Aussie Million: Gus Hansen ist der Champion

Gus Hansen hat es geschafft. In einem mitreißenden Finale besiegte er bei den Aussie Million in Melbourne den amerikanischen Shooting-Star James "Gobboboy" Fricke und sicherte sich die Siegprämie von 1,5 Millionen Australischer Dollar (900.000 Euro). Für den 33jährigen Kopenhagener war es der sechste Erfolg in einem großen Turnier. Er schraubte damit seine Gewinnsumme auf rund US $ 3,6 Millionen (ca. 2,8 Millionen Euro). Ehe er jedoch den Siegerscheck in Empfang nehmen konnte, musste er einen schweren Finaltag durchstehen, an dem James "Jimmy" Fricke die meiste Zeit als Chipleader das Geschehen dominierte und lange Zeit wie der sichere Sieger aussah, zumal er lange Zeit mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit die richtigen Entscheidungen traf. Die Million Australischer Dollar (600.000 Euro) bedeuten für den 19jährigen aus dem US-Bundesstaat Illinois mehr als ein Trostpflaster. Erst vor acht Monaten hatte er seinen ersten Geldpreis ($ 907) gewonnen und den ersten Turniersieg im November gefeiert.


Gus Hansen (rechts) präsentiert stolz den Siegerscheck

Und sah die endgültige Platzierung (Preisgelder in Australischen Dollars) nach dem Finaltag aus:

1. Gus Hansen (Dänemark), $ 1.5 Million
2. Jimmy Fricke (USA), $ 1 Million
3. Andy Black (Irland), $ 700.000
4. Julius Colman (Australien), $ 500.000
5. Hans Martin Vogl (Deutschland), $ 400.000
6. Marc Karam (Kanada), $ 300.000
7. Kristy Gazes
(USA), $ 220.000

Für Hans Martin Vogl brachte dieses Turnier einen weiteren tollen Erfolg nach der Finalteilnahme beim Masters in Singapore (er wurde 7.) vor zwei Monaten. Er spielte ein sehr unauffälliges Turnier, aber ereichte die jeweils nächsten Runden ohne größere Schwierigkeiten. Am Ende überflügelte er noch Jakob Glassl, der einen spektakulären vierten Tag hatte. Als Achter verpasste der Hamburger den Einzug ins Finale nur knapp. Für den 22jährigen Qualifikanten gab es mit 155.000 Australische Dollar (93.000 Euro) dennoch den ersten großen Zahltag in seiner Turnierkarriere.

Und in dieser Reihenfolge nahmen die glorreichen Sieben mit ihren Chips am Tisch zum Millionenspiel platz:

Platz 1 Hans Martin Vogl, 455.000
PLatz 2 Gus Hansen, 4.845 Millionen
PLatz 3 Marc Karam, 535.000
PLatz 4 Julius Colman, 785.000
PLatz 5 Jimmy Fricke, 5.175 Millionen
PLatz 6 Andrew Black, 2.1 Millionen
PLatz 7 Kristy Gazes, 1.05 Millionen

Recht früh musste Chipleader Jimmy "Gobboboy" Fricke zwei kräftige Schläge verdauen. Erst war es Gus Hansen,der Jimmys 90k aus Mittelposition callte. Nach dem Flop Kreuz T und 2, sowie Herz T setzte Jimmy nach einem Check von Gus 150k an. Gus' Reraise auf 350k wurde gecallt. Die Turn-Karte war Kreuz König. Gus brachte 465k und Jimmy warf weg. Augenblicke später lag Julius Colman mit Jimmy im Kampf nach seinem All-in, das Jimmy im Big Blind gecallt hatte. "Gobboboy" zeigte ein Paar 10er, Julius Kreuz A-Karo Q. Der Flop brachte drei Kreuz: Q-8-3. Pik Bube auf dem Turn gaben Jimmy eine kleine Straight-Chance, aber Kreuz 6 auf dem River beendete alle Träume. Julius konnte seinen Stack auf 1,6 Millionen erhöhen.

Dennoch hielt Jimmy weiter dagegen, wenn Gus Hansen sein aggressives Spiel vortrug. Ein Beispiel, das die Fans mit Saal und vor den Fernsehern in Atem hielt: Gus bringt under the gun 105k, Jimmy callt vom Button. Der Flop bringt 8-4-3 und Gus setzt 105k an, was Jimmy callt. Eine Dame auf dem Turn veranlasst Gus 330k zu bringen und hört erneut "Call". Die River-Karte – ein As – und Gus setzt 770k. Jimmy geht auch hier mit. Gus zeigt 3-2 für ein Paar, Jimmy A-J für Toppair und kassiert einen Pot mit rund 2,5 Millionen.


Kristy muss ihre Sachen packen. Jimmy hat sie rausgekegelt

Inzwischen sind Kristy Gazes (USA) und Marc Karam (Kanada) ausgeschieden. Nach vier Stunden Spielzeit trifft es Hans Martin Vogl. Auch diesmal ist Jimmy Fricke wieder der Liquidator. Die beiden gehen Preflop in die Aktion. Das All-in von Hans wird von Jimmy gecallt. Hans zeigt A-9, Jimmy K-J. Der Flop mit 9-8-5 bringt Hans nach vorn, die Dame auf dem Turn Jimmy eine Straight-Chance. Der Bube bringte zwar nicht die Straße, aber Toppair für Jimmy, der sein Stack um eine Million erhöht. Als dann noch Andrew Black den letzten verbliebenen Australier Julius Colman aus dem Rennen wirft, beginnt für Gus und Andy eine harte Zeit. In der Pause nach gut fünf Stunden sieht die Chipverteilung so aus: Jimmy 8,115 Millionen, Gus 4,5 Millionen und Andy 2,3 Millionen.

Nun beweist der 19jährige mit der geringen Turniererfahrung, das er weiß, was in solchen Situationen zu tun ist. Er terrorisiert den Tisch mit seinem Riesen-Stack. Eins Stunde lang ein vertrautes Bild: Die anderen beiden setzen an, Jimmy kommt mit einem Millionen-Reraise und drängt sie aus der Partie. Nach sieben Stunden schießt Jimmy dann Andy Black aus der Partie. Jimmy setzt 350k an, Andy schiebt alles zur Mitte. Jimmy zeigt Herz A-Q, Andy K-Q. Als das Board mit T-9-7-7-3 komplett ist, gewinnt Jimmy mit dem As. Zeit für das Heads Up mit Gus Hansen, Zeit für ein dramatisches Finale für die Zuschauer.


Nicht nur
im Saal verfolgten die Fans voller Spannung
das Endspiel

Nach einer halben Stunde verschafft sich Gus in diesem Finale etwas Luft. Der Däne erhöht vor dem Flop und wird gecallt. A-K-7 kommen auf den Tisch. Check Jimmy, Raise 350k Gus, Call Jimmy. Der Turn bringt eine 8 und Gus geht mit 3,1 Millionen All-in. Jimmy callt mit K-Q, aber Gus zeigt A-2. Die 5 auf dem River ist nur etwas für die Statistik. Gus ist wieder da.

Nach zwei Stunden Heads-Up fällt die Entscheidung: Jimmy callt vom Button aus, Gus erhöht um 350k, Call von Jimmy. Als der Flop mit Karo Q, 6 und Kreuz 8 auf dem Tisch liegt, geht Jimmy All-in und bekommt sofort den Call. Gus dreht Pocket Asse um und Jimmy schaut so traurig drein, daß die Zuschauer schon fast anfangen zu weinen. Doch dann zeigt der 19jährige seine Karten. Karo 9 und 7. Flush and Straight sind möglich. Jetzt hält es keinen Zuschauer mehr auf den Sitzen. Auf dem Turn kommt Kreuz 2. Weiter, die letzte Chance. Die River-Karte ist Pik – 9. Gus Hansen heißt der Sieger. Aber Jimmy Fricke hat ein bravoröses Turnier gespielt und es gibt nur wenige 19jährige, die in einem Super-Turnier auf Anhieb Zweite wurden.


Trost gab es für "Gobboboy" Fricke ven den Fans jede Menge