Fedor Kruse im Interview: Vom YouTuber zum Highstakes-MTT-Spieler

Fedor Kruse ist gerade einmal 22 Jahre jung, hat aber schon einiges auf die Beine gestellt. Als Jugendlicher zählte er zu den besten Call of Duty-Spielern, baute sich als YouTuber unter dem Namen iLoveCookiiezz eine gewaltige Community mit weit über 400.000 Abonnenten auf und begrüßte zu dieser Zeit regelmäßig auch über 3.000 Zuschauer zu seinen Livestreams bei Twitch.

Seit etwas über zwei Jahren hat seine Präsenz bei YouTube und Twitch deutlich nachgelassen, untätig war er in dieser Zeit aber nicht. Im Gegenteil. Fedor hat das Pokerspiel als seine neue Leidenschaft entdeckt, es sogar zu seinem Beruf gemacht und wohnt mittlerweile wie viele andere erfolgreiche deutsche Pros in Wien.

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Wir haben Fedor, der bei PokerStars unter dem Namen GlitchSystem mittlerweile zu den Highstakes-MTT-Regulars zählt, zum Interview gebeten. Dabei stellte sich heraus, dass der Norddeutsche über einen ungewöhnlichen Weg zum Pokern kam und im weiteren Verlauf auch eine Begegnung mit Lex Vedhuis eine entscheidende Rolle spielte.


PokerStars Blog: Wann bist du erstmals mit Poker in Berührung gekommen?

Fedor Kruse: Die Story ist etwas kompliziert. Ich hatte zu der Zeit schon weit über 200.000 Abonennten, war voll im YouTube-Film drin und kannte mich deshalb auch ziemlich gut mit Gaming-PCs aus. Irgendwann 2015 hat mich dann ein Abonennt privat bei Facebook angeschrieben und mich gefragt, ob ich ihm einen Gaming-PC zusammenstellen könnte, der sechs Monitore handeln kann.

Ich habe mir gedacht „Hä, wozu braucht man sechs Monitore?", habe ihn das auch so zurückgeschrieben. Er hat mir dann geschrieben, dass er professionell Poker spielt und damit sein Geld verdient. Ganz ehrlich, ich dachte der Typ spinnt, was erzählt der mir für einen Blödsinn.

Es war auch die Zeit, als die ganzen Call of Duty-Spiele - und das waren die einzigen Games, die ich auf YouTube gebracht hatte - so langsam am Aussterben waren. Die neuen Teile waren schlecht, haben einfach keinen Spaß gemacht und das war auch der Grund, warum ich weniger Videos gemacht habe.

Ich habe dann YouTube etwas zurückgeschraubt und hatte immer mehr Kontakt zum genannten Abonennten, der zu der Zeit zufällig online einer der größten Highstakes-Cashgame-Spieler war. Er hat mir über Skype alles über Poker gezeigt, bis hin zu Holdem Manager - und ich habe erstmal gar nichts verstanden.

PSB: Und dann hast du selbst angefangen zu spielen?

FK: Ja, ich war gerade 18 und hatte durch YouTube schon relativ viel verdient. Er hat mir auch wirklich gut geholfen, dennoch habe ich die Strategie dahinter am Anfang nicht wirklich verstanden. Es hat einfach nicht Klick gemacht.

Tatsächlich war ich viele Monate ein echter Fisch in der Pokerszene und habe auch viel Geld verloren.

PSB: Die Lust Poker zu spielen hast du aber so schnell nicht verloren.

FK: Irgendwann habe ich mich einfach gefragt, warum die anderen eigentlich immer gewinnen. Damals habe ich Cashgame gespielt, immer gegen die gleichen Leute im Zoom-Pool. Warum sind die anderen immer da und gewinnen durchgehend? Das war die Frage, die ich mir immer gestellt habe.

Über Datenbankanalysen habe ich mir dann angeguckt, wie die spielen, welche Stats die haben. Dadurch habe ich gemerkt, dass ich viel zu loose spiele für Cashgames, mein Style war eher für Turniere geeignet, wo die Hände kein Rake kosten und Antes vorhanden sind. Das war so der größte Fehler, den ich gemacht habe.

Ich bin trotzdem bei Cashgames geblieben, habe mein Spiel umgestellt und NL50 bis NL200 Zoom gegrindet. Zwar war ich auch danach nur knapp Winningplayer, aber ich habe acht Tische Zoom gespielt, was man mit 30 bis 40 MTTs gleichzeitig vergleichen kann, und durch das ganze Rakeback, das man damals noch bekommen hatte, gutes Geld verdient. Der Plan für das Jahr war der SuperElite-Status bei PokerStars, aber das System wurde dann leider abgeschafft.

PSB: Wie hat sich das Ganze dann für dich weiterentwickelt? Bist du mittlerweile reiner Turnierspieler oder findet man dich auch noch beim Cashgame?

FK: Ich spiele auch noch Cashgames, aber der Main-Fokus liegt bei MTTs. Der Switch zu Turnieren begann Ende zwei 2017, als ich bei der Winter Series ein $109 6-Max Hyper-Turbo PKO gewonnen habe - mehr Varianz geht nicht (lacht).

Da gibt es sogar noch einen extrem coolen Clip zu. Lex Veldhuis war auch am Final Table und ich habe ihn mit Ace-King gegen Ace-King auf Platz sieben gebusted.


Das war letztlich ein $41K-Score und ich hatte auch noch 100 %, das war zu der Zeit einfach insane für mich. Es passte eigentlich auch gar zu meiner Bankroll. Ich hatte damals eine Roll von $12.000. Damit ein $109 Hyper-Turbo PKO zu spielen ist schon sehr krankes Bankrollmanagement.

Danach konnte ich aber auch By-ins bis $215 spielen, und nur vier Tage später, an Silvester - mein bester Kumpel war im Urlaub und ich hatte einfach nichts auf dem Zettel -, habe ich wieder online geklickt und direkt auch das Sunday Warm-Up gewonnen. Allerdings war der Preispool an Silvester deutlich kleiner als sonst und es gab nur knapp $12.000.

PSB: Mittlerweile bist du online sogar im Highroller-Segment angekommen, spielst regelmäßig Turniere gegen die besten Spieler der Welt. Ist das überhaupt noch profitabel?

FK: Es ist wirklich tough, aber ich liebe die Competition, das war ja auch bei Call of Duty so. Ich habe letztens gerade mit einem guten Regular geredet und meinte „Jump doch mal ins Daily Warm-Up", das wirklich eines der härtesten Turniere ist. Er sagte dann „Ich spiele Poker um Geld zu machen" und ich sagte „Ja, und ich spiele Poker für die Competition". Ich will einfach wissen wo ich stehe unter den Top-Regs.

PSB: Das bedeutet dann ja auch, dass du sehr viel Zeit in die Theorie stecken musst, um auf diesem Level mitzuhalten. Wie sieht das bei dir aus?

Es kommt immer drauf an, was gerade ansteht. Wenn zum Beispiel keine Series läuft, dann study ich schon, aber nicht all zu viel. Das sieht bei vielen Spielern anders aus, vor allem bei meinem Roommate. Der lernt sechs Stunden am Tag, was halt wirklich krank ist. Bei mir sind es so eineinhalb Stunden alle zwei Tage.

PSB: Es gibt ja mittlerweile unzählige Möglichkeiten und Quellen Poker zu lernen. Welche Tipps würdest du neuen Spielern geben, die sich intensiver mit Poker beschäftigen möchten?

FK: Die Frage kriege ich häufig in meinen Streams gestellt, und um ehrlich zu sein, kann ich schwer nur eine Antwort darauf geben. Es gibt viele Einstiegsmöglichkeiten, die auch wirklich sehr vorteilhaft für die zukünftige Spielweise sind. Zu den Grundlagen gehören auf jeden Fall Preflop-Ranges, das ist schon ein sehr wichtiges Thema.

PSB: Anderes Thema: Live-Poker. Du hast in den letzten eineinhalb Jahren alle EPTs gespielt. Bist du auch in Prag dabei?

FK: Ja, ich habe mich online für den National Event und den Main Event qualifiziert. EPTs nehme ich immer mit, weil die Satellites online so soft sind, dass es sich immer lohnt diese $530er zu spielen. Und es ist natürlich auch cool, dass es direkt ein Package mit Hotel gibt.

Ich habe diesmal für den National Event (Buy-in €1.100) zwar über €2.000 investiert, aber overall rechnet sich das auf jeden Fall.

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Fedor beim Main Event der EPT Barcelona 2019

PSB: Was macht Live-Poker für dich aus?

Am Anfang war ich komplett gegen Live-Poker, ganz einfach deshalb, weil ich online in einer Stunde 2.000 Hände Zoom-Poker spielen kann. Da gab es immer Action und ich dieses Multitasking-Ding kannte ich auch aus meiner Call of Duty-Zeit.

Das hast du nicht beim Live-Poker. Du spielst selbst bei einem guten Dealer maximal 30 Hände pro Stunde.

Vor ein paar Monaten habe ich mir dann aber überlegt, dass ich diese Zeit extrem gut nutzen kann, um wirklich alles was am Tisch passiert in mein Game einzubauen. Zum Bespiel, wie verhält sich ein Spieler, wenn er eine gute Hand hat?

Ich höre gar keine Musik mehr, um mich voll auf den Tisch und die Hände zu fokussieren. Es ist auch immer sehr interessant Gespräche anzufangen, sich mit Regs zu unterhalten und etwas über deren Leben zu erfahren. Die Möglichkeit hast du online nicht.

Und dann gefällt mir natürlich das Reisen, wobei die EPT leider immer an den gleichen Standorten gespielt wird.

PSB: Vor Prag läuft online noch die High Roller Series. Wirst du die auch spielen?

FK: Ich bin momentan ehrlich gesagt auf einem Downswing, werde daher wohl nur die $530er auf own spielen und für die $1Ks viel verkaufen. Dann kommt es natürlich auch auf die Felder an, die wahrscheinlich nicht so gut aussehen werden, dass es sich das extrem lohnt zu spielen.

Das ist zum Beispiel auch der Unterschied zu Serien wie SCOOP oder WCOOP. Da bereite ich mich schon drauf vor und weiß welche Turniere ich spielen werde. Bei den High Roller-Turnieren guckt man sich erstmal das Feld an, bevor man reinjumpt.

Auf der anderen Seite geht es aber nicht nur ums Geld, weil es auch einfach nice ist ein Turnier zu gewinnen, bei dem jeder davon ausgeht, dass es nur Regs spielen.

PSB: Eine letzte Frage noch: Die Competition speziell beim Online-Poker ist in den letzten Jahren immer tougher geworden. Wie siehst du die Entwicklung und lässt sich damit auch in Zukunft noch Geld verdienen?

FK: Ich denke schon, dass sich die nächsten Jahre noch gutes Geld verdienen lässt. Das Beste wäre natürlich, wenn das Tor von Amerika zu Europa wieder aufgemacht wird. Wenn die amerikanischen Spieler zurück in den Pool kämen, hätten wir die Möglichkeit wieder sehr viel EV zu printen. Das würde nicht nur viel mehr Geld ins System bringen, sondern auch viele neue, unerfahrene Spieler.

Ich habe die Zeiten ja leider nicht miterlebt, aber wie ich aus Erzählungen erfahren habe, muss das schon krank gewesen sein.



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