Die besten Poker-Hände aller Zeiten

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Poker mag zwar ein Sport sein, aber der Umgang mit Statistiken unterscheidet sich deutlich von Mannschafts- und Individualsportarten. Tatsächlich ist es nahezu unmöglich, objektiv zu bestimmen, welche Pokerspieler die besten sind. Oder welche die besten Poker-Hände aller Zeiten sind.

Klar, Hendon Mob hält einen unerschöpflichen Datensatz Statistiken bereit. Wir können Poker-Turniere und die Gewinne individueller Spieler einsehen. Ob die Informationen aber verlässlich auf den Marktwert eines Spielers schließen lassen, ist umstritten.

Eine Liste mit den 10, 15 oder 20 besten Poker-Händen aller Zeiten zu erstellen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen. Jedenfalls dann, wenn der Listenautor auf „objektive" Kriterien besteht. Zu viele Unklarheiten stören das Bild. Die Bewertung einer Hand ist selten wirklich objektiv und in der Geschichte des Spiels gab es Zeiten ohne Berichterstattung - ohne Poker-News und TV-Poker. Angeblich gespielte Poker-Hände waren oft zweifelhaft und wurden ausgeschmückt.

Trotz all dieser Vorbehalte haben wir uns an das Projekt gewagt und 15 erinnerungswürdige Poker-Hände gesammelt. Viele von ihnen gehören sicher zu den besten jemals gespielten Poker-Händen. Mal waren sie wichtig für die Geschichte des Spiels, mal waren die Pots ungeheuer groß - und/oder sie haben uns richtig gut unterhalten.

Die Auflistung erfolgt in chronologischer Reihenfolge. Genießen Sie die ersten Hände mit etwas Vorsicht. Manchmal bleiben Detailfragen offen. Teils müssen wir sogar Zweifel anmelden, ob die Hände überhaupt so zustande gekommen sind!


• 15. Juni 1853: Danielson und Morgan spielen die „nie enden wollende Hand"

Erst vor ein paar Wochen hat PokerStars Blog einen Auszug aus meinem Buch Poker & Pop Culture veröffentlicht. In einem Kapitel des Buches erzähle ich die Geschichte der legendären „nie enden wollenden Hand". Die Hand soll sich zwischen zwei texanischen Grundbesitzern abgespielt und angeblich Jahrzehnte gedauert haben. Auch wenn die Hand sicher im Land der Phantastereien zu verorten ist, wurde die Geschichte oft genug erzählt und weitergetragen. Sie hat sich einen Ehrenplatz in unserer Liste verdient.

• 1860er Jahre (?): „Hier ist die andere Sechs", sagte Hickok

James Butler „Wild Bill" Hickok ist der Protagonist zahlloser Poker-Erzählungen aus dem 19. Jahrhundert. So auch in einer Five-Card Draw-Hand, in der Hickok (angeblich) eine letzte Bet gecallt und zugeschaut haben soll, wie sein Gegner ein Full House mit Buben aufdeckt. Hickok zeigte sein Blatt und stellte fest, ein besseres Full House mit Assen und Sechsen zu haben. Sein Gegner war sichtlich verwirrt, da sein Gegner wohl drei Asse, aber nur eine Sechs vorweisen konnte. „Da ist nur eine Sechs", sagte er wahrheitsgemäß. Daraufhin zückte Hickok eine Pistole. „Hier ist die andere Sechs", sagte er. Sein Gegner hat ihm den Pot verständlicherweise überlassen.

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„Wild Bill Hickok at Cards" von N.C. Wyeth (1916)

• 2. August 1876: Die Dead Man's Hand (Die Hand des toten Mannes)

Hickok ist tatsächlich Mitglied in der Poker Hall of Fame. Da sollte es niemanden überraschen, dass er in einer Liste mit den besten Poker-Händen aller Zeiten zweimal auftaucht. Seine „Dead Man's Hand" - zwei schwarze Asse, zwei schwarze Achten und eine unbekannte fünfte Karte -, die er im Moment seines Todes (er ist erschossen worden) gehalten haben soll, ist die wohl berühmteste Poker-Hand überhaupt. Es sollte auf der Hand liegen, dass es aus Hickoks Sicht nicht seine beste Poker-Hand war.

• 8. September 1928: Rothstein hat eine Zwei gezogen

Wir lassen das 19. Jahrhundert hinter uns und steigen ins 20. ein - angefangen mit einer Referenz zu einem „Stud-Poker-Spiel, das in die Annalen des Broadways eingegangen ist", wie die New York Times behauptet. In die Partie war unter anderem der berüchtigte Gangster Arnold „The Brain" Rothstein verwickelt. Gegner, die wahrscheinlich geschummelt haben, erleichterten ihn um mehr als $300.000. Legenden rund um das Spiel wurden angefeuert, als Rothstein zwei Monate später angeschossen wurde und seinen Verletzungen erlag. Der Mord hing wohl mit seiner Weigerung, seine Schulden zu begleichen, zusammen. Zwar haben wir nie etwas über spezifische Hände erfahren, aber Berichten zufolge hat Rothstein bei einer High Card-Wette $40.000 verloren. In nur einer Hand. „Wir haben beide eine Karte gezogen", gab einer der Spieler vor Gericht zu. „Rothstein hat eine Zwei gezogen."

• 1949 oder 1951 (?): Der Grieche glaubt fest an den Buben

Hier eine weitere „beste Poker-Hand", die sich wahrscheinlich nie ereignet hat. Oder zumindest nicht so, wie die Geschichte erzählt wird. In meinem Buch erwähne ich, dass Augenzeugenberichte zum berühmten Heads-Up-Match zwischen Johnny Moss und Nick „The Greek" Dandalos, das angeblich Mitte des Jahrhunderts im Binion's Horseshoe stattgefunden haben soll, nicht so recht übereinstimmen (eine Einschätzung, die Besitzer Jack Binion teilt). Auf jeden Fall umfasst die Geschichte zu dem Match immer eine Hand Five-Card Stud, in der Dandalos zunächst selbst setzt und später callt, während sein Board wie folgt ausläuft: x-8-6-4-J. Moss hat x-8-9-2-3 mit einer verdeckten Neun für ein Paar Neunen vor sich liegen. Angeblich sollen sich am Ende der Hand mehr als eine halbe Million Dollar im Pot befunden haben. „Ich denke, dass ich callen muss, weil ich glaube, einen Buben als Hole Card zu haben", meinte Dandalos zuversichtlich. „Wenn du einen Buben als Hole Card hast, Grieche, wirst du einen verflucht großen Pot gewinnen", antwortete Moss (angeblich jedenfalls).

• 15. Mai 1977: Doyle Brunson gewinnt das Main Event schon wieder mit 10-2!

Endlich spielen wir ein paar Texas Hold'em-Hände. Der legendäre Doyle Brunson gewann sein erstes WSOP Main Event, nachdem er Jesse Alto Heads-Up mit 10-2 gegen A-J bezwingen konnte. Auf einem A-J-10-Flop kam es zum All-In, aber zwei Zweien auf Turn und River bescherten Brunson ein Full House und den Sieg. Nur ein Jahr später gewann Brunson das Main Event erneut, und wieder war 10-2 - nicht unbedingt die stärkste Poker-Starthand - die Gewinner-Hand für „Tex Dolly". Diesmal stand ihm Gary Berland im Weg. Auf einem 10-8-5-2-Board kam es am Turn zum All-In. Beide Spieler hatten Two Pair, aber Brunson war vorne gegen Berlands 8-5. Und als würde das noch nicht ausreichen, hielt der River eine 10 bereit. Wie im Jahr zuvor gewannt Brunson den Titel mit einem Full House.

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Doyle Brunson während der WSOP 2018 (PokerPhotoArchive)

• 25. Mai 1979: Fowler knackt Hoffs Asse mit Sieben-Sechs offsuit

Hal Fowler gewann 1979 als erster Hobby-Spieler das World Series of Poker Main Event. Auf dem Weg zum Triumph spielte er eine Reihe verrückter Hände. Der Höhepunkt war ausgerechnet die letzte Hand. Mit 7♠6♦ stellte er sich seinem Heads-Up-Gegner Bobby Hoff entgegen - der sich mit A♣A♠ sicher wähnte. Fowler callte zunächst Hoffs Preflop-Raise, dann am 5♥3♣J♠-Flop eine weitere Bet. Als am Turn die 4♠ einschlug, ging Hoff All-In. Fowler musste keine Sekunde überlegen, machte den Call und sein Gegner war drawing dead. Mehr über die Hand und andere Verrücktheiten, die sich in dem Jahr ereignet haben, erfahren Sie hier: „Remembering the 1979 WSOP Main Event"

• 17. Mai 1990: Achterbahnfahrt mit Matloubi und Lund

Mansour Matloubi und Hans Lund spielten Heads-Up im WSOP Main Event eine fantastische Hand gegeneinander. Mit fast gleich großen Stacks - Lund hatte ein paar Chips mehr - kam es am 9♠2♣4♠-Flop zum All-in. Lund sah sich vorne mit A♣9♦, doch Matloubi deckte T♦T♣ für das Overpair auf. Mit dem A♠ auf dem Turn übernahm Lund die Führung, aber er freute sich zu früh: Der River hielt mit der T♠ den Two-Outer bereit und wenig später holte Matloubi den Sieg. „Das ist ohne Zweifel die unglaublichste Hand in der Geschichte der World Series of Poker", gaben die Kommentatoren zu Protokoll - und wahrscheinlich war das auch der Fall (jedenfalls bis dahin).

• Frühling 1990: Ungar callt mit Zehn hoch

Kurze Zeit nach dem WSOP Main Event 1990 forderte Stu Ungar Matloubi zu einem High-Stakes-Heads-Up-Match heraus, das er auch gewann. In einer unvorstellbaren Hand bezahlte Ungar auf 3-3-7-K-Q eine große River-Bet mit 10-9. Und er behielt recht, denn Matloubi hatte mit 5-4 tatsächlich geblufft. Erfahren Sie hier mehr über die Hand: „Evoking Stu Ungar with a 10-high call on 'Billions'"

• 14. Mai 1998: Ngyuen for the win oder „You call, gonna be all over, baby!"

Im Heads-Up-Kampf um den WSOP Main Event-Titel ging Scotty Nguyen auf einem 8♠8♥9♥9♦8♣-Board All-In. Kevin McBride war gecovert und hielt Q♥T♥, was nicht ausreichte, um das Full House mit den Community-Karten zu schlagen. Während McBride überlegte, stand Nguyen plötzlich auf, nahm einen Schluck Bier und sagte: „You call, gonna be all over, baby!" („Wenn du callst, wird alles vorbei sein!") Am Ende machte McBride tatsächlich den Call und Nguyens Vorhersage erfüllte sich, da er J♦9♣ für ein besseres Full House aufdecken konnte.

• 24. Mai 2003: Der Bluff des Jahrhunderts

Wir alle haben uns diese Hand unzählige Male angeschaut - und Sie werden mir zustimmen, dass die Hand aus vielen Gründen eine der besten aller Zeiten ist. Hobby-Spieler Chris Moneymaker riskierte im WSOP Main Event 2003 Heads-Up am River all seine Chips. Mit König hoch gegen Profi-Spieler Sam Farha. Farha traute Moneymaker den Bluff nicht zu und gab sein Paar Neunen auf. Bald darauf gehörten Moneymaker das Bracelet und $2,5 Millionen Prämie. Wie die Fowler-Hoff-Hand weiter oben, kam die Hand nach Mitternacht zustande. Zu diesem Zeitpunkt war kaum jemandem klar, welche Bedeutung der Fold hatte. Erst Anfang Oktober war der Bluff als Teil der ESPN-Berichterstattung zur WSOP zu sehen - mit aufgedeckten Hole Cards. Wir alle konnten sehen, dass der Buchhalter aus Tennessee am Bluffen war. Diese Hand und dieser Moment waren mitverantwortlich für den folgenden „Poker-Boom".

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Der Moneymaker-Bluff ist während der WSOP in diesem Jahr als „Unvergesslichste TV-Hand" ausgezeichnet worden (PokerPhotoArchive)

• 14. August 2006: Hansen vs. Negreanu für mehr als eine halbe Million bei High Stakes Poker

Zum ersten Mal ging es bei High Stakes Poker - der beliebten TV-Sendung, in der professionelle Pokerspieler und ein paar Amateur-Spieler High-Stakes-Cashgames gespielt haben - um mehr als eine halbe Million Dollar im Pot. Wenn Sie die Folge gesehen haben, werden Sie sich garantiert an die Hand erinnern. Gus Hansen raiste mit 5♦5♣, Daniel Negreanu spielte die 3-Bet mit 6♠6♥. Hansen machte den Call und beide Spieler floppten auf 9♣6♦5♥ ein Set. Weitere Bets folgten, ehe Hansen durch die 5♠ am Turn mit Quads vorn lag. Hansen spielte eine Bet, Negreanu callte bereitwillig. Nach der 8♠ am River ging Hansen dann All-in und Negreanu war sich plötzlich nicht mehr so sicher. Letztlich konnte er sich aber nicht von seinem Full House trennen, sodass Hansen den Pot mit $575.700 kassierte. Schauen Sie sich die Hand selbst an (ab der 32. Minute):


• 21. November 2009: Der furchtlose Finne vs. den irren Schweden

Für diese Hand blicken wir in die Welt der Poker-Boni und AGB-Textwände. Diese Hand hat sich im virtuellen Kosmos abgespielt - der größte Online-Poker-Pot aller Zeiten! Inmitten der ganzen „Nosebleed-Action", die sich Ende 2009 abgespielt hat, saßen sich der Finne Patrik Antonius und der (damals noch unbekannte) Schwede Viktor „Isildur1" Blom an einem Heads-Up-Cashgame-Tisch gegenüber. Gespielt wurde Pot-Limit Omaha auf Full Tilt. Antonius gewann einen Pot im Wert von $1.356.946 (anders ausgedrückt: 1.357 Big Blinds). In einer Hand! Wer es genau wissen will: Blom hatte 9♠8♥7♦6♦, Antonius vertraute auf [hh]K♥K♠3♠. Blom bezahlte preflop eine 5-Bet, bevor es für die beiden auf 4♠5♣2♥ zum All-In kam. Die 5♥ am Turn und die 9♣ am River besiegelten das Hand und der prall gefüllte Pot ging an Antonius.

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Patrik Antonius lächelt während der EPT Barcelona 2019 ... das war sicher auch 2009 der Fall

• 14. Juni 2010: The Poker Brat lässt das Board viermal auslaufen - und verliert dreimal

Sicherlich hätten wir ein paar absurde Hände auflisten können, in denen Vierlinge gegen einen Straightflush laufen. Bei Händen, die den Gesetzen der Wahrscheinlichkeiten trotzen, kommen wir aber wohl kaum an der ersten Folge von PokerStars Big Game vorbei, in der Phil Hellmuth am „Loose Cannon"-Spieler Ernest Wiggins verzweifelte. Hellmuth hielt A♥9♦, Wiggins K♠K♣ - und der Flop hielt eine böse Überraschung für den Amateur bereit: 9♥T♠9♠. „Alles klar, ich bin All-In", verkündete Hellmuth und Wiggins machte den Snap-Call. Auf Hellmuths Vorschlag sollten Turn und River viermal ausgeteilt werden. Das Ziel von Poker Brat: Die Varianz auf ein Minimum reduzieren. Wiggins stimmte dankbar zu und die Überschrift hat bereist verraten, was als nächstes passiert ist. Das erste Board gewinnt Hellmuth noch, auf dem zweiten Board trifft Wiggins aber einen König. Auf dem dritten erwischt der „Loose Cannon" dann er einen Flushdraw am Turn, der tatsächlich ankommt, und in Runde vier rettet ihn der letzte König im Deck. Selbst wenn man die Hand kennt, sind Lacher jedes Mal garantiert, was nicht zuletzt auch an daran liegt, dass Daniel Negreanu und Tony G am Tisch sitzen.

• 18. Juli 2010: Duhamel knackt Afflecks Asse

Als nur noch 15 Spieler im WSOP Main Event übrig waren, sollte Matt Affleck in einer denkwürdigen Hand am letztendlichen Sieger Jonathan Duhamel scheitern. Auf dem Turn setzte Affleck mit Pocket-Assen sein Turnierleben aufs Spiel - Duhamel trat ihm mit Pocket-Jacks und einem open-ended Straightdraw entgegen und traf am River die Straight. Erleben Sie den Moment mit der WSOP-Berichterstattung im PokerStars Blog nach: „The long, lonely walk of Matt Affleck."


Wie eingangs erwähnt, kann diese Liste nur als Ausgangspunkt dienen. In der langjährigen Geschichte des Pokerspiels haben sich zweifelsohne dutzende andere Hände zugetragen, die einen Platz in der Liste verdient hätten. Welche Hände, die wir nicht erwähnt haben, würden Sie zu den besten Händen aller Zeiten zählen?



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