Gestatten: Jeanne David. Verantwortlich für verantwortungsbewusstes Spielen

"Gamble responsibly" - "Spiel verantwortungsbewusst": Jeder in der Pokerwelt kennt diesen Slogan, nur die wenigsten denken darüber nach. Anders Jeanne David, denn ihr Job ist es, über diese beiden Wörter nicht nur nachzudenken, sondern auch sie zu erklären und ein Programm zum Thema verantwortungsbewusstes Gambling zu erstellen, das jedem PokerStars Spieler überall auf der Welt zugänglich ist.

"Responsible Gaming Manager" bei PokerStars ist ein Titel, auf den Jeanne stolz ist. Sie liebt ihren Job - was nicht verwundert, wenn man weiß, dass er eine wunderbare Synthese aus ihrer Ausbildung und ihrer langjährigen Liebe zum Poker darstellt.

Jeanne David hat ein Diplom in Sozialarbeit mit dem Schwerpunktthema Suchtverhalten. Sie arbeitete 15 Jahre lang als Streetworkerin in NYC und leitete eine der größten Drogenentzugsanstalten in der South Bronx. Dort hatte sie es täglich mit Menschen zu tun, die vom Gericht wegen einer Straftat in Verbindung mit Drogen zu 90 Tagen Aufenthalt in ihre Klinik geschickt wurden. Sprich: Sie ist einen harten Tagesablauf gewohnt.

Das Pokern allerdings hat sie schon viel früher gelernt, von ihrem Großvater, was vor allem hieß: 7-Card-Stud - und zwar im Alter von sieben Jahren. „Das war das Ende für mich" witzelt sie. Poker war ihre neue Liebe. In den frühen 90ern verbrachte sie viel Zeit in den Casinos, und 2001, als PokerStars an den Start ging, an Online Tables.

Es kam der Tag, an dem Poker und Sozialarbeit frontal aufeinanderprallten, wie sie es schildert. Sie erinnert sich sehr deutlich an „zwei Kids, die eines Tages in mein Büro kamen und sagten: ,Letzte Nacht wollten wir eigentlich unbedingt rausgehen und Drogen nehmen. Was sollen wir denn tun?' Und alles, was ich denken konnte, war ‚Verdammt, wenn ich jetzt einfach geraist und mit meinen Pocket Kings eine 3-Bet abgefeuert hätte, hätte ich das Turnier gestern Nacht womöglich gewonnen.' In diesem Moment wurde mir klar, dass ich da raus musste. Es war Zeit für eine Veränderung."

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Im Alter von 50 Jahren verkaufte sie ihr Haus, ihr Hab und Gut, packte ihre Sachen und machte sich auf den Weg mit dem Auto quer durchs Land. Das Ziel: Las Vegas. Als Investition hatte sie sich bereits eine Eigentumswohnung in Sin City zugelegt. Auf dem Weg nach LV verbrachte sie zwei Monate damit, jedes größere Casino der USA zu besuchen. Angekommen in Vegas arbeitete David acht Monate als "Director of Administrative Services" für WestCare, ein medizinisches Programm für Drogenentzug und mentale Unterstützung. Bald aber fühlte sie sich ähnlich unwohl wie zuvor in New York.

Etwa zu diesem Zeitpunkt passierte de UIGEA (Unlawful Internet Gambling Enforcement Act) den Kongress. PokerStars blieb online, allerdings mit einem verschärften Sinn für "Responsible Gaming". Jeannes Poker-Mentor und Freund Lee Jones erwähnte eine Jobmöglichkeit bei PS: Sie könnte auf die Isle of Man ziehen und sich um den Bereich „Verantwortungsbewusstes Gambling" kümmern. Ohne zu wissen, wo die Isle of Man liegt, sagte sie zu. So kam sie auf die ominöse Insel und zu einem persönlichen Gespräch mit Isai Scheinberg, dem Gründer von PokerStars. "Er wollte wissen, was ich über seine Firma wusste und ich sagte ihm, dass ich seit 2001 an den Online-Pokertischen bei PokerStars sitze und bis dato vermutlich keinen Tag ausgesetzt habe. Dann fragte er mich ob ich ein Gambling-Problem habe, worauf ich lachend antwortete, dass das vermutlich der Fall sei, und er fragte mich, wann ich loslegen könnte."

Einmal mehr packte Jeanne also ihre Sachen und machte sich auf den Weg, diesmal um sechs Monate lang auf der Isle of Man zu arbeiten, woraus jetzt dreieinhalb Jahre wurden. Ihr erstes Ziel war ein Zertifikat der britischen Organisation GamCare, die sich dem Thema "Responsible Gaming" widmet. Allerdings musste sie zunächst Features und Prozeduren für PokerStars einrichten, mit denen bewusstes Gambling nicht nur propagiert, sondern auch real praktiziert wird. Ein Jahr später engagierte sie einen Assistenten und konnte zurück nach Nevada, um von zu Hause aus zu arbeiten. Mittlerweile managt sie ein fünfköpfiges Team von Mitgliedern aus Nationen: USA, Irland, Costa Rica, Australien und Deutschland - denn das Programm soll 24 Stunden am Tag aktiv sein.

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"Drogen, Alkohol und Gambling gehen Hand in Hand" sagt Jeanne, "es gibt keine einzelnen Abhängigkeiten. Normalerweise macht jemand. der eine Spielsucht entwickelt, noch irgendetwas anderes."

All das ist Teil ihres Jobs, den sie sehr interessant findet. Sie und ihr Team kümmern sich um Hunderttausende, die sich jedes Jahr bei PokerStars selbst vom Spiel ausschließen. Selbstausschluss ist die Möglichkeit, sich selbst für einen bestimmten Zeitraum den Zugang zum Spielen zu nehmen. In der PokerStars Lobby findet sich unter dem „Anfragen" die Option Verantwortungsbewusstes Spiel", und schließlich der Menüpunkt Selbstausschluss. Zur Wahl stehen sechsmonatige oder permanente Blockierung des Accounts.

Sie erzählt von Studenten, die anrufen, weil sie Alkohol trinken und abends nicht ihr ganzes Geld verspielen wollen, und von Menschen, die sie per Email bitten, ihnen nie wieder Zugang zu PokerStars zu ermöglichen, weil sie ihre Abhängigkeit sonst nicht in den Griff bekämen. Letzteren sperrt sie den Account und gewährt ihnen auch auf wiederholte Bitten nie wieder Zugriff darauf. „Ich mache das nicht. Auf Leute, die wirklich spielsüchtig sind, wirkt das natürlich grausam."

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Solche „herzzerreißenden" Geschichten stellen, so Jeanne, allerdings nur einen winzigen Anteil am Geschehen bei PokerStars. „Bei uns spielen Millionen Menschen - mehr als zehn Millionen, um genau zu sein -, und ich mag den Gedanken, dass jeder von ihnen Spaß hat und zum Vergnügen spielt. Trotzdem ist sie glücklich, dass es mittlerweile die Möglichkeiten gibt, in "schlechten Zeiten" helfen zu können.

Jeanne David hat viele Hilfestellungen parat, unter Anderem Gam-Anon, die Lebenspartnern und Familie von Betroffenen beistehen. Hilfsorganisationen für Spielsüchtige sind auf der ganzen Welt vertreten. Bei PokerStars gibt es Spezialisten in 26 Sprachen und Kontaktmöglichkeiten für Spieler in jedem Land. Hin und wieder droht jemand mit Selbstmord - ungefähr 60 solcher Ankündigungen bekommt PS jeden Monat, allerdings lauten sie in 99,9% der Fälle folgendermaßen: „Bei der nächsten schlechten, die ich bekomme, bringe ich mich um." Jede einzelne dieser Drohungen wird ernst genommen, die meisten aber lassen sich schnell aus der Welt schaffen, weil sie keinen ernsthaften Hintergrund haben. Und weil das Team stets aufmerksam bleibt, hat es bis dato keinen Selbstmord zu betrauern.

Und Frauen? "Nur sehr wenige Frauen kommen wegen etwaiger Gamblingprobleme zu mir. Für die meisten Frauen ist Pokern ein soziales Erlebnis. Das war - und ist - es auch für mich"

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Zu ihrem Job gehört weit mehr als das Beantworten von Emails oder das Verwalten diverser Gaming-Zertifikate. Jede ernsthafte individuelle Nachforschung in Sachen Spielsucht kann sich sehr zeitintensiv entwickeln, dennoch wird jede einzelne sehr ernsthaft durchgeführt. Auch spricht Jeanne auf "Responsible Gaming"-Konferenzen (wie der in den Niederlanden, siehe das Foto unten) und/oder hilft anderen Organisationen die sich mit dem Thema befassen. "Jedes Jahr stellen wir ungefähr 100 000 Dollar für finanziell schwache Organisationen zur Verfügung, die keine Hilfe von der Regierung oder aus anderen Funds bekommen."

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Eine weitere Aufgabe ist die ständige Anpassung an die Bedürfnisse der PokerStars Spieler. Die Features des Selbstausschluss-Buttons zum Beispiel sind eine Reaktion auf das Feedback von Spielern. Die Spieler können sich jetzt selbst dabei blockieren, ein bestimmtes Limit zu überschreiten, oder festlegen, dass sie für eine bestimmte Zeit nicht auf höhere Limits wechseln. Sie können sich selbst die Möglichkeit nehmen, bestimmte Poker Variationen zu spielen, und Cash Game Limits setzen, alles Ausschlussmöglichkeiten, die differenziert variiert werden können, zum Beispiel auch in Sachen Deposits.

Der härteste Teil des Berufes ist eng verbunden mit dem schönsten Teil. In der Lage zu sein, anderen zu Helfen und zu beraten, wenn es um verantwortungsbewusstes Spielen geht, bedeutet für sie auch, dem Spiel, das sie schon so lange liebt, ihre Reverenz zu erweisen. Mehr noch - in dem Maße, wie sie lernt, Situationen zu erkennen und mit ihnen umzugehen, lernt sie gleichzeitig, ihr Programm zu verbessern, indem sie anderen die Identifizierung der Probleme ermöglicht und Lösungen erarbeitet. Zum Beispiel trug sie kürzlich bei der Implementierung eines Features bei, das Gewinnern großer Turniere, deren Online Kontostand plötzlich in die Höhe schießt, Informationen zu verantwortungsvollem Gambling zukommen vermittelt.

Jeanne David schätzt die Arbeit als "Responsible Gaming" Managerin. "Es gibt so viele Sachen, die ich an meinem Job liebe. Das vielleicht Beste ist mit den Spielern in unmittelbaren Kontakt zu treten. Außerdem ist es großartig, anderen Organisationen Geld für ihre Hilfeleistungen in aller Welt geben zu können."

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Bitte werft doch einmal einen Blick in den Bereich „Verantwortungsbewusstes Spielen" auf der PokerStars Homepage. Dort gibt es viel Material zum Thema und Einsicht in alle Hilfeleistungen, die Pokerstars im Rahmen von "Responsible Gaming" anbietet.

Das Portrait von Jeanne David und ihrer Arbeit wurde im Original von Jen Newell für PokerStarsBlog.com geschrieben.


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