Q &A zu Omaha Hi/Lo mit Adrienne „talonchick" Rowsome

talonchick_avatar.pngManch einer, der sich beim FL Omaha HiLo auf PokerStars plötzlich mit talonchick am Tisch wiederfindet, macht sich unauffällig von hinnen und beobachtet die Aktionen der Team Online Spielerin lieber von Draußen. Nicht ganz unklug, denn talonchick ist eine erprobte Spezialistin in den High-Low-Varianten, wie nicht nur ihre Siege bei Sidegames der PCA 2012 und 2013 zeigen.

Auf pokerschoolonline.com, dem englischsprachigen Pendant zu intellipoker.com, beantwortet Adrienne seit Anfang des Monats Fragen rund um das spannende und knifflige Spiel, das man Omaha Hi/Lo oder auch Omaha 8 nennt. Dieser Artikel ist der erste einer daraus entstandenen Serie mit Adriennes Tipps zu Omaha Hi/Lo Basics, Starthänden und Strategien

Nicht vergessen - die Basics von Omaha HiLo:

Das Allerwichtigste und etwas, bei dem selbst routinierten Spielern immer mal wieder Fehler unterlaufen, vor allem wenn sie eigentlich vom No Limit Texas Hold'em kommen, sind Anzahl und Verteilung der Karten, die in einer Omaha-Hand mitspielen: Eine Hand besteht immer aus zwei der vier Hole Cards und drei der fünf Karten auf dem Board.

Bei der HiLo-Variante sind es im Normalfall zwei Hände, die sich den Pot teilen -die beste High Hand und die beste Low Hand, die niedrigste Kombination aus verschiedenen Karten.

Wie beim Razz spielen beim Low die Farben keine Rolle, und das As ist die niedrigste Karte. Als höchste Karte kann eine Acht in die Wertung kommen, daher der Name Omaha8 oder Omaha-8-or-better. Auch für den Low werden immer zwei der vier Hole Cards und drei der fünf Boardcards gewertet. Das müssen allerdings nicht dieselben sein wie die, die die High Hand ausmachen.

Die beste Low Hand ist 5-4-3-2-1 (auch bekannt als „Wheel", sie ist gleichzeitig eine nette High Hand, ein Straight A-5), die zweitbeste Low Hand ist 6-4-3-2-1.
8-5-4-3-2 ist schlechter als 7-6-5-4-3, aber besser als 8-6-3-2-A.

Hier noch ein Beispiel zum Üben:

Auf dem Board liegen 6 7 7 2 4, kein Flush Draw

Hand 1: A-2-8-J

Hand 2: K-K-3-5

Wer gewinnt den High, und wer hat die bessere Low Hand? (Auflösung am Ende dieses Posts)

Es ist sicher keine schlechte Idee, diese ungewohnte „doppelte" Sichtweise an den Playmoney-Tischen auf PokerStars trainieren, bis man genügend Routine entwickelt hat, um das Potrential jeder Hand einstufen zu können.

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Es gibt ja nun wirklich keinen Grund dafür, es sich beim Pokern nicht schön kuschelig zu machen ...

Das wichtigste Prinzip des Spiels: Schnapp dir den ganzen Pot (Scoop the Pot)

Cards matter - Limit Omaha8 ist ein „Flop Game". Anders als bei No Limit und oft auch bei Pot Limit Varianten sind beim Fixed Limit keine heftigen Raises möglich, die Gegner mit mittelmäßigen Hole Cards aus der Hand scheuchen würden. Da also nicht selten recht viele Spieler an einem Pot beteiligt sind und oft genug bis zum River dabeibleiben, macht es Sinn, mit einer guten Starthand mitzumischen, mit der man sowohl den High Pot als auch den Low Pot gewinnen, d.h. den „Scoop" machen kann.

Ein weiterer Fehler, der sehr häufig vorkommt ist der, sich ganz auf den Gewinn der Low Hand zu konzentrieren, denn damit kann man ja bestenfalls den halben Pot gewinnen.

Den ganzen Pot kann man sich allerdings auch dann holen, wenn keine Low Hand möglich ist, was zum Beispiel dann passiert, wenn auf dem Board keine drei verschiedenen Karten niedrigen Karten (8 oder kleiner) liegen. Das ist in einer von drei Händen der Fall.

Grundsätzlich gilt, vor allem auf dem Micro und dem Low Limit und/oder wenn man noch nicht viel Spielpraxis im Omaha Hi/Lo verbuchen kann: Es ist keine schlechte Idee, sich auf Starthände mit Scoop-Potential zu beschränken, da man oft genug von schlechteren oder unerfahrenen Spielern ausbezahlt wird, die mit ungünstigen Kartenkombinationen durchcallen, weil sie hoffen, wenigstens einen Teil des Pots zu ergattern.

Die Starthandauswahl

1) Hole Cards mit Scoop Potential:

A-2-x-x

A-3-x-x: vor allem wenn das As suited ist

A-A-x-x: mindestens eine niedrige Karte sollte dabei sein, nach Möglichkeit < 7, ansonsten vorsichtig spielen, denn Asse sind im Omaha längst nicht so „sicher" wie im Texas Hold'em.

A-W-W-x: „W" für „wheel card", hier also zwei der Karten aus dem Spektrum 2, 3, 4, 5

Zwar ist das As eine wichtige Karte, da es sowohl für High als auch für Low zählen kann, allerdings lassen sich auch Hole Cards wie 2-3-4-5 gut spielen, ganz besonders wenn die Gemeinschaftskarten einen Low ermöglichen und auch ein As dabei ist. talonchick empfiehlt hier eine eher zurückhaltende Spielweise, da man ja nicht unbedingt Gegner verscheuchen will, wenn man selbst den besten Low und womöglich ein Wheel hat, mit dem man scoopen könnte. Callen könnte hier vorteilhafter sein als Raisen, damit sie dabeibleiben.

2) Mehr oder weniger „unspielbar" sind beim O8 Hände wie

9-9-x-x

2-2-3-3 sieht zwar irgendwie nett aus, täuscht aber: wenn ein Set kommt, ist es nur ein sehr niedriges, meistens kann man damit nur den Low gewinnen, wenn überhaupt.

6-7-8-9 ist in Omaha High gut, für Hi/Lo aber nicht besonders geeignet, da es garantiert einen besseren Low gibt

3) Last but not least: Die hohen Karten

Sind oft gut spielbar, allerdings mit etwas Vorsicht zu genießen, denn wenn ein Low möglich ist, gibt's natürlich nur den halben Pot. Hier ein paar Beispiele mit denselben Hole Cards und unterschiedlichen Flops.

Hole Cards: A♦ K♦ Q♠ J♠

Flop 1: 2♦ 5♦ 7♣
Hier ist mit den obigen Hole Cards definitiv nur der halbe Pot zu gewinnen, und das auch nur, wenn der Flush ankommt und kein Full House möglich ist. Es lohnt nicht zu investieren, es sei denn, man kann sich den Turn für wenig Geld anschauen. Spätestens dann könnte ist Fold das Mittel der Wahl, falls man nicht getroffen hat und ein Raise kommt.

Flop 2: 2♦ 9♦ T♣
Besser ist ein Flop kaum zu treffen - das sieht nach einem High Only Pot aus, immer Setzen beziehungsweise Raisen ist angesagt!

Flop 3: 2♦ 5♦ K♣
Einerseits Top Pair mit Top Kicker, andererseits ein Nut Flush Draw - trotzdem dasselbe wie bei Flop 1: Prüfen, ob sich die Investition lohnt, und sich bei einer ungünstigen Karte auf dem Turn verabschieden.

Soweit die Grundlagen. In die Details geht's im zweiten Teil dieser Serie. Und zu Jen Newells ausführlichem Interview mit Adrienne geht's hier>>.

Auflösung der Beispielfrage vom Anfang:

Hand 2 (Hole Cards K-K-3-5) hat sowohl die bessere High Hand, nämlich eine Straße mit 7 hoch,
als auch die bessere Low Hand: 6-5-4-3-2,
während Hand 1 mit 7-6-4-2-A (Holecards A-2-8-J) das Nachsehen hat. Wie man sieht, spielt es keine Rolle, dass die Low Hand 2 bis zum As herunter zählt - entscheidend ist, wer „von oben" die niedrigste Kombination hat. Am besten gewöhnt man sich von Anfang an daran, die Einschätzung des Low mit der höchsten Karte zu beginnnen.