Poker und die Kunst der Verführung

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Poker ist ohne Zweifel ein „Social Game". Im Gegensatz zu den meisten anderen Casino-Spielen, müssen Pokerspieler während einer Hand miteinander interagieren. Und anders als die meisten Kartenspiele, wohnt Poker-Strategie eine psychologische Komponente inne, die auf Persönlichkeitsstrukturen und Charaktereigenschaften beruht.

Das Aufeinandertreffen verschiedener Charaktere kann Konflikte hervorrufen - vor allem, wenn die Persönlichkeiten nicht miteinander kompatibel sind. Das Phänomen schürt aber nicht nur Konflikte, es kann auch den umgekehrten Effekt haben. Eine Freundschaft kann sich ergeben, ein Gemeinschaftsgefühl aufkommen. An den Tischen ergeben sich manchmal sogar Romanzen. Die Funktionsweise des Spiels kann tiefgehenden Beziehungen den Weg bereiten.

Poker spiegelt das Leben auf erstaunliche Weise wider. Poker-Fachausdrücke und Situationen, zu denen es an den Tischen kommt, kleiden sich in Metaphern. So wird Poker manchmal als „Krieg" verstanden. Schließlich treten die Spieler an den Tischen gegeneinander an - sie versuchen dem „Feind" strategisch beizukommen. Poker kann jedoch auch als „Romanze" verstanden werden. Vieles, was sich während einer Hand abspielt, ähnelt im Kern der Kunst der Verführung - wenn man sich auf das Gedankenspiel einlässt.

Die soziale Komponente und die verführerische Natur des Spiels überschneiden sich. Was finden wir, wenn wir Poker und Liebe gegenüberstellen? Wenn wir eine starke Hand halten und wollen, dass der Gegner weitere Chips investiert, müssen wir ihn häufig - auf die eine oder andere Weise - verführen. Mit klug gewählten Einsätzen oder den richtigen Worten. Bis der Gegner die richtige, von uns bevorzugte, Entscheidung fällt.

Tatsächlich müssen wir gar nicht so weit in die Vergangenheit reisen, um unverhohlen sexistische Guides zu finden, die Pokerspielern - in den Artikeln wird mehrheitlich angenommen, dass nur Männer Poker spielen - beizubringen versuchen, wie sie ihre Poker-Skills einsetzen können, um Frauen zu beeindrucken.

Wenn wir uns zum Beispiel durch die Archive bekannter Männermagazine wühlen, stoßen wir auf eine Reihe Artikel, die dem Leser vermitteln wollen, wie man Poker spielt und über Poker spricht. Es finden sich Anleitungen, wie der Fachjargon des Spiels erlernt werden kann. In manchen dieser Artikel werden die Spielregeln erklärt - oder sie enthalten Tipps, wie man Geld gewinnt. Aber es wird auch verraten, wie das Herz einer Frau erobert werden kann. Diese Art Guide ist darum bemüht, das verführende Spielelement „umzufunktionieren".

Umgekehrt stolpern wir auch in Frauenzeitschriften über Poker-Artikel. Auch hier geht es bisweilen darum, wie das Spiel Romanzen den Weg ebnen kann. Diese Artikel erwecken oft den Eindruck, dass Frauen, die Poker spielen lernen und die wichtigsten Fachausdrücke verinnerlichen (um wie ein versierter Spieler zu klingen), leichter einen Partner finden oder bereits bestehende Beziehungen festigen könnten.

Wie Sie sehen, sind all diese Artikel unter der Prämisse verfasst worden, dass Poker „ein Spiel für Männer" wäre. Den Geschlechtern werden ihre angeblich vorbestimmten Rollen zugewiesen. Die meisten Artikel richten sich an Männer - sie machen den Leser glauben, Poker spielen zu lernen und wie ein Profi zu klingen, würde irgendwie ihre Männlichkeit unterstreichen. Den Artikeln für Frauen liegt ebenfalls ein traditionelles (und nicht selten chauvinistisches) Weltbild zugrunde. Die Regeln zu lernen und sich mit Poker-Strategie zu befassen, ist für Frauen bloß als Möglichkeit gedacht, Interesse am Hobby des Partners zu zeigen und ihn zu unterstützen. Das implizierte Frauenbild ist eindimensional.

Mit Sicherheit können wir nur feststellen, dass Poker und Verführung an mindestens einer Stelle überlappen: Poker hat es geschafft und die meisten von uns verführt!

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