…und die kritischen Äußerungen liessen sie kalt

Glücklich und endlich zurück aus Berlin, die Deutsche Pokermeisterschaft 2006 schon fast vergessen, schaffen die Veranstalter es doch noch, uns sogar aus der Ferne einen weiteren "bad beat" zu verpassen. In der jüngst herausgegebenen Pressemitteilung der Spielbank Berlin klopfen die Herren sich gegenseitig auf die Schulter welche tolle Leistung sie doch mit der Vorbereitung und Durchführung des Turniers vollbracht hätten. Auszüge gefällig?

Das Organisationsteam

Der reibungsfreie Ablauf eines so großen Turniers erfordert eine optimale Planung und eine straffe Durchführung. Die Verantwortlichen der Spielbank Berlin haben ihre ganze Erfahrung und ihr persönliches Engagement in das Projekt „Deutsche Pokermeisterschaft“ eingebracht und im Hintergrund dafür gesorgt, dass die Teilnehmer des Turniers sich nur um das Wesentliche, ihr Spiel, zu kümmern brauchten. Dies ist den Veranstaltern hervorragend gelungen.

Reicht noch nicht, die Ohrfeige für alle, die sich -auch durchaus konstruktiv- mit der "Projektleitung" auseinandergestetzt haben folgt auf dem Fuße:

„Eine organisatorische Herausforderung, die viel Spaß gemacht hat“ erklärte Herr Schäfer, Technischer Direktor, von der Gastgeberin der Spielbank Berlin am Potsdamer Platz und seine Kollegen stimmten ihm vorbehaltlos zu.

Es gab viel Lob für das Team der Viererbande und die wenigen kritischen Äußerungen ließen sie kalt, denn „für schlechte Karten sind wir nicht zuständig“.

Liebe Herren, dass die "wenigen kritischen Äußerungen" euch "kalt lassen" haben wir echt gemerkt. Vielen Dank für die freundliche Erinnerung!

Dem Tonfall nach macht man sich hier sogar noch lustig, als gebe es keine aus der Schweiz und Österreich nach mehrfacher telefonischer Teilnahmebestätigung angereisten Spieler, die dann doch nicht spielen dürften; oh, noch ein Schmankerl gefällig?

Einem Spieler (Kai S.) wurde am Freitag die Teilnahme am 2. Qualifikationsabend verweigert, weil die "Übertragung von in Satelittenturnieren gewonnen Startplätzen aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht zugelassen werden kann". Huhh? Derselbe Spieler hatte Donnertag noch ohne Probleme mit einem gekauften Startplatz spielen dürfen, diverse Tickets wurden sogar bei eBay versteigert (eines hat sogar für deutlich über 2.000 Euro einen Abnehmer gefunden, omg) und hat nicht sogar der neue Deutsche Meister sein Ticket gekauft und als Agio 10% an den Verkäufer abgegeben (btw, congrats Marten!) ?

Dieses Turnier als "reibungslos abgelaufen" zu beschreiben ist so wie Biene Maja als Killerhornisse zu verkaufen.

Damit keine Missverständnisse auftreten: das Fehler gemacht werden ist klar und auch nicht schlimm. Ich denke, wenn man den Eindruck gehabt hätte die Verantwortlichen würden sich ernsthaft und konstruktiv um Lösungen bemühen würden Einzelprobleme wie das Spielen einer Hand ohne Big Blind höchstens als lustige Randnotiz für ein paar Tage zirkulieren. Aber die Art und Weise, wie man hier mit Spielern im Allgemeinen und im Besonderen umgegangen ist und welche Gleichgültikeit dem Pokerspiel und seinen Besonderheiten und Erfordernissen an sich entgegengebracht wurde ist schon bemerkenswert und einer Deutschen Meisterschaft einfach nicht würdig. Meine Meinung.