Wie Sie Chinese Poker spielen und dabei gewinnen

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Chinese Poker ist eine unterhaltsame Poker-Variante, die in der jüngeren Vergangenheit enormen Zulauf erfahren hat.

Mitte der 1990er Jahre war Chinese Poker sogar Teil der World Series of Poker. Nach kurzer Zeit hat man die Bracelet-Events aber wieder fallengelassen. Anfang der 2010er feierte das Spiel ein überraschendes Comeback. Der ein oder andere wird sich erinnern: Beim PokerStars Caribbean Adventure war Chinese Poker vor ein paar Jahren mit von der Partie.

Die Regeln von Chinese Poker sind nicht schwierig zu lernen und das Spiel kann sehr spaßig sein. Im Vergleich zu anderen Poker-Varianten weist es sehr viel Action auf. Sie können die Variante im Heads-Up oder mit drei oder vier Spielern spielen.

Der folgende Artikel ist als Einsteiger-Guide gedacht. Wir bringen Ihnen bei, wie Sie Chinese Poker spielen. Abschließend geben wir Ihnen noch ein paar Strategie-Tipps an die Hand.

Einleitende Worte

Das Spiel, das man in den 1990ern bei der WSOP gespielt hat, hat sich etwas anders abgespielt als das Open-Face Chinese Poker, das sich derzeit steigender Beliebtheit erfreut.

Bei der ursprünglichen Variante erhalten die Spieler je 13 Karten ausgeteilt. Den Spielern obliegt es nun, mit diesen Karten drei verschiedene Poker-Hände zu bauen - eine Drei-Karten- und zwei Fünf-Karten-Hände. Danach decken die Spieler ihre Karten auf. Die Hände werden miteinander verglichen und Punkte verteilt.

Beim Open-Face Chinese Poker bekommen Sie zu Beginn nur fünf Karten ausgeteilt. Danach gibt es jeweils nur eine Karte, bis es insgesamt 13 sind. Allerdings müssen Sie Ihre drei Poker-Hände bilden, noch bevor Sie alle Karten kennen. Sie fangen mit den ersten fünf Karten an und legen gezogene Karten sofort aus.

Das macht es ungemein schwieriger, Chinese Poker-Hände zu basteln. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Spieler eine ungültige Hand („Foul") bauen.

Bevor wir aber in die Tiefe gehen und Fachbegriffe erläutern, schauen wir uns zuallererst an, wie das Spiel grundsätzlich funktioniert.

Chinese Poker-Hände bilden

Was es mit den drei Poker-Händen auf sich hat, die man „bilden" soll? Schauen Sie sich das Foto weiter oben an - allesamt Beispiele von Chinese Poker-Händen. Schauen wir uns die erste Hand etwas genauer an:

8♦ | 8♠ | 8♥
K♠ | Q♥ | J♠ | T♠ | 9♣
7♣ | 7♠ | 7♥ | T♥ | T♦

Ganz oben (links im Bild zu sehen) sehen Sie die Drei-Karten-Hand. Die bestmögliche Hand, die Sie bilden können, ist ein Drilling - gefolgt von einem Paar, Ass hoch, König hoch etc. Mit drei Karten können Sie keine Straight und keinen Flush zusammenstellen.

Die beiden Fünf-Karten-Hände befinden sich darunter. An der Reihenfolge der Poker-Hände hat sich im Vergleich zu Pot-Limit Omaha oder Texas Hold'em nichts geändert. Wenn Sie wissen, wie man Poker spielt, kennen Sie auch die Rangfolge der Blätter.

Wichtig: Wenn Sie beim Chinese Poker Hände bilden, muss die schwächste Hand oben stehen, in der Mitte muss sich die zweitstärkste Hand wiederfinden. Die stärkste Hand muss unten liegen.

Im obigen Beispiel ist die „Top-Hand" ein Drilling, die „Middle-Hand" ist eine Straße mit König hoch, und die „Bottom-Hand" ist ein Full House. Alle drei ziemlich starke Hände beim Chinese Poker.

Wenn es Ihnen nicht gelingt, sicherzustellen, dass die schwächste Hand oben und die stärkste Hand unten liegt (und die mittlere Hand dazwischen steht), begehen Sie ein „Foul". Ihr Gegner bekommt einen „Scoop" zugesprochen. Hätten Sie als Top-Hand zum Beispiel einen Drilling, aber nur ein Paar in der Mitte, wäre Ihre Hand ungültig („Foul").

Was ein „Scoop" ist, erklären wir weiter unten. Für den Moment reicht es, zu wissen, dass es der schlechtestmögliche Spielausgang für Sie ist.

So wird Open-Face Chinese Poker gespielt

Beim herkömmlichen „Closed" Chinese Poker erhalten die Spieler alle 13 Karten auf einmal. Das macht es relativ einfach, einem Foul aus dem Weg zu gehen. Tatsächlich kann es bei diesem Spiel nur zu einem Foul kommen, wenn ein Spieler oder eine Spielerin beim Auslegen der Karten nicht richtig aufgepasst hat.

Beim Open-Face Chinese Poker sieht das allerdings anders aus. Sie bekommen nicht alle 13 Karten auf einmal zu sehen. Stattdessen fangen Sie mit fünf Karten an und bekommen immer nur eine weitere Karte ausgeteilt, bis Sie alle 13 ausgelegt haben. Wenn Sie nicht vorausplanen oder nicht vorsichtig sind, kann es Ihnen schnell passieren, dass die mittlere Hand stärker ist als die untere - oder dass die Top-Reihe die mittlere schlägt - und so weiter.

Da Sie Ihre 13-Karten-Hand nicht kennen, müssen Sie gewisse Risiken eingehen und versuchen, möglichst starke „Bottom-Hände" zu basteln. Allerdings kommt es gern vor, dass Ihnen die Karten einen Strich durch die Rechnung machen, während Sie versuchen, einen Flush für die untere Hand zu legen (als Beispiel).

Was die Reihenfolge betrifft: Der Spieler, der als Dealer auserkoren wurde, teilt allen fünf Karten aus. Der Spieler links vom Dealer ist als erstes an der Reihe und legt seine fünf Karten offen aus. Top, Middle oder Bottom - das bleibt ihm oder ihr überlassen.

Der Spieler kann die Karten dabei beliebig anordnen - alle fünf ganz unten, zwei unten und drei in der Mitte, eine oben, eine in der Mitte und drei unten etc. Im Uhrzeigersinn tun es ihm die anderen Spieler gleich, bis alle durch sind.

Für gewöhnlich ist das Board wie folgt angeordnet, um die Hände voneinander abzugrenzen:

X | X | X
X | X | X | X | X
X | X | X | X | X

Als nächstes bekommen alle Spieler eine Karte verdeckt ausgeteilt. Der Reihe nach legen sie die Karten irgendwo auf dem Board ab, wo Platz ist. HINWEIS: Nachdem eine Karte liegt, kann sie nicht mehr bewegt werden. Egal, wo sie liegt - da bleibt sie auch.

Irgendwann haben alle eine 13. und letzte Karte ausgeteilt bekommen. Die drei Hände sind fertig.

Die Spieler versuchen in erster Linie, die Hände der Gegner zu übertrumpfen - doch gleichzeitig müssen sie darauf achten, kein Foul zu begehen. Das kann zu kniffligen Situationen führen!

Nach dem Ende einer Spielrunde ist es an der Zeit, die Punkte zu verteilen.

Die Punkteverteilung beim Chinese Poker

Bei der Punkteverteilung vergleichen wir zuerst die Top-Hände der Spieler miteinander. So finden wir heraus, wer die stärkste Hand hat. Auf die gleiche Weise geht man bei den Middle- und Bottom-Händen vor.

Schauen Sie sich noch einmal das Bild weiter oben mit den drei Chinese Poker-Hände an. In dieser Runde ist der Drilling die beste „Top-Hand", der Ass-hoch-Flush (in der zweiten Hand) gewinnt die „Middle-Hand", und der Vierling (in der dritten Hand) stellt die beste „Bottom-Hand" dar.

Die beste Hand zu haben, bringt Ihnen 1 Punkt ein. Das bedeutet, dass es in jeder Open-Face Chinese Poker-Hand 3 Punkte zu holen gibt (mindestens - gleich mehr dazu). Im obigen Beispiel haben alle Spieler einen Punkt für den Gewinn einer Reihe gewonnen.

Falls ein Spieler alle Reihen - Top, Middle und Bottom - gewinnt, erhält er 6 Punkte (und nicht nur 3). Je 1 Punkt für den Sieg aller drei Hände plus 3 Bonuspunkte. Alle drei Hände zu gewinnen, wird als „Scoop" bezeichnet. Wenn Sie Heads-Up spielen und ein Foul begehen, hat Ihr Gegner Sie ebenfalls „gescoopt" - 6 Punkte sind ihm sicher.

Doch damit hat die Punkteverteilung noch kein Ende. Da wären noch die sogenannten Royalties.

Royalties sind Bonuspunkte, die Ihnen für das Bilden bestimmter Hände zustehen. Zum Beispiel erhalten Sie für ein Full House als untere Hand 6 Punkte in Form von Royalties ausgezahlt. Drei Achten als Top-Hand (wie beim Spieler in der ersten Hand) bescheren Ihnen sogar 16 Punkte.

Die Spieler stellen gern eigene Regeln auf, wie Royalties verteilt werden, aber grundsätzlich sieht die Punkteverteilung beim Open-Face Chinese Poker wie folgt aus:

    Royalties für die Bottom-Hand:

Straight: +2
Flush: + 4
Full House: +6
Vierling: +10
Straight Flush: +15
Royal Flush: +25

    Royalties für die Middle-Hand:

Drilling: +2
Straight: +4
Flush: + 8
Full House: +12
Vierling: +20
Straight Flush: +30
Royal Flush: +50

    Royalties für die Top-Hand:

66 +1
77 +2
88 +3
99 +4
TT +5
JJ +6
QQ +7
KK +8
AA +9
222 +10
333 +11
444 +12
555 +13
666 +14
777 +15
888 +16
999 +17
TTT +18
JJJ +19
QQQ +20
KKK +21
AAA +22

Royalties haben gehörigen Einfluss auf die Strategie und machen das Spiel interessanter.

Für gewöhnlich weisen die Spieler den Punkten beim Open-Face Chinese Poker einen Geldbetrag zu. Zum Beispiel könnten sich zwei Spieler darauf einigen, dass jeder Punkt $1 wert ist. Spieler A sammelt in einer Runde 9 Punkte für den Gewinn der Top- und Bottom-Hände und sichert sich ein paar Royalties. Spieler B bekommt für den Sieg der Middle-Hand lediglich 1 Punkt. Spieler A liegt jetzt mit 8 Punkten oder $8 vorne.

Fantasyland beim Open-Face Chinese Poker

Es gibt zahlreiche Variationen und Sonderregeln, die man sich im Laufe der Zeit ausgedacht hat. Wir wollen uns an dieser Stelle nur auf eine Besonderheit konzentrieren: Das Fantasyland.

Das Fantasyland ist ein Bonus, den ein Spieler erhält, wenn er ein Paar Damen oder besser als Top-Hand auslegt, ohne ein Foul zu erleiden. Zum Beispiel würde sich die erste Hand weiter oben - die mit den drei Achten als Top-Hand - für das Fantasyland qualifizieren.

Die Belohnung für das Erreichen des Fantasylands: Sie bekommen zu Beginn der nächsten Hand alle 13 Karten auf einmal ausgeteilt - genauso wie beim traditionellen „Closed" Chinese Poker. Der Spieler kann die Karten nach Belieben anordnen und verdeckt auslegen. Die anderen Spieler gehen weiter Schritt für Schritt vor - wie es die Regeln vorsehen.

Der Spieler im Fantasyland ist den anderen am Tisch gegenüber eindeutig im Vorteil!

Strategie-Tipps zu Chinese Poker

Das war jetzt ziemlich viel Text. Jedoch ist das Spiel gar nicht so kompliziert, wenn Sie das Prinzip erst einmal verstanden haben. Die folgende Liste gibt Ihnen abschließend ein wenig Poker-Strategie auf den Weg, um zu lernen, wie Sie beim Chinese Poker gewinnen. Indem wir Ihnen verraten, was Sie nicht tun sollten:

Begehen Sie kein Foul. Gerade Anfänger sollten vorsichtig sein. Eine hohe Karte ist in der Middle- oder Bottom-Reihe meist besser untergebracht. Tun Sie alles in Ihrer Macht stehende, um ein Foul zu vermeiden.
Konzentrieren Sie sich nicht bloß auf eine Reihe. Straßen oder Flushes als Bottom-Hand zu komplettieren, ist sicher spannend, aber verlieren Sie die Top- und Middle-Hand dabei nicht aus den Augen.
Vernachlässigen Sie nicht die Top-Reihe. Die Drei-Karten-Hand wirkt auf den ersten Blick wie ein Anhängsel - aber auch sie ist wie die anderen beiden Hände 1 Punkt wert. Und vergessen Sie auch nicht die Royalties, die von dieser Reihe abhängen (oder die Tatsache, dass die Top-Reihe Sie ins Fantasyland befördern kann).
Ignorieren Sie nicht die Karten der Gegner. Wie in Stud-Poker-Spielen sollten Sie darauf achten, welche Karten sich nicht mehr im Deck befinden, während Sie an Ihren Händen feilen. Zum Glück haben Sie die Karten der Gegner jederzeit im Blick (wenn Sie denn hinschauen). Das ist anders als beim Stud - dort können die Gegner während der Hand folden.
Scheuen Sie nicht das Fantasyland. Der Vorteil, das Fantasyland zu erreichen, ist nicht von der Hand zu weisen und so gewaltig, dass Sie es immer wieder versuchen sollten - selbst wenn Sie Gefahr laufen, hin und wieder „gescoopt" zu werden.



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