Erinnern Sie sich als.... die European Poker Tour auf Skipisten traf?

Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea traten in den vergangenen zwei Wochen 3.000 Athleten aus 90 Ländern in mehr als 100 Disziplinen gegeneinander an. Das alle vier Jahre stattfindende Sportereignis ist für Wintersport-Fans das Highlight des Jahres. Die Veranstalter der European Poker Tour (EPT) haben sich 2010 mit einem neuen Stopp ebenfalls in das Schneetreiben geworfen. In der 6. Saison fand das Event zum ersten Mal im österreichischen Skiort Saalbach-Hinterglemm statt. Das EPT Snowfest war geboren.

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Bis 2010 wurde die EPT immer in größeren europäischen Städten wie Barcelona, London und Berlin ausgetragen. Daher war die Idee, ein EPT-Event in einem abgelegenen, verschneiten Dorf mit gerade einmal 3.000 Einwohnern zu veranstalten, eine völlig neue Herausforderung für die Veranstalter. Die Zweifel wurden schnell begraben, als sich hunderte Poker-Profis, Online-Qualifikanten und sogar Tennis-Ass Boris Becker aufgemacht haben, um an diesem malerischen Ort - umgeben von beeindruckenden Bergen - Poker zu spielen. „Als wir vom EPT Snowfest gehört haben, war die Begeisterung groß", sagte Hilda Ingham, Department Head for Central Event Operations bei PokerStars. „Ich dachte, dass Poker und Skifahren wirklich gut zusammenpassen."

Selbst der nächstgelegene Flughafen in Salzburg liegt eine Stunde entfernt. Daher hat Ingham Busse eingesetzt, um die Spieler und ihre Ski-Ausrüstung vom Flughafen zum Veranstaltungsort zu bringen. Gespielt wurde im Alpine Palace - einem luxuriösen Spa-Hotel, das die Spieler mit einem Holzfeuer samt Würstchenbude begrüßte. Die meisten Spieler hatten sich allerdings in einem der Hotels in Saalbach-Hinterglemm niedergelassen, was die Sache für die Verantwortlichen nicht einfacher machte. „Es ist immer einfacher, wenn man ein Hotel hat und in diesem Hotel gespielt wird - eine der größten Schwierigkeiten waren meiner Meinung nach all diese Hotels", sagte Ingham. Anders als die meisten Teilnehmer wurde die Poker-Ausrüstung komplett auf der Strasse befördert. Zum Glück hatten die schwer beladenen LKW keine Schwierigkeiten, das Ziel rechtzeitig und ohne Zwischenfälle zu erreichen.

Für andere, die beim EPT Snowfest gearbeitet haben, war es schwierig, von der atemberaubenden Szenerie nicht überwältigt zu werden. „Wir hatten den besten Presseraum der Welt", erinnert sich PokerStars Blog-Autor Stephen Bartley. „Die Aussicht war ein Panoramablick auf die Berge. Man konnte den Leuten den ganzen Tag beim Skifahren zuschauen." Da es sich um einen Skiort 1.000 Meter über dem Meeresspiegel handelt, hatten die meisten Team-Mitglieder für den wochenlangen Ausflug Wintersachen eingepackt. Das für die Jahreszeit ungewöhnliche Wetter machte der gewissenhaften Reiseplanung aber einen Strich durch die Rechnung und die Presseleute saßen in einem aufgeheizten Raum fest. „Ich erinnere mich, dass ich einen Tag nach Eis am Stiel für die Presseleute und mich gesucht habe, weil es so heiß war", sagte Ingham.

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Stephen Bartley (Zweiter von links) war bei hunderten Live-Events von PokerStars dabei,
aber er sagt, keins davon war mit dem Snowfest zu vergleichen

Das EPT Snowfest war anders als die Events vorher, das Urlaubs-Feeling machte sich auch bei den Spielern breit und sorgte für eine entspannte Atmosphäre. Nur vor den plötzlichen Schneeballschlachten, zu denen es regelmäßig und ohne Vorwarnung kommen konnte, musste man auf der Hut sein. Die traditionelle Willkommens-Party entpuppte sich als lärmende Tanzveranstaltung, durchbrochen von einem Feuerwerk - gefeiert wurde im Goaßstall. Dabei handelt es sich um eine beliebte Bar im Dorf, in der tatsächlich Ziegen leben. „Die EPT-Partys von PokerStars haben sich im Laufe der Jahre den Ruf erarbeitet, extravagant zu sein, aber die Feier beim Snowfest war unvergesslich", sagte Eric Ramsey, der für PokerNews über das Event berichtet hatte.

Am nächsten Morgen schleppten sich einige äußerst lädiert aussehende Partygäste in die Sklifte - die blutunterlaufenen Augen wurden von den getönten Brillen einigermaßen verdeckt. Tatsächlich hatten die Veranstalter die ungewöhnliche Entscheidung getroffen, die Startzeit des Main Events jeden Tag auf 14:00 Uhr zu verschieben. So hatten die Spieler Gelegenheit, sich am Skifahren oder Snowboarden zu versuchen, und genug Zeit Verstauchungen behandeln zu lassen, bevor es an den Kartentisch ging. Wer aus dem Turnier geflogen war oder sich von den sportlichen Strapazen erholen wollte, zog sich für alkoholische Getränke und österreichische Snacks in die gemütliche Hotel-Bar zurück. „Aufgrund des österreichischen Skihütten-Essens und der Jägerbombs gefiel mir das Snowfest und es ist ein Ort, an den ich mich lebhaft erinnern kann", sagte der Däne Jesper Hougaard, für den das Main Event auf dem 43. Platz vorbei war. „Es war eher ein Urlaubs-Trip und ich hatte meine damalige Freundin mitgenommen, weil der Skiort für Touristen ein cooles Reiseziel war."

An den Tischen ging sein Landsman Allan Bække siegreich aus dem Main Event hervor - der Däne bekam €445.000 ausgezahlt. In der 7. Saison kehrte das Event an den gleichen Veranstaltungsort zurück. Diesmal ließ der 22 Jahre alte Vladimir Geshkenbein 481 Kontrahenten hinter sich, nahm €390.000 und die begehrte EPT-Trophäe mit nach Hause. Er trug einen Cowboy-Hut zur Schau, ein Spielzeug-Affe fungierte als Glücksbringer. Am Final Table schaute der russische Profi vielleicht ein bisschen zu tief ins Glas. „Ich bin ein Russe, also mag ich es, zu trinken", erklärt er locker. „Aber es hat auch meinem Image geholfen - die Leute haben mir nicht so viel geglaubt, weil sie dachten, ich würde dumme Fehler machen."

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Vladimir „Beyne" Geshkenbein (Champion beim EPT Snowfest 2011) wusste,
wie man seinen Sieg stilvoll zelebriert

Vor dem Event hatte Geshkenbein Anteile an Freunde in Malta verkauft. Ohne sein Wissen hatten diese sich in ein Flugzeug gesetzt, nachdem sie gehört hatten, dass er zu den letzten acht Spielern gehören würde. Es sollte nicht lange dauern, bis die ausgelassenen Railbirds ihren Trip mit alkoholischen Getränken genossen und auch Geshkenbein regelmäßig Bier und Wodka zukommen ließen. „Sie waren in Party-Stimmung, weil sie einen netten Anteil an meinem Gewinn hatten", sagte er mit einem Lächeln. „Es war eine ziemliche Überraschung für sie." Nach dem Sieg wies das Hotel dem neuen Champion und seinem jubelnden Anhang eine protzige Suite zu, in der die Gruppe die frühen Morgenstunden verbrachte. Danach ging es weiter nach Wien, um den Sieg gebührend zu feiern.

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Vladimir 'Beyne' Geshkenbein

Natürlich dauert nichts ewig und wohl auch wegen der wachsenden Popularität der EPT-Tour sah sich PokerStars nach zwei Jahren dazu gezwungen, das EPT Snowfest zu begraben. „Es ist immer traurig, wenn ein Event nicht mehr stattfinden kann", sagt Ingham, „aber das Problem mit dem Veranstaltungsort bestand darin, dass er einfach nicht groß genug war und der Turniersaal war sogar recht klein. Zu dieser Zeit war die EPT so stark gewachsen, dass wir die Spieler logistisch nicht unterbringen konnten, ohne ein riesiges Turnier mit mehreren Starttagen zu veranstalten. Es war traurig, aber ich habe hundertprozentig verstanden, warum wir nicht zurückkehren konnten."

Mittlerweile soll Sotschi (die Stadt, in der die Olympischen Winterspiele 2014 ausgetragen worden sind) Poker mit Skifahren und anderen Winter-Sportarten verbinden - die EPT Sochi ist für den 20. - 29. März geplant. Wer beim EPT Snowfest 2010 und 2011 dabei war, erinnert sich jedoch gerne an ein einzigartiges Event zurück, das sich seinen Platz in der EPT-Geschichte redlich verdient hat. Ingham sagt: „Es war ein großartiges Event und der Veranstaltungsort war wunderschön. Für uns war der einzige Nachteil, dass wir nicht Skifahren konnten, weil wir arbeiten mussten." Bei Ramsey hat sich die atemberaubende Szenerie am meisten in sein Gedächtnis gebrannt. „Die Schönheit und Einzigartigkeit des Snowfests hat den Stopp für mich zum unvergesslichsten EPT-Event der Saison gemacht", bemerkt er. „Ich habe über Turniere auf der ganzen Welt berichtet, aber Saalbach-Hinterglemm ist eine der schönsten Kulissen, die ich je gesehen habe."

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Nächster Halt: Sotschi!


Die eigenartigsten Poker-Spielorte

Im Laufe der Jahre wurde Poker an vielen merkwürdigen Orten gespielt

Die WSOP mischt die Straße auf

1997 hatten die WSOP-Veranstalter die irre Idee, den Final Table des Main Events außerhalb des Binion's Horseshoe auf der Fremont Street in der Innenstadt von Las Vegas auszutragen. So konnten die Zuschauer live beobachten, ob Stu Ungar seinen dritten Main Event-Titel gewinnen konnte, nachdem er Jahre damit zugebracht hatte, seiner Drogensucht Herr zu werden. Die azurblaue Sonnenbrille thronte auf der vom Kokain böse zugerichteten Nase, aber Ungar gelang es, den Sieg einzufahren. Damit ist er der zweite Spieler überhaupt, der beim Main Event einen Hattrick hinlegen konnte. Vorher hegten die Veranstalter aber wohl Zweifel an ihrer Entscheidung, das Event an die frische Luft zu verlagern - Wind zog auf und die Community-Karten mussten unter einem transparenten Plastikkasten ausgeteilt werden, damit sie nicht weggeweht werden. Und die Temperaturen kletterten zu allem Überfluss auf über 37 Grad. Wenig überraschend hat sich die WSOP nach dem Final Table nie wieder an die frische Luft verirrt.

Unter Wasser

Während der Poker-Boom andauerte, riefen Pokerseiten Mitte der 2000er die eigenartigsten Werbekampagnen ins Leben. Ein Anbieter veranstaltete 2005 sogar eine Unterwasser-Partie Poker. 9 Meter unter dem Meeresspiegel versuchten Phil Laak, Kenna James und Juha Helppi ihr Glück in den warmen Gewässern der karibischen Insel St. Kitts. Die Spieler wurden mit einem Atemgerät ausgestattet, der Pokertisch wurde von Ankern gehalten. Natürlich waren die Spielkarten wasserdicht. Am Ende konnte Helppi den Sieg davontragen, obwohl die Spieler wahrscheinlich einfach nur froh waren, den neugierigen Meereswesen zu entfliehen und an die Oberfläche zurückzukehren.

Hoch in der Luft

Beim Pokern ist Herzklopfen ganz normal - vor allem, wenn Sie in einem großen Pot bluffen. Nun, bei folgendem Experiment würde das Adrenalin wahrscheinlich noch schneller durch ihren Körper schießen, denn wer hier verliert, wird über der Wüste von Las Vegas aus einem Flugzeug geschleudert. Das ist bei der „Loser's Leap Extreme Poker Challenge" 2006 so passiert. Einer nach dem anderen flog aus dem Sit and Go-Turnier im Flugzeug, und danach aus dem Fluggefährt selbst - selbstverständlich ausgerüstet mit einem Fallschirm. Der letzte Spieler am Tisch war Nick Grudzien, der sich trotz seines Sieges aus dem Flugzeug stürzte, um wieder festen Boden unter den Füßen zu erreichen.

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