RPT St Petersburg: Suntsov rollt das Feld von hinten auf

Wenn man als Shortstack an einen Finaltisch kommt, bleiben einem im Grunde zwei Möglichkeiten: Man spielt "Alles oder Nichts" und kämpft furchtlos um den Sieg - egal wie schlecht die Chancen darauf stehen - oder man geht so wenig Risiko wie möglich ein und hofft darauf, noch ein paar Plätze in den Preisgeldrängen zu klettern. Vor dieser Entscheidung stand gestern auch Oleg Suntsov - der zu Beginn des Finaltischs beim ersten Russian Poker Tour-Event in St.Petersburg so weit hinter den anderen zurücklag, dass er sie kaum noch sehen konnte.


Oleg Suntsov

Suntsovs Stack war mit 64.000 Chips so klein, dass er nicht ihn nur einmal, sondern zweimal ... und dann noch ein drittes Mal hätte verdoppeln müssen, um zum Chipleader Dimitru Gaina aus Moldawien aufzuschließen, der zu diesem Zeitpunkt über 500.000 Chips vor sich liegen hatte. Dabei war Oleg nach dem ersten Tag selbst Chipleader gewesen - eine Tatsache, die darauf schließen ließ, dass er sich am Final Table nicht damit begnügen würde, einfach abzuwarten in der Hoffnung, seine Bankroll noch ein wenig aufzustocken. Im Gegenteil: Oleg wollte den Sieg - und daran ließ er von der ersten Hand an keinen Zweifel. Einige Stunden und acht ausgeschiedene Spieler später hielt er die Trophäe in der Hand - und dazu den Gewinnerscheck über mehr als 10 Millionen Rubel, umgerechnet gut $300.000. Es war eine beeindruckende Leistung des jungen Russen, der in seiner Heimatstadt St. Petersburg zu den Größen der dortigen Turnierszene zählt.

 


Suntsov (rechts) mit dem Siegerscheck

Die Stadt an der Newa erwies sich überhaupt als perfekter Premierenort der von PokerStars gesponserten Russian Poker Tour: Insgesamt 201 Spieler hatten das Buy-in von $5.000 bezahlt und damit alle Erwartungen weit übertroffen. Im Teilnehmerfeld waren neben einigen PokerStars-Qualifikanten auch Alex Kravchenko und Vanessa Rousso vom Team PokerStars Pro sowie Ivan Demidov, der von PokerStars gesponserte Zweite beim WSOP Main Event 2008. Das Interesse an diesem Event war so groß, dass Turnierdirektor Thomas Kremser und seine Mitarbeiter eine Alternates-Liste führen mussten, um allen Spielern ihre Chance auf den Titel zu ermöglichen. So gingen die letzten Neun an den Finaltisch: 1. Dimitru Gaina, Moldawien, 501.000 Chips 2. Sergey Popuk, Russland, 302.000 Chips 3. Sergey Solntsev, Russland, 256.000 Chips 4. Vadim Markushevsky, Weißrussland, 256.000 Chips 5. Anatoly Ozhenilok, Russland, 203.000 Chips 6. Bulat Bikmetov, Russland, 181.000 Chips 7. Evgeny Zaytsev, Russland, 178.000 Chips 8. Alexander Pantukhin, Russland, 76.000 Chips 9. Oleg Suntsov, Russland, 64.000 Chips Als Erster musste sich Evgeny Zaytsev verabschieden: Er ging mit :Jx:Jx all-in, traf aber auf ein Paar Damen von Bikmetov, und keines seiner beiden rettenden Outs kam. Kurz danach begann Suntsov seine Aufholjagd und verdoppelte seinen Stack - ausgerechnet gegen Chipleader Gaina. Für Gaina dagegen fand der Traum vom Titel ein jähes Ende, als er seine Chips mit einem Open-ended Straight Draw in die Mitte schob, doch damit genau in den Nut Flush Draw von Vadim Markushevsky lief, den dieser auf dem River komplettierte. 


Dimitru Gaina

Platz Sieben ging an Ozhenilok, der mit :As :Ks gegen Bikmetovs :Qx:8x antrat und Pech hatte: Der Flop brachte :8s :4s :9x - und damit ein Paar für Bikmetov, aber auch den Nut Flush Draw für Ozhenilok. Auf dem Turn erschien :Qs. Damit hatte Ozhenilok seinen Flush zusammen und Bikmetov lag mit zwei Paaren aussichtslos hinten - bis auf dem River die nächste 8 auftauchte und ihm ein Full House bescherte. Der nächste, der gehen musste - ebenfalls äußerst unglücklich - war Sergey Popuk. Dabei hatte er mit :Ax:Ax gegen :Kx:Qx von Alex Pantukhin zunächst wie der sichere Sieger ausgesehen. Doch als das Board :Kx:Qx:5x:8x:7x brachte, konnte Popuk nur noch nach seinem Mantel greifen … Bikmetov musste sich als Fünfter verabschieden: Er ging All-in mit :Ax:8x, aber Markushevsky callte und drehte :Ax:Jx um. Als ob das noch nicht genug war, brachte der Turn einen weiteren Buben für Markushevsky … und der River ebenfalls! Danach dominierte Markushevsky den Tisch und hatte zusätzlich noch das nötige Glück, als Solnstev mit :8x:8x all-in ging: Markushevsky callte nut :Ax:5x, traf ein As auf dem River und schickte Solnstev als Viertplatzierten vom Tisch.


Vadim Markushevsky

Markushevsky sorgte auch dafür, dass sich irgendwann Pantukhin als Dritter aus dem Turnier verabschieden durfte: Diesmal callte er mit :Qx:Jx das Paar Siebener von Pantukhin und traf auf dem Flop seinen Buben. Während Markushevsky den Tisch förmlich überrollte, hatte Suntsov deutlich zurückhaltender gespielt. Trotzdem war es ihm gelungen, bis zum Heads-up 800.000 Chips zu sammeln, womit er gegen die 1,2 Millionen von Markushevsky nicht allzu aussichtslos zurücklag. Im Heads-up sammelte Suntsov mehrere kleine Pots und spielte sich so in Führung. Und dann kam es - wie so häufig - zu einer alles entscheidenden Hand, die dieses dreitägige Turnier abrupt beendete: Markushevsky erhöhte auf 60.000, Suntsov ging mit. Der Flop brachte :6x:9x:3x und beide Spieler zahlten je weitere 100.000 Chips in den Pot. Auf dem Turn kam eine :5x, Suntsov setzte 220.000, Markushevsky ging all-in … und bekam den Call! Markushevsky zeigte :Kx:9x, aber Suntsov lag mit einem Paar Damen deutlich vorn, und die Zwei auf dem River brachte keine Veränderung mehr. Damit stand Suntsov als Sieger fest! Das ganze Event hat sich als Riesenerfolg erwiesen, so dass das nächste RPT-Event in Moskau, das am 25. Februar beginnt, schon jetzt mit Spannung erwartet werden kann. Wenn St. Petersburg der Gradmesser für die folgenden RPT-Events war, dürfte Moskau ein echter Knaller werden. Für eine ausführliche Berichterstattung über das Event in St. Petersburg sollten Sie zunächst Russisch lernen. Sobald das erledigt ist, finden Sie alles Weitere in unserem russischen Blog - viel Spaß beim Lesen! Bis dahin müssen Sie sich zum Abschied mit einem letzten Bild der Stadt begnügen ...


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