Die besten und schlechtesten Poker-Bluffs aller Zeiten

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Tom Dwan (links) und Phil Ivey (rechts) gehören womöglich zu den besten Bluffern überhaupt

Der Bluff ist eines der aufregendsten Spielelemente beim Pokern. Bei vielen der berüchtigtsten und am meisten diskutierten Poker-Hände aller Zeiten gab es einen Bluff zu sehen. Ein zeitlich perfekt ausgeführter Bluff zeigt eindrucksvoll, wie komplex das Spiel ist und wie talentiert manche Spieler sind.

Im folgenden Artikel schauen wir uns ein paar der besten, schlechtesten und fragwürdigsten Bluffs aller Zeiten an. Bevor wir aber dazu kommen, klären wir zuallererst, welches Ziel wir mit einem Poker-Bluff verfolgen und was einen guten Bluff von einem misslungenen unterscheidet.

Was ist ein Bluff?

Grundsätzlich gibt es zwei Bets, die ein Spieler beim Pokern platzieren kann:

Value Bet - Wenn Sie zu einer Value Bet ansetzen, glauben Sie, die beste Hand zu haben. Ihr Ziel ist es, so zu setzen, dass Ihr Gegner mit einer schlechteren Hand callen kann. Außerdem wollen Sie einen Pot aufbauen, um noch mehr Chips in die Mitte zu bekommen.

Bluffs - Wenn Sie sich für einen Bluff entscheiden, gehen Sie davon aus, dass die bessere Hand beim Gegner liegt. Mit Ihrem Einsatz wollen Sie den Gegner zur Aufgabe bewegen - entweder jetzt sofort oder auf einer späteren Street.

Bluffs sind ein wesentlicher Bestandteil aller Poker Strategien. Mit Bluffs können Sie zusätzliche Chips anhäufen. Außerdem bleiben Sie so unberechenbar.

Was macht einen guten oder schlechten Bluff aus?

Ohne allzu stark auf die Psychologie hinter Lügen und Bluffs einzugehen: Ein gescheiter Bluff sollte immer eine Hand repräsentieren. Die Wahl Ihrer Einsätze und Ihre Körpersprache (wenn Sie live spielen) sollten dem Gegner den (falschen) Eindruck vermitteln, dass Sie eine starke Hand haben - eine Hand, die durch die Board-Textur möglich ist. Auf diese Weise können Sie denkende Mitspieler zum Folden zwingen.

Wenn sich die Gegner nur für ihre eigene Hand interessieren oder nicht in der Lage sind, ein Paar zu folden, egal, wie viel Sie setzen, erfüllen wohlüberlegte Bluffs keinen Zweck. Calling Stations und Anfänger sind nicht Ihr Ziel. Poker-Bluffs funktionieren am besten gegen tight spielende Gegner, die Hände bereitwillig aufgeben, sobald sie auf Widerstand stoßen.

Als Faustregel lässt sich festhalten, dass ein guter Bluff:

- eine Hand repräsentiert,
- die Tendenzen des Gegners berücksichtigt (ob er oder sie sich von einer Hand trennen kann).
 
Die besten Poker-Bluffs aller Zeiten

Nachdem wir jetzt wissen, was einen schlechten und guten Bluff ausmacht, wollen wir uns jetzt ein paar der besten Bluffs in der Geschichte des Poker-Spiels anschauen.

Tom Dwan - High Stakes Poker, 5. Staffel

Damals wurde Tom „Durrrr" Dwan als einer der gefürchtetsten Spieler angesehen. Immer wieder gingen ihm kreative Bluffs leicht von der Hand - sowohl live als auch beim Online-Pokern. Dwan war bekannt dafür, über mehrere Streets hinweg hunderttausende Dollar in einen Bluff zu investieren. Dawn ist insbesondere für einen Bluff in einem 3-way-Pot gegen Barry Greenstein und Peter Eastgate bekannt. Die Hand kam in der 5. Staffel von High Stakes Poker zustande.

Greenstein eröffnet Under the Gun. Greenstein gilt als sehr tighter Spieler und hat fast immer ein Monster, wenn er in früher Position erhöht. In diesem Fall A♥A♣. Wenig überraschend folgen darauf mehrere Calls - schließlich ist es ein Deepstack-Cashgame. Tom Dwan bleibt mit Q♣T♣ dabei. Eastgate macht im Small Blind den Call mit 4♠2♦.

Der Flop hält 2♣T♦2♠ bereit - Trips für Eastgate. Er checkt. Greenstein setzt mit seinen Assen $10.000. Dwan setzt zu einem Raise auf $37.300 an - schon am Flop verwandelt er Top Pair in einen Bluff. Eastgate macht mit Trips den Call, und auch Greenstein vertraut weiter auf sein Overpair.

Der Turn bringt die 7♦. Check, Check - und Dwan feuert die nächste Barrel ab, diesmal sollen die Gegner doch bitte $104.200 entrichten. Eastgate gibt die beste Hand auf, und Greenstein tut es ihm - nach einigem Hin und Her - gleich und foldet die Asse.

Was die Hand zu einem der besten Bluffs in der Poker-Geschichte macht, ist die Tatsache, dass Dwan genau weiß, was er hier versucht. Er wirft nicht einfach mit Chips um sich. Nach Eastgates Call geht er davon aus, dass dieser eine 2 hat. Er weiß, dass Greenstein fast immer ein Overpair hat, vermutlich Asse oder Könige. Zudem ist Dwan zuversichtlich, dass er beide Gegner zum Folden bewegen kann. Die Hand ist genial durchdacht.

Phil Ivey - Bluffs vs. Bluff

Phil Ivey ist ebenfalls bekannt dafür, fintenreich zu spielen und beinahe übermenschliche Reads auf seine Gegner zu gewinnen. Ivey hat so einige bemerkenswerte Bluffs hingelegt, aber die beste Hand war wohl der „Bluffs vs. Bluff" bei den Monte Carlo Millions 2005. Das Event sah eine Siegprämie von $1 Million vor. Ivey spielte Heads-Up gegen Jackson und hatte den 4:1-Chiplead.

Jackson entscheidet sich mit 6♠5♦0 für den Limp. Ivey checkt im Big Blind mit Q♥8♥. Bis hierhin ein langsamer Start. Der Flop wird aufgedeckt: 7♣J♣J♥.

Ivey hält den Flop für gut genug, um zu einem Steal anzusetzen - den Pot also mit einer Bet an sich zu reißen. Jackson schöpft Verdacht und spielt ein Re-Raise. Zu diesem Zeitpunkt muss Ivey einen Read auf Jackson haben und wissen, dass sein Gegner keine starke Hand hat. Das Re-Raise sieht aus wie ein Bluff. Es ist wahrscheinlicher, dass Jackson mit einer monströs starken Hand callen würde, um auf dem Turn mehr Value herauszuholen.

Also erhöht Ivey ein weiteres Mal. Beide Spieler haben nichts auf der Hand - trotzdem rollen die Chips in die Mitte. Jackson will aber nicht aufgeben und geht noch einmal drüber. Ivey fragt nach, wie viele Chips Jackson übrig hat und erkennt, dass Jackson folden könnte. Also geht Ivey All-In. Indem er maximalen Druck ausübt und weil er zum All-In ansetzt, muss Jackson seine Hand folden und Ivey gewinnt einen riesigen Pot.

Isaac Haxton vs. Ryan Daut

Isaac Haxton (Ike) schaffte es beim PokerStars Caribbean Adventure 2007 bis ins Heads-Up gegen Ryan Daut. Zu dieser Zeit war Haxton Vertreter einer neuen Gattung Spieler: Super-aggressiv - und in jeder Situation in der Lage, mit einer sehr breit aufgestellten Range Druck auszuüben.

Ryan limpt mit 7♣5♠ und Isaac checkt im Big Blind mit 3♦2♦. Der Flop zaubert Q♥4♥A♣ aufs Board. Ike checkt und Ryan feuert eine Barrel ab ... Ike callt. Issac hat zwar einen Straightdraw vorzuweisen, aber abgesehen davon sind beide Hände recht schwach. Ike callt vermutlich, um auf späteren Streets zu einem Bluff anzusetzen.

Am Turn wartet der K♦, der keinem Spieler weiterhilft. Beide checken. Der River hilft mit der Q♣ genauso wenig. Erneut haben beide Spieler verpasst. Isaac Haxton kämpft um den Pot - er setzt 700.000 Chips. Ryans Check auf dem Turn weist auf Schwäche hin und es gibt nicht viele Hände, die sich durch den River verbessert haben.

Haxtons Bet hätte die Hand beenden können, aber Ryan erhöht stattdessen auf 2 Millionen, um Haxtons Bluff im Keim zu ersticken. Ike lässt sich aber nicht abschütteln. Nach kurzer Zeit geht er für 7 Millionen All-in, was Daut keine andere Wahl lässt, als Sieben hoch in den Muck zu werfen. Haxton beendete das Event als Runner-up.

Die Hand hat sich ähnlich abgespielt wie Iveys Hand, aber in diesem Fall hat sich die Action über mehrere Streets erstreckt und die letzte Barrel ist ein All-In-Shove auf dem River. Was hier passiert, ist für Laien kaum nachvollziehbar.

Die schlechtesten Poker-Bluffs

Das ist der Teil, auf den wir alle gewartet haben. Die schlechtesten Poker-Bluffs. Hände, bei denen wir mit dem Kopf schütteln. Wie konnte er das bloß tun? Seit wann ist Zehn hoch eine Hand, mit der wir All-In gehen?

Vorab ein kleiner Hinweis: Es ist unglaublich einfach, Hände zu kritisieren, wenn man die Hole Cards vor sich hat. Es ist schwierig, auf einem sehr hohen Niveau zu spielen, ohne dann und wann einen Fehler zu machen. Lachen Sie also gern mit uns, aber seien Sie sich im Klaren darüber, dass jeder Profi im Laufe seiner Karriere den ein oder anderen Bluff gehörig in den Sand gesetzt hat. An einem anderen Tag - oder auch nur zehn Minuten später - hätten die schlechtesten Poker-Bluffs die besten sein können. Und umgekehrt.

Trotzdem: Die nun folgenden Bluffs sind waghalsig.

7-Bet-All-In mit Zehn hoch

Legen wir los mit Sorel Mizzi und Liviu Ignat beim The Big Game VI. Damit Sie auch Bescheid wissen: Die Spieler kennen sich gut. Liviu hat gerade erst einen großen Pot verloren. Er hat K♥K♦ vor sich liegen.

Liviu openraist vor dem Flop. Mizzi entscheidet sich mit T♥7♣ für ein Re-Raise. Liviu setzt zur 4-Bet an.

Natürlich könnte Liviu das Re-Raise nur callen, um nach dem Flop mehr Value herauszuholen, aber er versucht, mit den Königen vor dem Flop All-In zu kommen - was keine schlechte Idee ist, da sein Gegner anscheinend annimmt, dass er wie ein König am Tilten ist. Mizzi sollte vermutlich folden, aber ihm geistern andere Gedanken durch den Kopf. Er holt zur 5-Bet aus (ja, wirklich!). Mizzi erliegt der Vorstellung, dass Liviu tilten muss.

Liviu freut sich: Er erhöht ein weiteres Mal.

Das sollte die Hand jetzt aber endgültig beenden. Mizzi sieht sich mit einer 6-Bet konfrontiert und hat Zehn hoch. Liviu zeigt extreme Stärke an. Selbst wenn er eine schwache Hand hätte (was nicht der Fall ist), scheint er kein Interesse daran zu haben, diese zu folden. Mizzi will ihm aber einfach nicht glauben. Also geht er allen Ernstes All-In - und Liviu macht den Call. Livius Könige behalten die Oberhand.

Im Rückblick ist dieser Bluff übertrieben und völlig fehl am Platze.

Blom wagt 5-Bet-Bluff gegen Amateur

Viktor „Isildur1" Blom war schon immer für seinen loose-aggressiven Spielstil bekannt. Seine Bluffs haben sich oft bezahlt gemacht, aber mit einer ganz bestimmten Hand hat er sich einen der schlechtesten Poker-Bluffs aller Zeiten eingehandelt.

Der 2. Spieltag eines größeren Live-Turniers ist angebrochen. Blom openraist mit K♦2♦ im Hijack. Munns - ein Hobby-Spieler aus Großbritannien - spielt am Button mit A♥7♠ eine 3-Bet. Blom callt und schaut sich einen Flop an. Bereits diese Entscheidung ist fragwürdig, weil er mit einer äußerst marginalen Hand ohne Position dasteht.

Mit dem Flop kann nur sein Gegner etwas anfangen: A♦A♣3♣. Munns hat eine sehr starke Hand, Bloms Gewinnwahrscheinlichkeit ist winzig klein. Blom checkt und Munns spielt den Flop direkt an. Blom reagiert darauf mit einem riesigen Re-Raise. An dieser Stelle kann man der Meinung sein, dass Blom hier durchaus bluffen kann. Auch wenn der Bluff hier sicher danebengeht, kann er das Ass gut genug repräsentieren und sein Gegner wird viele Hände aufgeben müssen.

Munns könnte das Raise mit Trips nur callen, aber das würde die Stärke seiner Hand verraten. Also raist Munns selbst - offensichtlich bemüht darum, alle Chips am Flop unterzubringen. Blom nimmt sich weniger als zehn Sekunden Zeit, um mit König hoch All-In zu gehen.

Tatsächlich ist die Situation für Munns ein bisschen gefährlich. Blom könnte einen Flushdraw, ein besseres Ass oder sogar ein Full House so spielen. Nach kurzer Bedenkzeit macht er den korrekten Call mit seinen Assen, um einen kopflosen Viktor Blom aus dem Turnier zu befördern.

Miss Finnland offenbart schmalen Grat zwischen guten und schlechten Bluffs

Wir haben die folgende Hand an anderer Stelle schon als einen der besten Poker-Bluffs aller Zeiten ausgezeichnet. Dabei wollen wir auch bleiben. Die Hand ist sehr unterhaltsam, und der Mumm, den man für den Bluff haben muss - das ist aller Ehren wert. Eher könnte man die Ansicht vertreten, dass wir es hier eher mit einem fragwürdigen Fold zu tun haben ...

Sara Chafak, ihres Zeichens Miss Finnland, spielt in der TV-Sendung Shark Cage einen Pot gegen Ronnie Bardah. Sie limpt mit A♥2♦. Ronnie sitzt im Big Blind mit 8♣4♠. Mit Bottom Pair spielt er auf dem Q♠5♠4♣ Flop 15.000 an. Sara entscheidet sich für ein Min-Re-Raise, was Ronnie völlig aus dem Konzept bringt - allerdings ist das nicht nur ihrem Einsatz geschuldet, sondern wohl auch ihrem Lächeln.

Der 4♦ Turn beschert Ronnie Trips. Er checkt. Sara setzt den halben Betrag im Pot, Ronnie re-raist - und Sara erhöht nochmal. Ronnie macht den Call. Am River komplettiert die 6♥ das Board. Ronnie checkt und Miss Finnland geht für etwas mehr als Pot All-In.

Bardah ist wegen des 30-sekündigen Zeitlimits gehörig unter Druck. Zweimal lässt er die Zeitbank auslaufen. Er kratzt sich am Kopf. Er kann sich keinen Reim auf Miss Finnlands Spielzug machen. Vielleicht will er auch nicht direkt für ihr Ausscheiden verantwortlich sein. Letzten Endes macht er den Fold mit Trips. Sara Chafak enthüllt die Bluff-Karte und Ass hoch.

Guter oder schlechter Bluff? Sie entscheiden. Schauen Sie sich den Bluff hier in voller Länge an:


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