wenn sie nur ein Herz auf der Hand haben. Für einen Flush müssen es aber zwei sein. Das ist der Fehler, den Anfänger am häufigsten machen, und er kann sich sehr verheerend auswirken.
Außerdem sollte man bevorzugt Hände spielen, bei denen die vier Karten sich untereinander kombinieren lassen. Gut sind zum Beispiel A-2-3-4, Karten die connected oder double suited sind, High Cards allerdings NUR wenn sie auch double suited sind, denn jeder Draw sollte auf die Nuts gehen.

PSW: Was ist denn deine Lieblings-Omaha-Variante?

AR: Auf jeden Fall Hi/Lo, denn ich glaube die Leute neigen hier viel öfter dazu, ihre Hände falsch zu spielen als sie selbst merken. Die Leute halten es für ein Spiel dass keinen Spaß machen kann, weil die Pots ständig geteilt werden, wo es doch in Wirklichkeit darum geht, Hände zu spielen, die sowohl den High als auch den Low Pot gewinnen können. Häufig wird zu sehr auf nur eine Option einer Hand gesetzt, zum Beispiel nur auf den High, man raist und raist, wo doch durchaus ein Gegner den Nut Low und einen Redraw haben könnte. Es braucht nur ein Paar auf dem Board zu kommen, und schon könnte einen einsamer Flush geschlagen werden. Viele Spieler investieren zu viel Geld in eine Hand, für die kein Scoop drin ist. Es dreht sich hier aber alles um die Nuts.

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Ihren bisher letzten durchschlagenden Erfolg konnte Adrienne vor Kurzem beim PCA 2013 feiern - zwar nicht im Omaha, aber in einem gleich mehrfach "gesplitteten" Mixed Limit Game: $10.920 brachte ihr der Sieg im $1.100 Triple Stud (Stud Hi, Razz, Stud Hi/Lo). Wer diesen unterhaltsamen Varianten-Mix mal ausprobieren möchte: Ungefähr alle zwei Stunden gibt es Triple-Stud Turniere mit einem Buy-in von $2.20 bei PokerStars. Und mehr Infos zu den aktuellen Promotions von PS Women gibt es hier >>.