Kristen Bicknell: Vom Supernova Elite Status zum Meistertitel beim WSOP Ladies Event

Viele uns kennen Kristen als krissyb24 bei PokerStars. Das man/frau ihr dort oft begegnet, liegt daran, dass die erfahrene Pokerspielerin schon seit ein paar Jahren regelmäßig den Supernova Elite Status erreicht. Kristen Bicknell ist PokerPro. Man könnte sie auch als Grinderin bezeichnen, so beständig und ermüdlich wie sie an den Pokertischen zu finden ist. Jetzt aber hat sie einen neuen Titel erobert: den Sieg der Ladies No Limit Hold'em Championship bei der WSOP 2013 samt wunderschönem goldenem Bracelet und stolzen $173.922 als Beweis dafür.

Ihr Lehr- und Wanderjahre als Pokerspielerin begannen genauso (un-)spektakulär wie die vieler junger Spielerinnen heutzutage: Die junge Kanadierin lernte das Pokern während ihrer Studienzeit in Ottawa. Eines Nachts schloss sie sich der Pokerrunde ihres Freundes und seiner Zimmergenossen an. "Ich verliebte mich sofort ins Pokern", erinnert sie sich, "und wir spielten die ganze Nacht durch Heads-up, bis um 11 Uhr vormittags." Es war der Beginn einer Leidenschaft, die sie motiverte Pokerbücher zu lesen, das Spiel besser kennenzulernen und in Clubs in der Umgebung zu spielen. Ein halbes Jahr später kam Online Poker dazu, nachdem sie den Sommer 2005 an den $1/$2-Tischen in einem Casino verbracht hatte.


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Kurz vor ihrem Diplom hängte sie das Studium an den Haken, denn mittlerweile konnte sie sehr gut vom Pokern leben. Im Wesentlichen grindete sie Low Stakes MTTs, manchmal auch Heads-ups. Ihre Bankroll wuchs stetig, und sie war glücklich damit.

2010 beschloss Kristen sich am Supernova Elite Status zu versuchen. Für den Anfang spielte sie $0,50/$1,00 Cashgames, wechselte nach einem halben Jahr aufs $1/$2 Level und spielte gelegentlich auch an den $2/$4-Tischen. Supernova Elite wurde sie noch im selben jahr, und seither alljährlich ohne Unterbrechung. Mittlerweile spielt sie am liebsten 6-max Games, und manchmal vergnügt sie sich mit Zoom Poker.

"Zur Zeit spiele ich im Schnitt mindestens sechs Stunden am Tag, es ist also ein Fulltimejob", sagt sie. "007 oder 2008 hörte ich mit der Schule auf, jetzt konzentriere ich mich seit fünf Jahren fast nur noch aufs Pokern. Meine Eltern führen ein Geschäft, manchmal arbeite ich auch ein wenig für sie."

Hin und wieder spielt Kristen auch Online-Turniere. Wie sehr die ihr liegen, zeigte sich bereits 2008, als sie im $1 Million Turbo Takedown Vierte wurde und $32.500 einsacken konnte. Auch live lief es für sie recht gut, vor allem in Las Vegas, wo sie un ihr Freund Adam "fishbones11" Fyshe den Sommer verbrachten. 2010 kam sie beim Venetian Deep Stack Extravaganza in einem $340 und einem $300 NLHE Event jeweils an an den Final Table, was ihr zusammen fast $25.000 einbrachte. Auch bei der WSOP konnte sie schon Erfahrungen sammeln, in 15 bis 20 Turnieren, wie sich erinnert, cashen aber konnte sie hier nicht.

Zumindest nicht bis zu diesem Jahr.

Eins der Turniere die sie sich für die WSOP 2013 ausgesucht hatte war die $1.000 NLHE Ladies Championship. Diesmal allerdings ging sie mit einer anderen Haltung an die Sache, denn sie spielte zwar schon immer "aus verschiedenen Gründen gerne Ladies' Events. Bisher hatte ich aber eine schlechte Geisteshaltung bei der Ladies Championship - so à la Ich bin hier die erfahrenste und werde eh jede Hand gewinnen", gesteht sie. Dieses Jahr behielt ich im Hinterkopf, dass ich in Ladies' Events schon ganz übel auf die Nase gefallen war, und nochmal solte mir das nicht passieren. Ich beschloss ganz solide zu spielen, nur an wirklich guten Spots zu bluffen und mich nicht schon im Voraus bei jeder Hand als Sieger zu sehen. Und prompt lief alles wie am Schnürchen.


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Ganz besonders am dritten Turniertag. Kristen kam schon mit einem ordentlichen Chipstack an den Final Table. Bald tat ihr Chipleaderin Shana Matthews den gefallen, ihren Stack aufzudoppeln so die Führung an sie abzugeben.

"Jetzt bekam ich das Gefühl, keine schlechten Chancen auf den Sieg zu haben. Ich hatte den Eindruck, dass ein paar Spielerinnen, die ich eigentlich für sehr gut hielt, ihre Hände anders spielten als ich erwartet hätte. Vermutlich sind die Gefühle an einem Final Table doch ziemlich am Brodeln, und nicht alle sind hier noch in der Lage, optimale Entscheidungen zu fällen. Jared Tendler schreibt ja in 'The Mental Game of Poker' über dieses Phänomen. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich online sehr viel multitable, auf jeden Fall habe ich schon länger dieses Gefühl nicht mehr, durch widerstreitende Emotionen gelähmt zu sein."

Vielleicht war Kristens innere Ruhe für ihr Schlüssel zum Erfolg. Als wichtigstes Ziel hatte sie sich vorgenommen, ihr bestes Spiel abzuliefern, was ihr ja auch gelang, wie sie selbst glaubt. Ganze sieben Hände währte das Heads-up, dann gehörten ihr das Bracelet und $173.922. Und so fühlte sie sich im Moment ihres Sieges:

Ihr Rat für Frauen in gender-spezifischen Events? "Es bringt nichts, aus dem Geschlecht eines Gegners Rückschlüsse ziehen zu wollen. So viele Leute glauben, dass das Feld in den Ladies' Events leicht zu schlagen ist, und das ist gar nicht zwangsweise der Fall. Viele Frauen die dort spielen sind Pros, und ganz abgesehen davon bekommt man ja immer nur genau zwei Karten, so oder so. Und diese Hand muss ich genauso spielen analysieren wie ich es online tun würde, wo ich nicht weiß, gegen wen ich spiele."

Kristen blieb in Las Vegas um das Main Event zu spielen, fuhr dann aber bald zurück nach Ottawa, zum Online-Grind. "Ich will dieses Jahr wieder Supernova Elite Status erwerben und hinke ein bisschen hinterher", erklärte sie.

Und so könnte Ihr also krissyb24 wieder dort antreffen, wo sie am liebsten spielt, bei PokerStars nämlich. Vermutlich liegt ein glänzendes weiß-goldenes Armband vor ihr am PC, als Glücksbringer und Erinnerung an einen erfolgreichen Sommer.

Im Original von Jennifer Newell auf PokerStarsBlog.com. Photos mit freundlicher Genehmigung von PokerNews

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