Die beliebtesten Poker-Varianten in Kinofilmen

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Die Anfangsszene von California Split ist eine der besten Poker-Szenen der Filmgeschichte. Der fiktive California Club erweckt einen Pokerraum, wie er für die Stadt Gardena Mitte der 1970er Jahre typisch war, auf verblüffende Weise zum Leben.

Zu den vielen Versatzstücken, die die Szene besonders machen, gehört die Tatsache, dass die Spieler Lowball spielen - eine Variante, die den wenigsten geläufig sein dürfte (damals wie heute).

Drehbuchautor Joseph Walsh verriet, dass diese Entscheidung bei den Verantwortlichen des Studios nicht auf Zuspruch stieß.

Die Szene gipfelt in einer Hand, in der ein Spieler „Seven-smooth" aufdeckt und von jemandem geschlagen wird, der „Six-perfect" vorweisen kann. Die Studio-Verantwortlichen hatten laut Walsh Sorge, dass die Zuschauer von diesen Händen verwirrt werden könnten.

„Könnt ihr das nicht so machen, dass vier Könige vier Damen schlagen?", hakten sie bei Walsh nach.

Tatsächlich schafft es der Film spielend leicht, den Zuschauer mitzunehmen. Selbst Zuschauer, die keine Poker-Erfahrungen haben, können dem Drehbuch folgen, ohne die genauen Regeln rund um die Action, Bets oder die Reihenfolge der Hände zu kennen.

Zum Vergleich: Die Netflix-Serie Das Damengambit bringt dem Zuschauer Schach auf ähnliche Weise nahe. Sie müssen nicht wissen, wie die Figuren bewegt werden oder welche Strategie die Spieler verfolgen - trotzdem bleibt die Serie spannend.

Poker war schon immer hervorragend für Kinofilme geeignet. Beim Pokern treten die Spieler gegeneinander an - und nicht gegen die Spielbank. Poker ist für das Drehbuch nützlich, um Konflikte zu schüren und aufflammen zu lassen.

Doch was sind die beliebtesten Varianten in Poker-Szenen, die es in die Kinosäle geschafft haben? Lowball gehört mit Sicherheit nicht dazu. Wie sich zeigt: Es kommt bei dieser Frage sehr darauf an, wann ein Film entstanden ist.

Five Card Draw

Der Bitte, mit der man an Walsh herangetreten war (zwei Vierlinge am Showdown aufeinander treffen zu lassen), liegen Jahrzehnte des filmischen Pokerns zugrunde. Jahrzehnte, in denen Five Card Draw das Spiel der Wahl war.

In so ziemlich allen alten Western-Filmen, die Poker - oder Glücksspiel im Allgemeinen - behandelten, gab es Five Card Draw zu sehen. Die Variante war im Wilden Westen einfach schwer angesagt. So einfach ist das.

Ein alter Western läuft, John Wayne sitzt an einem Tisch und hält Karten in der Hand. Ganz klar: Hier wird Five Card Draw gespielt.

Five Card Draw wird gespielt, als Paul Newman in The Sting vier Buben aufdeckt.

Es ist der Name des Spiels während der „großen Hand" in A Big Hand for the Little Lady.

Es ist der Name des Spiels, das W.C. Fields in Tillie and Gus spielt, als er sich in einer Hand mit vier Assen gegen vier Könige, vier Damen und vier Buben durchsetzt. (Ja, ist das denn zu glauben?)

Bis in die 1980er und 1990er Jahre hinein wird im Kino fast durchgehend Five Card Draw gespielt. Nehmen Sie nur diese Szene aus dem 1992 veröffentlichten Film Honeymoon in Vegas, in dem ein paar sehr starke Five Card Draw-Hände kollidieren:

Five Card Stud

Auch Five Card Stud war beliebt, vor allem im 19. Jahrhundert und in Teilen des 20. Jahrhunderts. Wenig überraschend schaffte es die Variante ebenfalls auf die Kinoleinwand.

Obgleich Five Card Stud kein Spiel ist, das wahnsinnig kompliziert ist, lässt sich die Action etwas schwieriger einfangen als bei Five Card Draw.

Five Card Stud ist das Spiel, auf das man sich im besten Poker-Film aller Zeiten - The Cincinnati Kid - vornehmlich konzentriert.

Cool Hand Luke ist kein richtiger Poker-Film, aber er hat uns eine der besten Poker-Szenen geliefert: Die „Kick-a-buck-Szene". Wer den Film gesehen hat, wird sich an Luke erinnern, der bei einer Partie Five Card Stud Runde für Runde bluffen konnte, ohne eine Miene zu verziehen.

Seven Card Stud

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs schoss Seven Card Stud durch die Decke; hier und da taucht die Variante auch in Filmen auf. Da es relativ schwierig ist, dem Spielablauf zu folgen, hat man meist davon abgesehen, diese Variante auf Film zu bannen.

Eine unvergessliche Ausnahme ist das „Spiel der Richter" in Rounders: Seven Card Stud mit Bets von $10/$20.

Interessanterweise enthält Rounders auch eine Fixed-Limit-Hold'em-Szene. Wobei wir im Limit deutlich nach oben klettern: $300/$600 im Taj-Mahal-Casino.

Erinnern Sie sich daran?

Tun Sie nicht so. Ich will nichts hören, von wegen: „Tut mir leid, John, ich erinnere mich nicht."

No-Limit Hold'em

Seit dem „Poker-Boom" Mitte der 2000er Jahre ist No-Limit Hold'em eindeutig der Favorit, wenn es darum geht, eine Variante für Kinofilme auszuwählen.

Wie Poker im Fernsehen gezeigt hat: NLHE und Zuschauer, das ist eine Rechnung, die aufgeht. Anders als beispielsweise Omaha Hi-Lo ist No-Limit Texas Hold'em eine Variante, der man ohne größere Probleme folgen kann.

In Oceans 11 erteilt Brad Pitt den Spielern eine Poker-Lektion. Oder versucht es jedenfalls. Ich spreche hier über das Remake - das Original ist eher ein Casino-Film, in dem Poker keine Rolle spielt.

No-Limit Hold'em ist in aktuelleren Poker-Filmen das Spiel im Mittelpunkt. Etwa in Mississippi Grind oder Molly's Game.

Niemand geringeres als James Bond spielt No-Limit Hold'em im Remake von Casino Royale. In Ian Flemings Romanvorlage wurde gar kein Poker gespielt, aber 2006 erschien es den Drehbuchautoren einfach richtig, Bond No-Limit Hold'em gegen den schurkischen Le Chiffre spielen zu lassen.

Man traute es dem Publikum zu diesem Zeitpunkt zu, zwischen Call, Check, Raise und All-In unterscheiden zu können.

Poker im Fernsehen hat vielen sogar gezeigt, was es mit dem Small und Big Blind auf sich hat - oder warum der Button so wichtig ist. Der wachsende Poker-Markt hat die Zuschauer schrittweise geschult. Ähnlich wie Online-Casino-Spiele viele Spieler erstmals an Spielautomaten, Roulette und Craps herangeführt haben.

Casino Royale hat uns mit mehreren Poker-Szenen verwöhnt. Jedes Mal wurde NLHE gespielt. Die meisten werden sich an die letzte Szene erinnern, in der sich Bond mit einem Straight-Flush gegen das Full House von Le Chiffre zur Wehr setzt. Die Studio-Verantwortlichen, die bei Walsh vorstellig geworden waren, hätten das mit Sicherheit gebilligt.

Vorher gab es eine andere Szene zwischen den beiden. Natürlich wieder mit Monster-Händen.

Le Chiffre mit dem Slowroll; und nach der Hand rügt der Bösewicht Bond, ihn fälschlicherweise auf einen Bluff gesetzt zu haben. Aber mal im Ernst ... ein Vierling gegen ein Full House? Da geht das Geld doch immer rein, oder etwa nicht?

Das ist ein Umstand, der bei Poker-Händen in Filmen wiederholt auffällt: Nicht immer ergibt alles Sinn.



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