Sechs der meistverbreiteten Poker-Aberglauben

Untitled-design-36.png

Victoria Coren Mitchell, die erste zweimalige Siegerin auf der European Poker Tour, hat einmal geschrieben: „Es ist seltsam, dass Pokerspieler so abergläubisch sind. Ihr halbes Leben bringen sie damit zu, geduldig zu erklären, warum Poker kein Glücksspiel wie Roulette oder Lotto sein soll; dass es ein Spiel ist, in dem es auf Geschick, Urteilsvermögen, Scharfsinn und Weisheit ankommt. Und doch nehmen sie zu jedem Turnier eine Hasenpfote mit, die ihnen Glück bringen soll."

Auch wenn die heutigen Crusher behaupten werden, in keiner Weise abergläubisch zu sein, müssen wir uns kaum in den Kaninchenbau hineinwagen, um über sonderbares Verhalten zu stolpern.

Der folgende Artikel macht auf sechs Poker-Aberglauben aufmerksam, die an den Tischen immer noch weit verbreitet sind.

Die erste Hand gewinnen

Wenn Sie in der ersten Hand an einem Cashgame-Tisch oder in einem Turnier ein Paar Asse ausgeteilt bekommen, ist mit einer von zwei Reaktionen zu rechnen. Die meisten von uns erleben ein Gefühl der Euphorie, „ein Start wie gemacht für mich", etwas in der Art. Aber es gibt ein paar wenige, die große Angst verspüren. Vielleicht folden sie die Hand noch vor dem Flop.

„Es bringt Unglück, die erste Hand zu gewinnen", ist ein Aberglaube, der in den meisten Kartenräumen auf der ganzen Welt vertreten ist. Aber auch wenn manche felsenfest daran glauben, können wir Ihnen nicht empfehlen Pocket-Asse zu folden - selbst wenn es sich um Ihre erste Hand handelt.

Den Platz wechseln (am Cashgame-Tisch)

Wenn das Glück auch nach stundenlangem Ausharren auf sich warten lässt, könnte Ihnen ein Tapetenwechsel gut tun. Viele Spieler beschließen, dass das Unglück mit Ihrem Sitzplatz zusammenhängt. Steht ein Gegner nach einem glücklich gewonnen Pot auf, um den Tisch zu verlassen, nehmen sie den freien Platz in Anspruch. Jetzt haben sie die Suckouts auf ihrer Seite - glauben sie jedenfalls.

Wenn es danach nicht besser läuft, war es wahrscheinlich einfach nicht Ihr Tag.

Die gleichen Klamotten tragen

Wir haben das im Laufe der Jahre schon mehrmals erlebt. John Hesp hat beim World Series of Poker Main Event 2017 zum Beispiel einen auffälligen (und eher albernen) Anzug zur Schau getragen.* Am Ende reichte es für den vierten Platz. Sebastian Sorensson bekam den Spitznamen „Schal-Typ" verpasst, weil er sich während der PokerStars Championship Barcelona 2017 einen Schal der Miami Dolphins um den Hals gelegt hatte (am Ende gewann er das Event für €987K).

john_hesp_sullen_2.jpg

John Hesp während der WSOP 2017

Tun Sie uns aber einen Gefallen, ja? Bitte waschen Sie Ihr Glücks-Shirt, bevor es zu müffeln beginnt.

* John Hesp ist uns auch wegen eines anderen Aberglaubens in Erinnerung geblieben. Nachdem er via Uber zum Rio gefahren war, um in seinen ersten WSOP Main Event-Spieltag zu starten, erklärte Hesp überzeugt, dass der Fahrer sein Glücksbringer wäre. Er bestand darauf, dass ihn der gleiche Typ jeden Tag zum Rio fährt. Kompliziert wurde es, als herauskam, dass Hesp den besagten Uber-Fahrer zu seinem Agent/Manager ernennen wollte, nachdem er den Final Table erreicht hatte.

Card Protector

Von den Haien, die Humberto Brenes einsetzt, bis zu dem Fossil, auf das Greg Raymer vertraut: Pokerspieler verwenden seit jeher Card Protectors („Karten-Beschützer"). Zum einen, damit die Karten verdeckt bleiben, andererseits aber auch, um sie gegen das Unglück abzuschirmen.

Humberto1.jpg

Humberto Brenes und seine Haie

Glücksbringer

Jeder erinnert sich an Johnny Chans Orange, als er den World Series of Poker Main Event für sich entscheiden konnte. Tatsächlich hatte der Glücksbringer aber nichts mit einem Aberglauben seitens Chan zu tun. Er benutzte sie lediglich, um den Zigarettengeruch im Casino zu überdecken.

Trotzdem nehmen viele Pokerspieler Glücksbringer mit an den Tisch, seien es Schmuckstücke oder Miniatur-Kuscheltiere, die ihnen Glück bringen sollen.

Baby-Glückssträhne

Das mag eine Entdeckung der jüngeren Vergangenheit sein, aber „Baby-Glückssträhnen" scheinen sich in der Pokerwelt breitzumachen. Zuerst hat Mike Leah - ein paar Wochen nachdem sein Kind auf die Welt kam - im Deal Jackpot $79K abgeräumt, dann gewann Stephen Chidwick in diesem Sommer sein erstes WSOP-Bracelet, ebenfalls kurz nach der Geburt seines ersten Kindes.

Chidwick hat 2019 mehr als $13 Millionen einheimsen können (darunter noch im Dezember ein €725K-Erfolg in Prag). Auch wenn wir davon ausgehen, dass er das Geld sowieso gewonnen hätte, ist es doch schön, anzunehmen, dass das Vaterwerden etwas damit zu tun hatte.

NEIL7859_EPTPrague2019_Stephen_Chidwick_NEIL-STODDART-e1576085895417.jpg

Chidwick nach seinem Sieg im €50K SHR während der EPT Prag (Dezember 2019)



Archiv