Ein Österreicher rockt Down Under

Am 14. Februar 2010 endete im SKYCITY Casino von Adelaide der Main Event der Australia New Zealand Poker Tour. Man könnte auch von einer Australischen Meisterschaft sprechen, denn 215 der insgesamt 235 Teilnehmer kamen aus Down Under und so war es auch keine Überraschung, dass mit Rennis Carnevale ein einheimischer Spieler den Titel sowie AUD165.900 gewann. Der inoffizielle Titel des besten Spielers der Turnierserie ging allerdings an einen Pokerspieler aus Österreich.

Octavian Voegele verhinderte den totalen Triumph der Aussies, zog als einziger ausländischer Spieler in das Finale der letzten neun ein und erreichte am Ende einen hervorragenden dritten Platz, der ihm AUD59.600 einbrachte. Für den AUD3.000-Main-Event hatte sich Octavian über ein Live-Satellite qualifiziert, doch bevor er dort an den Start ging, sorgte er noch beim AUD450-PLO-NLHE Mixed-Turnier mit Rang zwei und beim AUD1.100-NLHE mit Rang vier für weitere Top-Platzierungen.

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Der 24-Jährige stammt aus dem kleinen Ort Obsteig in Tirol, doch im Mai 2006 zog es ihn auf die Südhalbkugel, genauer gesagt nach Gold Coast, der sechstgrößten Stadt Australiens an Südostküste von Queensland. Dort machte Octavian seinen Bachelor in Sport Management und danach sollte es wieder zurück in die Heimat gehen. „Während meiner Uni-Zeit habe ich aber meine Freundin kennengelernt und bin dann mit ihr vor ungefähr einem Jahr nach Adelaide gezogen, da sie dort einen guten Job gefunden hatte", erzählt Octavian, der seine große Leidenschaft Poker mittlerweile zum Beruf gemacht hat.

Mit dem Umzug nach Adelaide, musste er sich allerdings neu orientieren. „Bis vor einem halben Jahr habe ich fast ausschließlich live Cashgames gespielt, da wir im Casino an der Gold Coast und in den privaten Runden das wahrscheinlich beste Spiel in Australien hatten. Es war extrem soft und während der Uni habe ich sechs Mal die Woche im Casino gespielt und nie online. Das Spiel war einfach zu profitabel", erinnert sich Octavian mit etwas Wehmut an diese Zeit zurück. In Adelaide dagegen gab es keine guten Home- oder Casinogames und so folgte der Umstieg auf Onlinepoker.

„Ich bin natürlich gleich ein paar Mal bankrott gegangen, habe mich dann im Oktober aber dazu entschlossen es noch einmal richtig zu probieren." Er meldete sich bei einer Coaching-Seite an, schaffte sich die nötige Pokersoftware an und entdeckte nach und nach die Liebe zum Turnierpoker. „Mittlerweile spiele ich fast nur noch Turniere im Internet." Mit Erfolg. Zwar spielt er online noch die niedrigen und mittleren Buy-ins, doch allein bei PokerStars cashte er im November und Dezember für deutlich über $10.000 und schloss das Online-Tournament-Ranking in Australien sogar noch auf dem 60. Platz ab.

Als die ANZPT im Februar nach Adelaide kam, ging es dann wieder an die Livetische und seine Erfahrung aus den Cashgames an der Gold Coast machte sich, nach den für ihn unspektakulär verlaufenden Aussie Millions, richtig bezahlt. „An Tag eins saß ich zusammen mit meinem besten Freund Jack Drake, ebenfalls ein Pokerpro, und einem weiteren guten Freund am Tisch. Wir versuchten natürlich uns gegenseitig zu meiden und die Schwachstellen am Tisch zu attackieren, was ganz gut funktionierte. Am zweiten Tag habe ich Glück gehabt und einen ziemlich soften Tisch erwischt, an dem ich Chips sammeln konnte ohne jemals in Gefahr zu geraten", berichtet Octavian.

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Die Keyhand im Turnier spielte sich dann am dritten Turniertag, kurz vor der Bubble, ab und der Österreicher erinnert sich noch ganz genau an diese entscheidende Phase: „Unser Tisch wurde gebrochen und ein nicht besonders guter Spieler, der schon zwei Mal versucht hatte mich zu bluffen, war auch an meinem neuen Tisch dabei. Gleich in der ersten Hand limpte er aus früher Position und ich wusste, dass er jedes Pocketpair und alles mit zwei Picturecards erhöht hätte. Ich saß im Big Blind mit 7-7, raiste bei Blinds in Höhe von 1.000/2.000 auf 8.000 und er callte natürlich. Der Flop brachte T♠6♠5♥, ich setzte 12.000 und er erhöhte auf 24.000. Dieses Play hatte er schon mehrfach mit einem Flushdraw gemacht, also zahlte ich nach und am Turn folgte die 6♥. Ich checkte, er setzte 28.000, die ich sofort bezahlte und auch nach dem K♦ am River snap-callte ich seine 48.000 Chips und er zeigte J♠8♠ für den missed Flushdraw. Hätte ich die Hand verloren, wären nur noch 30.000 übrig gewesen, so hatte ich aber einen guten Stack und ein gutes Image, sodass ich die Bubble extrem aggressiv spielen konnte und weitere Chips aufgebaut habe." Das Ende ist bekannt.

Für das noch junge Jahr 2010 hat sich Octavian noch einiges vorgenommen. Online soll es natürlich weiter bergauf gehen, aber auch live stehen einige Highlights auf dem Programm: „Das Ticket für Las Vegas ist bereits gebucht und ich plane bei der WSOP ca. elf Turniere ein." Die ANZPT steht ebenfalls ganz oben auf der Prioritätenliste des Österreichers, „denn nach dem guten Start hoffe ich natürlich auch im Overall-Leaderboard ganz vorn zu landen. Schließlich gibt es ein Sponsoring von PokerStars zu gewinnen." Dieses Sponsoring für den ANZPT-Overall-Champion umfasst immerhin vier Packages für die Asia Pacific Poker Tour (APPT) und wahlweise ein Package für die Aussie Millions oder das PokerStars Caribbean Adventure auf den Bahamas.

Der PokerStarsblog.de wird Ocatvian natürlich im Auge behalten und ich hoffe, dass es in den kommenden Monaten noch einiges zu berichten geben wird von dem Österreicher in Down Under.