Rockets, Cowboys & Ducks: Spitznamen für Pokerhände beleben das Spiel

pocketaces.jpg

Eine Besonderheit des Pokerspiels ist der bunte Wortschatz, den es hervorgebracht hat. Vor allem bei den Spitznamen für Pokerhände macht sich das bemerkbar.

Manche Poker-Begriffe haben sich auch außerhalb des Poker-Kosmos durchgesetzt. Das „Ass im Ärmel" wird auch (und vor allem) abseits der Tische gesucht. Im Englischen haben sich weit mehr Redewendungen durchgesetzt. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass das Poker-Vokabular hauptsächlich ein englisches ist.

Viel bunter als die Redewendungen sind jedoch die vielen Spitznamen, die sich zahllose Pokerhände im Laufe der Zeit verdient haben.

Jede Pokerhand ist anders. Selbst diejenigen, die seit Jahrzehnten spielen, stolpern dann und wann über eine noch nie dagewesene Situation. Auch das spricht für das Pokerspiel: Die Vielfalt, die es bietet.

Allerdings kommt es an den Tischen auch zu Wiederholungen, die wohl als Inspirationsquelle für die meisten Spitznamen gedient haben.

Denken Sie mal nach. Es widerspricht einfach der menschlichen Natur, die beste Texas Hold'em-Starthand als „ein Paar Asse" zu bezeichnen. Aus diesem Grund gibt es unzählige andere Namen für A-A. Mit Sicherheit kennen Sie ein paar davon: Pocket Rockets, Bullets, American Airlines, Snake Eyes und so weiter. Zum Beispiel auch Alan Alda (nach dem M*A*S*H-Darsteller), Eyes of Texas (nach dem Song) oder Batteries (wegen der AA-Zelle) - alle drei sind aber recht speziell und verlangen nach einer Erklärung.

Was die Starthände beim Hold'em anbelangt, ist Ass-König ein weiterer Garant für Spitznamen - wohl, weil die Hand nach Assen a) weit oben in der Hand-Rangfolge steht und b) deswegen viel gespielt wird und c) daher auch in vielen Hand-Analysen vertreten ist. Von allen Namen wird Big Slick am häufigsten für A-K verwendet - weil die Hand aus zwei Overcards besteht und schwierig zu spielen ist („slick" lässt sich mit „glatt" übersetzen, und Ass-König hat schon so manchen Spieler aufs Glatteis geführt).

Wenn Sie Poker bereits seit ein paar Jahren spielen, kennen Sie sicher auch die Bezeichnung Anna Kournikova - in Anlehnung an die russische Tennisspielerin, deren kurze Karriere ihren Höhepunkt um die Jahrtausendwende erlebte. Sie war eine passable Spielerin, die sich in der Weltrangliste den 8. Platz erkämpfen konnte - allerdings war sie nach Meinung vieler Beobachter mehr für ihr gutes Aussehen als für ihre Resultate bekannt. Der Zufall, dass ihre Initialen zur Hand passen, und die Vorstellung, dass Ass-König eine Hand ist, die gut aussieht, aber oft verliert, haben schließlich zu diesem Alias geführt.

Ein weiterer Spitzname für A-K - Walking Back to Houston - bedarf ebenfalls einer Erklärung. Poker Hall of Famer T.J. Cloutier, der selbst aus Texas stammt, sagt, dass Pokerspieler wohl des Öfteren aus Houston nach Dallas gekommen sind, Ass-König zu aggressiv gespielt und verloren haben - also mussten sie wieder nach Hause fahren. In den 1960er Jahren brachte Dean Martin einen Song namens „Houston" auf den Markt. Im Text ist von einem traurigen Gang nach Hause (es regnet sogar) die Rede. Ein weiterer Punkt, der die Hintergrundgeschichte abrundet.

Natürlich gibt es noch einen anderen Grund, warum wir uns witzige Namen für Hände ausdenken. So wie Spieler gelegentlich ihre Spielweise anpassen, in der Hoffnung, dass die Gegner Fehler machen, verpassen wir den Händen manchmal Spitznamen, um unsere Geschichten besser zu verkaufen.

Wenn Sie eine Hand mit 10-2 gewonnen haben, zeugt es von Sachverstand, sie als „Brunson" zu bezeichnen - weil Doyle Brunson den WSOP Main Event zwei Jahre in Folge mit dieser Hand gewonnen hat. Spannender lesen sich auch Hand-Historys, in denen von Cowboys statt K-K, Snowmen statt 8-8, Ducks statt 2-2 oder der Computer-Hand statt Q-7 (Computer-Simulationen haben gezeigt, dass Q-7 genau in der Mitte liegt; 50 % der Hände sind stärker, die andere Hälfte schwächer) die Rede ist.

Wenn Sie sich online eine Liste der Spitznamen für Pokerhände anschauen, werden Sie feststellen, dass die meisten dieser Poker-Begriffe veraltet sind. Vielleicht waren sie irgendwann gebräuchlich, aber heute kennen wir sie nur noch, weil diese Listen existieren.

Zum Beispiel wird es heutzutage kaum Pokerspieler geben, die 10-4 als „Broderick Crawford" bezeichnen würden. Der Name geht auf die Fernsehserie Highway Patrol zurück, in der Crawford den Polizeichef Dan Matthews gespielt hat. Wer noch immer nichts damit anfangen kann: „10-4" wurde als polizeiliche Abkürzung im CB-Funk verwendet. Sie steht für „okay" oder „bestätigt" - und Crawford macht in der Serie viel Gebrauch davon. Die Sendung ist 1959 eingestellt worden und der Poker-Spitzname hat wohl kaum länger als ein oder zwei Jahrzehnte überlebt - obwohl er hin und wieder als Trivia auftaucht, wie hier gerade geschehen.

Auf ähnliche Weise verdanken 7-7 ihre Bezeichnung als „Sunset Strip" einer anderen Sendung namens 77 Sunset Strip, die in den späten 50er und frühen 60er Jahren populär war. Auch dieser Spitzname ist genauso verloren gegangen wie das TV-Vorbild. Ähnlich verblasst ist Dolly Parton statt 9-5 (nach ihrem Song und Film Nine to Five), Jackson 5 statt J-5, Sammy Hagars „I Can't Drive 55" statt 5-5, .45 Colt statt 4-5 und so weiter.

Natürlich reicht der bekannteste Poker-Spitzname in eine Zeit vor Hold'em zurück, genauer gesagt ins 19. Jahrhundert. Die Rede ist natürlich von der „Dead Man's Hand" - Asse und Achter. Diese Hand soll vor James Butler „Wild Bill" Hickok auf dem Tisch gelegen haben, als er während eines Pokerspiels getötet wurde. Der Spitzname ist so bekannt, dass die Phrase es sogar ins Merrian-Webster-Wörterbuch geschafft hat.

In jedem Fall ist die lange Spitznamen-Liste eine Art verschlüsselte Geschichte, die historische Bezüge aufweist. So wie wir uns laufend neue Poker-Varianten ausdenken, werden wohl auch neue Alternativbezeichnungen von sich reden machen, die wir rege gebrauchen, um unsere Geschichten aufzupeppen.

Archiv