Jan Heitmann: Erster Stopp Barcelona und die Reise dauert an

Der Countdown läuft, es sind nur noch zehn Tage bis zum Start der European Poker Tour Season 11. Am 16. August geht es zunächst los mit dem €1.100 Main Event der Estrellas Poker Tour (ESPT), ehe am 21. August der Startschuss zur EPT100 Barcelona fällt.

Die EPT Barcelona hat sich in den vergangenen Jahren zum beliebtesten Stopp auf der Tour entwickelt. 2014 sorgten 1.234 Teilnehmer für das größte Teilnehmerfeld der letzten vier Seasons und das zweitgrößte Feld der Tour überhaupt (mit Ausnahme des PCA). Natürlich hoffen alle Beteiligten, dass EPT Main Event Nummer 100 diese Zahl noch toppen wird und endlich auch die EPT6 San Remo (1.240 Teilnehmer) von der Spitze verdrängt.

Jan Heitmann ist als Mitglied vom Team PokerStars Pro natürlich beim großen Jubiläum am Start. Bei unserem Gespräch über die 100. EPT stellte sich aber schnell heraus, dass Jan viel mehr mit der Hauptstadt Kataloniens verbindet. Barcelona war der Auftakt einer langen Reise.

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„Ich habe mit Barcelona mehrere Berührungspunkte gehabt, die auch immer zumindest zeitgleich mit einer etwas größeren Entwicklung in meiner Pokerkarriere kamen. Vor elf Jahren fing alles an. Nach meinem Diplom wusste ich nicht genau was ich machen wollte und Poker gab es 2003 noch nicht wirklich in Europa. Ich habe dann einfach ein paar Sachen ins Auto geschmissen - die komplette Friends-Staffel, eine Gitarre und eine komplette Umzugskiste voll mit Pokerbüchern - und bin durch Europa gereist. Der Plan war Städte zu besuchen wo Poker legal im Casino angeboten wurde, so alles zu finanzieren. Der Plan für eine Pleite war: Ab nach Hause und einen Job suchen. Barcelona war das erste Ziel und wenn man es genau nimmt dauert die Reise immer noch an.

Das Klientel war damals natürlich komplett anders im Vergleich zu heute. Da war niemand, der für ein paar Euro 1/2-No-Limit spielen wollte. Ein No-Limit-Spiel gab es, aber das war irgendeine spanische Variante mit 32 Karten. Nach einer Stunde Spielzeit gab es eine kurze Pause, danach haben sich die Spieler wieder mit dem Minimum eingekauft. Also eine ganz furchtbare Variante für einen ernsthaften Pokerspieler.

Ich blieb dennoch drei Wochen in Barcelona, habe mir natürlich die Stadt angeschaut, ein paar Leute kennengelernt und viermal die Woche im Casino €20/€40 Limit Hold'em gegrindet. Das war natürlich schon recht hoch, aber kleinere Games wurden zu der Zeit in den Casinos gar nicht angeboten.

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Bei dieser Partie in Barcelona hatte ich auch gleich eines meiner großen Aha-Erlebnisse im Poker und im Pokerbusiness. An meinem Tisch saß ein älterer Spanier, der einfach schlecht gespielt hat. Was für ein Fisch, dachte ich. Wie kann man denn so schlecht Poker spielen?

Der Spanier war regelmäßig dabei, also mindestens zweimal die Woche, und wird im Schnitt pro Tag so 200 bis 400 Euro verloren haben. Ich habe das zunächst einfach nicht verstanden. Wie kann man regelmäßig so viel Geld aus dem Fenster schmeißen, ohne die Ambition besser zu werden?

Als ich dann aber mit ihm ins Gespräch kam wurde mein erster Eindruck komplett auf den Kopf gestellt. Es stellte sich raus, dass er einer der erfolgreichsten Neurochirurgen Spaniens war. Offensichtlich wahnsinnig intelligent und wahnsinnig erfolgreich. Auf seine alten Tage hat er es einfach genossen mehrmals die Woche ins Casino zu gehen, Wein zu trinken - der wahrscheinlich auch um die €200 gekostet hat - und Poker zu spielen. Ob er verliert oder gewinnt war völlig nebensächlich, weil es um Beträge ging, die ihn gar nicht interessiert haben. Er hat einfach Spaß gehabt.

Da waren die Stammgäste in der Runde und solche Spieler wie ich - auf der Durchreise. Für ihn war das reine Unterhaltung, und da ist mir schnell bewusst geworden, dass jemand der schlecht Poker spielt nicht automatisch ein Fisch ist. Das sieht man ja auch heute bei den Highroller-Turnieren. Da sind Leute dabei, die es im Leben so unfassbar weit gebracht haben, dass die einfach $1 Million-Buy-in-Turniere zum Spaß spielen können. Da kann man wirklich nicht sagen, das sind die Fische.

Diese Erkenntnis kam für mich zum Glück zu einem sehr frühen Zeitpunkt - ich war ja selbst noch unerfahren. Zum einen bringe ich meinen Mitspielern seitdem einen gewissen Respekt entgegen. Auf der anderen Seite hatte ich auch früh ein Instrument gefunden noch besser Poker zu spielen. Wenn ich weiß, dass mein Gegenspieler sich keine großen Gedanken über eine Hand macht, ist das auch eine Information. Da brauch ich mich über Badbeats nicht zu ärgern und kann viel präziser gegen ihn spielen. Ich habe einfach früh gelernt, dass es sehr sinnvoll und profitabel ist sich mit solchen Menschen zu verstehen."

Im zweiten Teil erzählt Jan von seinem ersten Pokertrip mit Teamkollege und Poker-Buddy George Danzer, der die beiden natürlich auch nach Barcelona führte, und seinem ganz persönlichen Highlight bei der EPT Barcelona.

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