Eine Entscheidung aus dem realen Leben. 'Loks82' über seinen WCOOP-Sieg beim $1K NLHE PKO

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Zehn deutsche Pokerspieler haben sich 2020 bereits in die Siegerliste der World Championship of Online Poker (WCOOP) eingetragen. Einer von ihnen ist Loks82, der aufgrund seines Jobs im Banking und Finance in Frankfurt lebt. Der WCOOP-Sieg beim $1.050 NLHE PKO (32-H), der ihm mit über $61.000 versüßt wurde, ist sein bisher monetär größter Erfolg bei PokerStars. Im Gespräch mit ihm stellte sich aber schnell heraus, dass er Poker sehr ambitioniert angeht und hohe Buy-ins zum normalen Business gehören.

Poker spielt Loks82 schon seit fast 20 Jahren. Damals zunächst viel live, bevor er online im Pokerboom mit geschwommen ist: „Zu der Zeit habe ich angefangen zu studieren und war relativ aktiv im Cashgame-Bereich. Mit dem Ende des Studiums habe ich dann aber mehr oder weniger aufgehört, Job und nächtelang Poker spielen hat einfach nicht mehr gepasst."

Vor knapp sechs Jahren wechselte der mittlerweile 37-Jährige zum Turnierpoker und konnte 2015 direkt einen riesigen Erfolg verbuchen, indem er bei PokerStars das $11 Sunday Storm für $23.780 gewann. „Das war mein erster großer Breaktrough, ich muss aber fairerweise sagen, es war ein echter lucky Shot. Damals habe ich einfach neben meinem Job aus Spaß Buy-ins zwischen 10 und 100 Dollar gespielt", erinnert sich Loks82.

Es dauerte aber nicht lange bis aus dem Spaß wieder ein ernsthaftes Hobby geworden war: „Ich beschäftige mich viel mit der Theorie, nutze zum Beispiel auch Raise Your Edge und arbeite mit den gängigen Softwaretools, um mein Game weiterzuentwickeln. Im letzten halben oder dreiviertel Jahr ist es durch meinen Job zwar wieder weniger geworden, aber davor habe ich lange Zeit 20 bis 30 Stunden die Woche investiert."

Seinen ersten Final Table bei der WCOOP hat Loks82 bereits vor zwei Jahren gespielt. Damals schloss er ein $530 NLHE PKO auf Platz sechs für insgesamt $24.380 ab. In diesem Jahr verpasste er einen echten Coup beim $1.050 NLHE Main Event der SCOOP, als er am dritten Spieltag auf Platz 28 die Segel streichen musste. „Da ging es am Ende um richtig Kohle ($920.000 für den Sieger). Da freust du dich nicht über die 15K, auch wenn das natürlich immernoch viel Geld ist", so Loks82.

Doch das ist spätestens seit vergangener Woche Schnee von gestern. „Das gewonnene Geld verändert sicher nicht mein Leben, aber es ist schon ein ordentlicher Betrag und die WCOOP ist eine sehr wichtige Tournament Series", räumt Loks82 allein dem Titelgewinn einen hohen Stellenwert ein.

Das Turnier selbst war ein Rollercoaster, was schon damit anfing, dass sich Loks82 für ein PKO-Turnier ungewöhnlich spät registrierte: „Es war eine Entscheidung aus meinem realen Leben heraus. Ich wusste, wenn ich spiele ist Day one um halb zwei vorbei, ich kann noch schön pennen und am nächsten Tag nach der Arbeit weiter spielen. Am Anfang ist es natürlich eine relativ binäre Entscheidung mit 25 Big Blinds. Du musst halt ein, zwei Mal erfolgreich jammen, dann hast du einen guten Stack oder halt keinen. Ich konnte zum Glück schnell verdoppeln, war hoch auf 50 Big Blinds und von da an lief es recht smooth. Zwischendurch war ich zwar noch einmal recht short, letztlich bin ich aber als Chipleader aus Day one rausgegangen."

Am zweiten Spieltag wurde es bei noch zwei Tischen eng, doch Loks82 konnte seinen Stack aber wieder aufbauen, erreichte den Final Table und war auch beim Deal der letzten vier Spieler noch gut dabei. „Bis es zum Deal kam, haben wir four-handed aber echt lange gespielt. Das war aufgrund von ICM richtig zäh und schließlich auch vom Kopf her sehr anstrengend. Es war klar, dass der, der den nächsten Fehler macht, raus fällt", beschreibt Loks82 diese Phase.

Nach dem Deal, an dem neben Loks82 die WCOOP-Champions William hellzito Arruda (Brasilien), Chris ImDaNuts Oliver (USA/Costa Rica) und CrazyLissy (Russland) beteiligt waren, stand natürlich immer noch einiges auf dem Spiel - der Titel zum Beispiel, aber auch hohe Bounties. Doch die Blinds waren mittlerweile so hoch, dass die Action automatisch anzog.

Heads-up kam es dann zum Duell gegen Arruda und dort kam Loks82 seine Vielseitigkeit zu Gute. „Ich versuche mich von Heads-up bis Fullring überall zu verbessern und würde sagen, dass ich Heads-up für einen Turnierspieler relativ stark bin. Nach dem four-handed Spiel war ich dann auch relativ entspannt", so Loks82. Und nach der letzten Hand viel auch die letzte Anspannung ab: „Da bin ich schon komplett ausgeflippt. Das war einfach geil und meine Bankroll freut sich."

Vor allem auch auf das kommende und gleichzeitig letzte WCOOP-Wochenende. Im Fokus stehen für Loks82 die Qualifikation für den $5.200 NLHE Main Event und insbesondere auch die Knockout-Turniere: „Die Leute spielen bei den Knockouts immer noch zu defensiv. Und das Gute ist, es reduziert einfach die Varianz, wenn du schon on the way Bounties einsammeln kannst."

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