25 Billion Bash - die Gewinner

von Brad "Otis" Willis

Es war mehr als unwahrscheinlich. Selbst die unverbesserlichsten Optimisten sahen kaum eine Chance. An diesem frühen Montagmorgen wurde bei PokerStars an Abertausenden von Tischen gespielt. Ein Optimist hätte also nicht nur am richtigen Tisch sitzen, sondern auch ausgerechnet bei der 25-milliardsten Hand mitspielen müssen. Eigentlich ein Wunder, dass es überhaupt jemand versucht hat …

Aber der Mann, der auf PokerStars unter dem Namen NeonFrost spielt, ist offensichtlich genau diese Art von Optimist.

"Ich habe meinen Freunden die ganze Woche lang mit der 25-Billion-Bash-Aktion in den Ohren gelegen. Ich musste ständig daran denken, wie unglaublich es sein würde, so viel Geld zu gewinnen", sagte er. "Ich habe noch Späße darüber gemacht, dass ich unbedingt versuchen wollte, dabei zu sein, wenn die 25-milliardste Hand ausgespielt wird."

NeonFrost ist im wirklichen Leben 27 Jahre alt und heißt Mike Soroka. Der ehemalige Golfprofi arbeitet heute in der Golfindustrie und spielt nebenher ein wenig Poker. Er spielt schon seit der fünften Klasse, als die Einsätze noch aus Bonbons und Fruchtgummis bestanden.

Am frühen Montagmorgen sah Soroka (links), dass die große Hand kurz bevorstand. Er wusste auch, dass großes Geld auf dem Spiel stand. Also begann er, wie verrückt Tische zu eröffnen.

"Ich ging an rund 15 Tische mit Limits von $0,01/$0,02 bis $3/$6 und spielte Hold'em, Omaha und Omaha Hi-Lo", berichtete er. "15 Tische war der absolute Irrsinn. Ich passte praktisch bei jeder Hand, weil sich dauernd neue Tische öffneten, bevor ich Zeit hatte, mein Blatt auch nur anzusehen."

Dann passierte es, wie im Film ... alles in Zeitlupe. Ein Pop-up-Fenster öffnete sich und verkündete, dass nun die Hand aller Hände am Tisch "Susilva", einem $1/$2-Omaha-Hi-Lo-Tisch, gespielt wurde.

"Ich schaute sofort auf meine 15 Tabs und sah, dass einer davon der Tisch 'Susilva' war", erzählt Soroka später. "Als ich den Tisch anklickte und mich da sitzen sah, bin ich ausgerastet."

PokerStars gab den Zuschauern Zeit, sich zu versammeln. Es kamen so viele Railbirds zusammen, dass der Server sogar einen winzigen nervösen Schluckauf bekam. Und plötzlich lief für Soroka alles schief:

"Urplötzlich kam der Alarm, dass ich an der Reihe war, und bevor ich irgendetwas tun konnte, wurde meine Hand gepasst."

Soroka wusste, dass ihm eine Garantiesumme ins Haus stand, wenn er bei dieser Hand mitspielte. Hätte er aber auch noch gewonnen, hätte das bis zu $80.000 zusätzlich für ihn bedeutet.

Ignorieren wir den Wahnsinn. Ignorieren wir auch die Flüche. Ignorieren wir, dass ein junger Mann in Kalifornien gerade seinen Verstand zu verlieren drohte. Nur eins hätte die Situation noch schlimmer machen können - dass das gepasste Blatt auch noch gewonnen hätte.

Und genau das passierte. Sein Flush bis zur Königin hätte für die obere Hälfte des Pots - $50.000 in bar - und $50.000 in Turnierpaketen gereicht. Plötzlich ging all das an einen anderen Spieler. Soroka war außer sich.

Dann fiel ihm auf, dass auch mehrere andere Spieler irregulär rausgeflogen waren. Zu Sorokas Glück bemerkte auch PokerStars den Fehler und wertete Sorokas Hand als weiterhin im Spiel.

Das bedeutete, dass $50.000 die Tasche des anderen Spielers wieder verließen.

Und wie hat dieser Spieler darauf reagiert?

Mit einem Wort: klasse.

Der Spieler, der diese große Klasse bewies, war Julio tupapi777 Lau.

"Ich hatte kein Problem damit, die $100.000 Preisgeld zu teilen, wenn ich schon nicht den ganzen Pot gewinnen konnte", sagte er. "Mir war ja auch klar, dass niemand in dieser Situation sein Blatt freiwillig wegwerfen würde. Deshalb bin ich mit der Entscheidung absolut zufrieden."


Julio "tupapi777" Lau

Lau, dem eine ganze LKW-Ladung gutes Karma ins Haus steht, beschreibt sich als Pokerspieler, der sich so durchschlägt. Den Moment, in dem seine Bankroll um $50.000 anschwoll, wird er nicht nur nie wieder vergessen, er hat ihn bis jetzt wahrscheinlich noch nicht mal vollständig realisiert.

"Ich war wahnsinnig aufgeregt", sagte er. "Ich konnte es einfach nicht glauben."

Jetzt versucht Lau zu entscheiden, was er mit seinem Gewinn machen will. Im Augenblick weiß er nur, dass er in diesem Jahr beim Main Event der World Series mitspielen wird.

"Auf jeden Fall!", sagt er.

Soroka seinerseits bedankt sich bei Lau und PokerStars. Er freut sich, dass er seinen Truck abbezahlen und seine Schulden begleichen kann. Dann wird er seine Reisekasse für Vegas auffüllen und sich den größten Fernseher kaufen, den er sich leisten kann. "Gerade rechtzeitig für die March Madness im College-Basketball", wie er sagt.

Soroka ist wirklich ein echter Optimist. Er erkannte seine Chance, ergriff sie, erlebte, wie sie ihm wieder entrissen wurde, und erhielt sie schließlich zurück. So tickt ein Optimist. Jetzt geht es nach Monte Carlo.

"Ich freue mich auf die Gelegenheit, zu reisen und gegen die besten Spieler der Welt anzutreten", erzählt Soroka. "Ich war noch nie in Europa und kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf Monte Carlo freue."

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