Deutsche Meisterschaften vor der Tür

Am Donnerstag abend beginnen in der Spielbank Berlin die Deutschen Poker-Meisterschaften 2006 (DPM) mit dem ersten Spieltag. Die Deutsche Poker-Meisterschaft wird dieses Jahr als "Open" Event ausgetragen, d.h. jeder kann teilnehmen, es ist keine Qualifikation erforderlich (mehr dazu gleich). Das war nicht immer so, in den vergangenen Jahren wurde das Turnier teilweise auf reiner Qualifikationsbasis ausgetragen (bis vor 1-2 Jahren übrigens auch noch im Seven Card Stud). 

Die vier austragenden Spielbanken, die Spielbank Hamburg, das Casino Schenefeld, die Spielbank in Bad-Zwischenahn und natürlich die Spielbank Berlin haben allerdings in den letzten Monaten jeweils Satellitenturniere in ihren Häusern angeboten, die auch sehr gut besetzt waren. Diese Qualifikationsturniere haben mit einem Buyin von nur €105 eine erfreulich günstige Möglichkeit für viele Nachwuchsspieler geboten, für ein übersichtliches Buyin einen Startplatz zu gewinnen.

 

Das Buyin für die DPM beträgt €400+40 wofür man 1200 Startchips erhält (€40 ist Gebühr). Es kann ein Rebuy für €200 genommen werden, wofür man wiederum 1200 Chips erhält und schließlich ist ein AddOn (auch €200) möglich, für das es 2400 Chips gibt. Benötigt man im Spielverlauf ein zweites Buyin (soll ja vorkommen, lol) kann man das AddOn auch als Rebuy nehmen, erhält dann aber nur 1200 Chips und verliert das AddOn-Anrecht.

Die Qualifikationsturniere haben entsprechend Pakete ausgespielt, die einen Wert von €840 haben und den Rebuy und das AddOn gleich beinhalten. Benötigt ein Spieler mit einem solchen Paket im Turnierverlauf das Rebuy und/oder das AddOn nicht bekommt er den jeweiligen Wert zurückerstattet.

Das eigentliche Turnier wird also vom 16.-18. November in der Spielbank Berlin ausgetragen. Es gibt zwei Qualifikationsrunden die jeweils Platz für 100 Spieler bieten (am Donnerstag um 20:30h und am Freitag um 20:30h). Jeweils ein Fünftel (also 20% bzw. 20 Spieler bei voller Auslastung) kommt in das Finale am Samstag abend.

Timetable der beiden Qualifikationsrunden:

Level 1 - 20/20 - 20 MinutenLevel 2 - 20/40 - 20 Minuten
Level 3 - 40/80 - 20 Minuten
Letzte Möglichkeit zum Rebuy/AddOn, Essenspause
Level 4 - 60/120 - 30 Minuten
Level 5 - 80/160 - 30 Minuten
Level 6 - 100/200 - 30 Minuten
Kurze Pause (5 Minuten)
Level 7 - 200/400 - 30 Minuten
Level 8 - 300/600 - 20 Minuten
Level 9 - 500/1000 - 20 Minuten
Level 10 - 1000/2000 - 20 Minuten

Im Finale (mit erwarteten 40 Spielern) kommen dann 10 Spieler ins Geld, die Summe aller Buyins, Rebuys und AddOns wird zu 100% unter diesen Spielern aufgeteilt (der genau Aufteilungsschlüssel ist mir noch nicht bekannt). Interessant: man nimmt seinen Chipstack aus den Qualifikationsrunden mit in das Finale, es handelt es sich also im eigentlichen Sinne nicht um Qualifikationsrunden. Allerdings wird im Finale wiederum mit einer neuen, niedrigen Struktur begonnen:

Timetable des Finales:

Level 1 - 100/200 - 30 Minuten
Level 2 - 200/400 - 30 Minuten
Level 3 - 300/600 - 30 Minuten
15 Minuten Pause
Level 4 - 500/1000 - 30 Minuten
Level 5 - 1000/2000 - 30 Minuten
Level 6 - 1500/3000 - 30 Minuten
10 Minuten Pause
Level 7 - 2000/4000 - 30 Minuten
Level 8 - 3000/6000 - 30 Minuten
Level 9 - 5000/10000 - 30 Minuten

Soweit, sogut. Hört sich ja alles prima an, oder? Naja.

Bei aller Vorfreude sei auch ein wenig Kritik gestattet. Neben den offensichtlichen Mängeln (20 Minuten Level am Anfang, Rebuy/AddOn-Mist, später Spielbeginn -wie soll man da noch Cashgame spielen?-) stört vor allem die begrenzte Möglichkeit, überhaupt an dem Turnier teilzunehmen. Im Vorfelde wurde immer gesagt, wer sich nicht über die Satellitenturniere qualifizieren will (oder kann) könne ja problemlos einen Teilnahmeplatz direkt kaufen, es sei ja ein "Open" Event, also ohne Zugangsvorausetzungen (vom Mindestalter usw. mal abgesehen). Das war aber praktisch nicht der Fall. Der offizielle Reservierungsbeginn war am 1. November. Wer am 1.11. morgens um 9:00h anrief wurde auf 15:00 (Öffnung der Spielbank) vertröstet, wer um 15:05 anrief (und durch kam) bekam keinen Platz mehr. Huh? Wie ist das möglich? Dutzende von Reservierungen innerhalb von 4 Minuten verarbeitet?

Nein, es verhält sich anders. Zunächst einmal sind nicht wirklich 200 Startplätze für 200 Teilnehmer verfügbar, den wer in der ersten Qualifikationsrunde spielt und es nicht schafft darf am Freitag nocheinmal antreten (muss aber wieder €440 bzw. €840 bezahlen, dem Preispool schadet es also nicht). O-Ton im Flyer der DPM 2006:

Sofern sich ein Gast noch nicht am ersten Tag qualifiziert hat, kann er auch an der Qualifikationsrunde am Freitag teilnehmen.

Hmmm. Damit ist die absolute Zahl der möglichen Teilnehmer schon einmal kräftig gesunken, ausserdem werden diejenigen, die es sich leisten können, 2x €840 zu bezahlen deutlich bevorteilt. Nicht schön. Jetzt muss man noch wissen, dass die Reservierungsfrist allem Anschein nicht wirklich am 1.11. begonnen hat, sondern als Stammgast der teilnehmenden Häuser konnte man sich scheinbar schon etwas früher seinen Startplatz sichern (für diese Politik der Spielbanken muss man unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchaus Verständnis aufbringen, wie damit aber das hehre Ziel, die Menschen vor ihrem Spieltrieb zu schützen unterstützt werden soll bleibt Geheimnis der Spielbanken). Jedenfalls weiss ich aus sicherer Quelle, das bereits einen Tag vor offiziellem Reservierungsbeginn für den Freitag garkeine Plätze mehr verfügbar waren und für den Donnerstag noch ca. 10-20. Womit der schnelle Ausverkauf der freien Plätze auch erklärt wäre. Nicht schön.

Viel schlimmer aber: diverse wirklich gute deutsche Pokerspieler haben das so nicht gewußt oder wahrgenommen und entspechend keine Zeit in die Satellitenturniere (die für €105) investiert.  Ergebnis: sie können nicht teilnehmen. Etwas überspitzt formuliert wird also die DPM 2006 zwischen Qualifikanten und Stammgästen ausgetragen. Ich persönlich bedauere dies sehr, weil unter vielen guten Spielern jetzt die Meinung herrscht, der Gewinn der DPM 2006 sei nichts soo besonderes, einfach weil die Konkurrenz nicht so super-stark wäre. Sicherlich, ein wenig Neid wegen der selbst nicht ergatterten Startplätze dürfte bei diesem oder jenem schon dabei sein, so völlig falsch liegen diese Spieler aber auch nicht. Bleibt die Hoffnung, dass die Betreiber sich nächstes Jahr rechtzeitig mit der Tatsache vertraut machen, dass Poker in Deutschland groß geworden ist und sich entsprecend darauf einrichten.

Ich persönlich werde übrigens teilnehmen (lol, jetzt fragt mich nicht wie es mir gelungen ist einen Platz zu ergattern) und vom Event berichten - Katja Thater vom Team PokerStars hat übrigens ihren Startplatz über ein Satellitenturnier ordnungsgemäß gewonnen und wird daher auch teilnehmen. Am Mittwoch werden in Berlin noch die neusten PokerStars-Fernsehspots produziert, wo ich ebenfalls dabei sein werde. Updates wie immer hier.

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