WCOOP 2019: 'MLS20' im Interview zu seinem dritten COOP-Titel

Gerade im Pokerbereich gibt es zahlreiche Spieler, die seit Jahren regelmäßig herausragende Ergebnisse an den virtuellen Tischen erzielen, aber nie so richtig in den Fokus gerückt sind. Zu ihnen zählt ganz sicher auch Matthias aka MLS20, der vor rund einem Monat das $2,100 NLHE 6-Max (Event 24-H) der WCOOP 2019 und $120.000 Preisgeld gewonnen hat.

Es ist bereits der dritte COOP-Titel für den Österreicher, der auch schon beim Sunday Million ein sechsstelliges Preisgeld abgeräumt hat. Die Anfrage für ein Interview war also längst überfällig und dabei stellte sich schnell heraus, dass Matthias nicht den für Turnierspieler typischen Weg gegangen ist.

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Der Sieg beim $2.100 NLHE 6-Max war dein zweiter bei der WCOOP. Den ersten hast du 2017 in einem 3-Max-Format gewonnen. Außerdem hast du in diesem Jahr deinen ersten SCOOP-Sieg in einem 6-Max-Turnier gefeiert. Was zeichnet dein Spiel aus, um vor allem Shorthanded so erfolgreich zu sein?

Eine Zeit lang habe ich mich mit Spin & Gos beschäftigt und mich von den kleinsten Limits bis nach oben gearbeitet. Das Format macht Spaß und man ist ständig in viele spannende Situationen involviert. Da man bei diesem Spiel nur zu dritt am Tisch sitzt, fühle ich mich sehr wohl, wenn es in MTTs zum short-handed-play kommt. Vor allem in der späten Phase, wenn die Stacks immer kleiner werden.

Ich finde es jedoch sehr schade, dass PokerStars in den großen Turnierserien keine 3-Max-Turniere mehr anbietet. Es gibt bestimmt einige Spieler, die sich sehr darüber freuen würden, wenn die wieder zurückkommen. Ich denke, das würde auch einigen Spielern den Anreiz geben mal ein Spin & Go auszuprobieren, nach dem sie das Turnier gespielt haben.

Bereits im Juli 2015 hast du das Sunday Million auf Platz zwei abgeschlossen und nach einem Deal über $100.000 abgeräumt. Du bist also ein langjähriger Regular bei PokerStars. Wie hat das alles angefangen und wann hast du gemerkt, dass du mit Poker mehr als nur ein Taschengeld verdienen kannst?

Ich habe eine Hotelfachschule mit Matura absolviert, dann ca. 1 Jahr in der Hotellerie gearbeitet und nebenher immer Poker gespielt. Mir gefiel das Spiel so gut, dass ich mich dazu entschlossen habe mit dem Arbeiten aufzuhören und mich ganz der Liebe zum Spiel zu widmen.

Ich glaube, wenn man vor allem mit dem Herzen dabei ist und den Ehrgeiz hat, dann kann man in jeder Branche erfolgreich sein. Das schöne jedoch am Pokern für mich ist, dass es mir die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden, wie mein Tag aussieht. Und keinen Chef zu haben, der einem sagt was man zu tun hat, ist für mich sehr befriedigend.

Ich weiß nicht, wie die Zukunft in Poker aussieht, vor allem online, aber ich hoffe es geht noch einige Zeit so gut weiter :-).

Turnierserien wie SCOOP und WCOOP zählen zu den ganz großen Höhepunkten im Onlinepoker. Wie bereitest du dich auf so eine mehrwöchige Serie vor, wie sieht dein Tagesablauf während dieser Zeit aus?

Eine gute Balance im Leben ist das Um und Auf*, gesunde Ernährung, Sport, Meditation und ausreichend Schlaf. Eine Woche vor Beginn der Series stelle ich meinen Schlafrhythmus um. Ich habe schon oft überlegt deshalb in ein anderes Land zu ziehen, um nicht drei oder vier Wochen lang ständig in der Nacht arbeiten zu müssen - das zehrt etwas an der Energie.

Ich analysiere gespeicherte Hände und diskutiere mit Freunden darüber, natürlich ist es auch wichtig ein paar Turniere zu spielen, als Warm-Up für die große Series. Das macht PokerStars ganz toll, denn sie bieten vorab schon die Phasen-MTTs und Sattelites für die ganz großen Turniere an. Die passen ganz gut, um wieder in Fahrt zu kommen und Sonntag ist sowieso immer Pflichtgrind ;-).

Welchen Stellenwert hat für dich ein Titel bei einer großen Turnierserie? Spielt Prestige und Anerkennung eine Rolle oder dreht sich am Ende einfach alles um das Preisgeld?

Titel sind schön und man freut sich natürlich darüber, aber hauptsächlich zählt das Geld. Vor ein paar Jahren war das mit den Titeln auch noch etwas anderes, da gab es von PokerStars eine SCOOP-Watch oder ein WCOOP-Bracelet, davon hätte ich gern eines gehabt.

Heutzutage bekommt jeder nur mehr einen Cardholder-Chip, der jede Series gleich ausfällt. Da hätte man sich schon was Besseres einfallen lassen können, meiner Meinung nach.

Im Vergleich zu deinen Ergebnissen an den virtuellen Tischen, sind die an den Livetischen übersichtlich. Du hast in diesem Jahr bei der EPT Monte Carlo zwar dein erstes Liveturnier gewonnen, es war aber erst der zweite Eintrag seit Sommer 2016. Warum so wenig Livepoker?

Ich habe mich dem Turnierpoker erst Ende 2018 wirklich gewidmet, davor habe ich hauptsächlich Spin & Gos gespielt. Jetzt stehen aber definitiv mehr Liveevents an, ich freue mich schon besonders auf die PSPC 2020 in Barcelona.

Mir gefällt Onlinepoker aber wesentlich besser. Man muss nicht irgendwo hinfliegen, Hotel usw. zahlen, und man spielt immer nur einen Tisch und das kann mit der Zeit echt langweilig und mühsam werden. Daher bin ich sehr froh, dass es Onlinepoker gibt und ich von zu Hause spielen kann.

Wie sieht dein Leben außerhalb von Poker aus? Was machts du in deiner Freizeit, welche Pläne und Ziele hast du für die Zukunft?

Ich gehe gerne wandern, klettern, drei Mal pro Woche Boxtraining, ernähre mich gesund und unternehme viel mit Freunden.

Meine Pläne für die Zukunft: viel Reisen, viel Neues kennen lernen, mich stetig weiterbilden. Mit dem Geld, das ich mit Poker verdiene, möchte ich mir einen Hof kaufen und eine Gastronomie und ein SPA aufbauen, mit Produkten aus dem eigenen Garten. Konzept: Zurück zum Ursprung.

Die Leute sollen zu mir kommen, um sich zu erholen und dem stressigen Alltag zu entkommen. Ich möchte also mit dem Geld etwas Gutes tun und nicht nur mich damit bereichern :-).


* „Das Um und Auf" ist als Redewendung in Deutschland weniger gebräuchlich, bedeutet so viel wie "das Wesentliche".

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